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Stand: 17.06.2013

John Tanzer, WWF International: „Die Ozeane haben ein Problem“

Eine Leben für die Meere: John Tanzer wuchs am Great Barrier Reef auf und kämpft schon sein ganzes Leben lang für dessen Erhalt. Heute leitet er das Globale Meeresschutzprogramm des WWF International und weiß, was die Meere vor allem brauchen.

John Tanzer. © Dirk Lässig / WWF
John Tanzer. © Dirk Lässig / WWF

WWF: Überfischung, Verschmutzung: Was ist die größte Herausforderung im Moment für Sie als Leiter der WWF Meeresprogramms?

John Tanzer: Die Wichtigste ist wohl, dass wir den Zustand der Meere für die Menschen relevant machen. Wir kennen die Probleme der Meere und für die meisten auch die Lösungen. Wir müssen aber die Leute überzeugen, dass Meeresschutz nicht bedeutet, irgendwelche aufregenden Tiere oder schöne Orte zu schützen. Das sollten wir auch tun, aber entscheidend ist doch die Fähigkeit der Ozeane uns zu erhalten. Die Meere sind kein Luxusprodukt, wo wir im Sommer zum Schwimmen hinfahren. Die Ozeane sind enorm wichtig für die immer drängendere Frage der Ernährungssicherheit – und natürlich auch für das Klima. Und natürlich auch für den Meerestourismus. Ich komme gerade von den Philippinen, aus Puerto Princesa auf Palawan.

Was ist denn das Problem? Wenn Leute dort Urlaub machen, lieben sie doch meistens das Meer…

Nehmen wir doch das Mittelmeer. Gerade viele Deutsche fahren dorthin im Sommer. Aber wenn man am Strand sitzt denkt man: Wo ist das Problem? Wunderschönes Meer, klares Wasser. Aber die ökologische Grundlage ist schon fast verschwunden. Das Problem ist doch: Wir leben nicht im Meer, wir bekommen die Probleme nicht unmittelbar mit. Ein Fischer, der sein ganzes Leben mit dem Meer verbringt - der versteht die Lage. Wir müssen das vermitteln, ohne zu alarmistisch zu sein, ohne immer nur Schwarz zu malen: Die Ozeane sind wirklich in großen Schwierigkeiten.

Sie sind Australier und haben den Großteil ihres Lebens am Great Barrier Reef und in Indonesien gearbeitet. Die Schönheit dieser Orte ist weltberühmt und viele, viel Touristen kommen von weit extra dorthin gereist. Ist es nicht leichter dort Umweltschutz zu machen als sagen wir: an der Ostsee…

Ich habe da viel darüber nachgedacht, als ich meine deutschen Kollegen an der Ostsee getroffen habe. Es ist wirklich schwer, dort die nötige Öffentlichkeit für Meeresschutzthemen und Resourcenmanagement zu bekommen. Aber die Leute in Deutschland sind ja stark an den Ozeanen interessiert. Wie soll man sonst erklären, dass es doch immer eine Menge deutsche Forschungs- und Schutzprogramme gab? Und raten Sie mal, woher die meisten Backpacker am Great Barrier Reef kommen? Bei den älteren Touristen sind es mehrheitlich Amerikaner, aber die jungen, Abenteuerlustigen, an Ökokologie interessierten: Das sind vor allem Schweden und Deutsche.

John Tanzer, Leiter des Globalen Meereschutzprogramms des WWF International und Heike Vesper, Leiterin Meere & Küsten beim WWF Deutschland über den Schutz der Meere

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