WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Eine tödliche Verschwendung

Gut 80 Millionen Tonnen Fisch und Meerestiere holt die globale Fischindustrie Jahr für Jahr aus den Ozeanen. Das ist zu viel, weil wir heute schon vier Fünftel aller Fischbestände eher schonen sollten, anstatt sie weiter intensiv und an der Grenze ihrer Belastbarkeit zu befischen.

Da gehört der Hammerhai nicht hin. © Brian J. Skerry / Nat. Geogr. Stock / WWF
Da gehört der Hammerhai nicht hin. © Brian J. Skerry / Nat. Geogr. Stock / WWF

Doch damit nicht genug: Dank unsinniger Fischereigesetze und umweltgefährdender Fangmethoden verschwendet die Fischindustrie zusätzlich viele Millionen Tonnen Meereslebewesen pro Jahr. Sie landen unbeabsichtigt in den Netzen als so genannter Beifang. Schätzungen zufolge könnten dem Ökosystem weltweit fast 38 Millionen Tonnen Meerestiere oder etwa 40 Prozent des jährlichen Weltfischfangs auf diese Weise verloren gehen. Während in manchen Fischereien kaum Beifang anfällt, landen bei anderen pro Kilogramm Zielart bis zu 20 Kilogramm Meerestiere mit im Netz.  

Unterm Strich heißt das: Beifang ist eine gigantische Verschwendung. Sie bringt Arten an den Rand des Aussterbens, bedroht die Basis der Fischerei und zerstört den empfindlichen Lebensraum Meer– ganz abgesehen davon, ob wir es ethisch vertreten können, dass Lebewesen wie Müll behandelt werden. Warum diese Verschwendung?

Gesetzlich verordneter Wahnsinn

Wenn europäische Fischer Fische fangen, für die sie keine Fangerlaubnis haben, dann dürfen sie diese nach dem EU-Gesetz nicht an Land bringen, sondern müssen sie noch auf See zurückwerfen. Dieser Fang ist somit „Discard“, das bedeutet Rückwurf, und geht wieder über Bord. Die meisten Fische überleben diese Tortur nicht. Beim Fang auf Scholle, Seezunge oder Krabben in der Nordsee werden über die Hälfte der gefangenen Lebewesen wieder ins Meer geworfen – selbst dann, wenn Fische darunter sind, die auf der Wunschliste eines anderen Fischers stehen. In der Nordsee gilt seit 2009 ein so genanntes „high-grading“ Verbot. Damit wurde eine Praxis untersagt, die die Verschwendung aus rein ökonomischen Gesichtspunkten vorangetrieben hat. Denn Fischer warfen marktfähigen Fisch weg, weil sie hofften, mit einem weiteren Hol größere und damit wertvollere Exemplare zu fangen. Das gleiche Verbot gilt seit 2010 auch in der Ostsee. Leider ist ein solches Gesetz nur so gut wie seine Kontrollierbarkeit und daran hapert es noch, denn Kontrollen in der Fischerei müssen von den Mitgliedstaaten selbst durchgeführt und bezahlt werden.

 

Ohne Rücksicht auf Verluste

Doch Schuld sind nicht nur schlechte Gesetze, sondern auch die zerstörerischen Fangmethoden, mit denen noch immer die Mehrheit der Schiffe auf Beutezug gehen. Dazu gehören die Baumkurren-Schleppnetze, die in der Fischerei auf Scholle, Seezunge und Krabben zum Einsatz kommen. Die so genannten Scheuchketten der Baumkurren graben sich durch den Meeresboden und in den Netzen landen unzählige Krebse, Seesterne, Muscheln und Jungfische, die der Fischer anschließend „entsorgen“ muss. In anderen Meeresgebieten verfangen sich Seevögel, Meeresschildkröten und Meeressäuger in den Fischernetzen oder an den Haken von Langleinen, an die eigentlich Tunfische beißen sollen. In den meisten Fällen gelingt es diesen Tieren nicht, sich aus eigener Kraft zu befreien und sie ertrinken. Wale sind zwar oft kräftig genug, um sich loszureißen. Allerdings können sich Netzreste um Flossen, Fluke und Kopf wickeln und tiefe Verletzungen verursachen.

 

Beifang kann verhindert werden

Etwa 300.000 Wale, Delfine und Tümmler ertrinken jährlich als ungewollter Beifang in den Netzen der Fischerei. Damit sterben durch Beifang mehr Wale pro Jahr als zur Blütezeit des Walfangs im vergangenen Jahrhundert. Auch zigtausende Haie, Seevögel und Meeresschildkröten kommen unnötig um. Dabei liegen die Lösungen schon bereit: Allein durch den Einsatz von so genannten „Schlauen Netzen“, anders geformten Haken oder Fluchtfenstern in den Netzen kann der Beifang erheblich verringert werden. Die Fischerei sollte nicht länger fackeln, sondern schnell auf solche Techniken umrüsten und die Politik sollte sie ausdrücklich dazu verpflichten und bei der Umrüstung unterstützen. Dann gäbe es wieder Hoffnung für die Meeresbewohner. 

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF