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Mitgefangen, mitgehangen - Einzigartige Geschöpfe durch Beifang bedroht

Diese Tiere erleiden unnötige Qualen. Delphine, die sich nicht wehren können gegen die einschneidenden Netzteile um ihre Flossen. Tiefseebewohner, die schwer verletzt wieder über die Reling geschaufelt werden. Schildkröten, die mit ihrem Gaumen an Haken hängen bleiben. Sie alle werden Opfer einer maßlosen Fischerei.

© Brian J. Skerry / National Geogr. Stock / WWF
© Brian J. Skerry / National Geogr. Stock / WWF

Meeresschildkröten

Jedes Jahr wird für eine Viertelmillion Meeresschildkröten die Langleinenfischerei zur gefährlichen Falle. Jede dieser manchmal mehr als 100 Kilometer langen Leinen ist mit tausenden beköderten Haken bestückt. Eigentlich sollen diese Köder Thun- oder Schwertfische anlocken. Doch auch die Unechte Karett- oder die Lederschildkröte mögen diese Leckerbissen und enden so als Beifang. Selbst wenn sie den schmerzhaften Fang überstehen, ist ihr Überleben noch nicht gesichert, denn längst nicht jeder Fischer macht sich die Mühe, die Tiere behutsam vom Haken zu befreien. Im Gegenteil: Oft wird nur die aus dem Schildkrötenmaul ragende Schnur gekappt. Der verschluckte Haken und die Schnur verursachen innere Verletzungen und lassen die Schildkröte qualvoll sterben.

Mittlerweile ist für die Meeresschildkröten, die bereits seit Millionen von Jahren die Ozeane bewohnen, der Beifangtod die stärkste Bedrohung. Die Population der Lederschildkröte – mit 1,6 Metern Länge die größte Schildkrötenart der Welt – ging im Ostpazifik allein in den letzten 20 Jahren um fast 90 Prozent zurück.

Rochen und Haie

© Brian J. Skerry National Geogr. Stock / WWF
© Brian J. Skerry  National Geogr. Stock / WWF

Insgesamt kommen Jahr für Jahr mehrere Millionen Haie und Rochen durch die Langleinenfischerei ums Leben. Beifang ist die Hauptursache für das Verschwinden von 89 Prozent der Hammerhaie und über 50 Prozent der Makohaie aus dem Nordwest-Atlantik. Ein ungeheurer Verlust, zumal die Tiere ohnehin intensiv bejagt werden: Mit Haifischflossen lässt sich in Asien sehr viel Geld verdienen. Dafür müssen dem Hai auf dem Schiff bei lebendigem Leib die Flossen abgetrennt werden. Anschließend wirft man das verstümmelte Tier wieder über Bord. „Finning“ nennt sich diese grausame Methode. Die meist noch lebenden Haie werden entweder zur leichten Beute hungriger Raubfische, oder sie sterben einen qualvollen Erstickungstod, da Haie ständig schwimmen müssen, um atmen zu können.

Wale und Delphine

Über 300.000 Wale und Delfine sterben jedes Jahr einen sinnlosen Tod. Sie verletzen sich an Gerätschaften der Fischerei, werden durch Netzteile stranguliert oder ersticken, weil sie sich nicht aus den Netzen befreien und zum Atmen auftauchen können. Selbst wenn es ihnen gelingt, sich loszureißen, können ihnen Maschen und Schnüre weiter zu schaffen machen. Bei den Bartenwalen etwa können sich Netzreste um ihren Filterapparat, dieBarten, legen. Ohne diese fein gegliederten Hornplatten können Bartenwale kein Plankton mehr aus dem Meerwasser filtern – ihre Nahrungsaufnahme ist dann stark beeinträchtigt. Die größte Gefahr für die Delfine sind Kiemennetze. Verfangen sie sich darin, ist das meist ihr Todesurteil. 

Seevögel

© Nils Aukan / WWF-Canon
© Nils Aukan / WWF-Canon

Der Beifangirrsinn erreicht sogar die Bewohner der Lüfte. Auch Vögel werden von der Fischerei nicht geschont, allen voran Albatrosse, Sturmvögel, Enten und auch Pinguine. Sie ertrinken, weil sie nach den Ködern tauchen, die an Langleinen befestigt sind oder sie verheddern sich rettungslos in Treib-, Schlepp- oder Kiemennetzen. In den letzten zehn Jahren sind geschätzte zwei Millionen Seevögel allein durch die europäische Fischerei umgekommen. Der Tod im Netz ist mitverantwortlich für den Rückgang einiger Seevogelarten um mehr als 80 Prozent. Die Vögel werden auch durch die Abfälle und Rückwürfe angelockt, die auf den Trawlern anfallen.

"Wertlose" Fische

© Rudolf Svensen / WWF-Canon
© Rudolf Svensen / WWF-Canon

Aufgrund zu enger Maschen geraten auch Fische in die Netze, die noch gar nicht gefangen werden dürften, weil sie noch zu klein sind. Sie konnten vor ihrem Tod keine Nachkommen hinterlassen, sind für den Fischer aber dennoch ohne Wert, denn er darf sie nicht vermarkten. Beispiel Kabeljau: Europas einstiger „Brotfisch“ gilt heute in der Nordsee als überfischt und ist gleichzeitig durch Beifang bedroht. Bei der Fischerei auf Kaisergranat mit Grundschleppnetzen fallen mehr als 50 Prozent Beifang an – ein Großteil davon junger Kabeljau, der wegen seiner zu geringen Größe von den Fischern zurück ins Meer geworfen wird. Darüber hinaus kommt es sogar vor, dass Fischer qualitativ hochwertige Fische über Bord schmeißen, weil sie ihren Laderaum nur mit den größten und wirtschaftlich lukrativsten Exemplaren füllen wollen. Dieses Vorgehen nennt sich „High-Grading“, müsste aber eigentlich „Perfektion der Verschwendung“ heißen. Erst seit dem Jahr 2009 ist diese Praxis in der Nordseefischerei untersagt, seit 2010 auch in der Ostsee.

Seesterne, Muscheln und Co.

© Mike R. Jackson / WWF-Canon
© Mike R. Jackson / WWF-Canon

Geschätzte 150.000 Tonnen wirbellose Tiere wie Seesterne, Schwämme oder Muscheln reißen Nordseefischer aus ihrem Lebensraum, nur um sie danach wieder von der Ladefläche zu kippen. Im Nordatlantik gilt ihr Interesse eigentlich den Shrimps, Rotbarschen, Granatbarschen oder dem Leng. Für Wirbellose besteht hingegen gar kein Markt. Doch diesen Unterschied kennt das Fanggerät nicht: Viele der filigranen und oftmals langsam wachsenden Organismen werden im Netz zerquetscht. Andere halten alleine dem enormen Druckunterschied nicht Stand, wenn sie aus großen Tiefen geholt werden.

Korallen

© Jürgen Freund / WWF-Canon
© Jürgen Freund / WWF-Canon

Korallenriffe gelten als die „Regenwälder der Meere“. Sie sind über Jahrtausende gewachsen und hoch empfindlich für äußere Eingriffe. Grundschleppnetze, die über den Meeresboden gezogen werden, um die dort lebenden Fische und Krustentiere zu fangen, hinterlassen hier eine Schneise der Zerstörung. Die Netze graben Furchen in das empfindliche Ökosystem. Insbesondere Kaltwasserkorallen sind bedroht, da sie besonders lange brauchen, um nachzuwachsen.

   
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