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Stand: 10.12.2015

Die Gemeinsame Fischereipolitik der EU – Trendwende zu nachhaltigem Management dringend nötig

Traurig aber wahr: Europa ist Weltmeister im Leerfischen. Während weltweit derzeit 29 Prozent aller Fischbestände als überfischt gelten, sind nach Angaben von Wissenschaftlern im Nordostatlantik 64 Prozent der Fischbestände außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Im Mittelmeer ist die Situation am schlimmsten: Dort gelten derzeit 93 Prozent der untersuchten Fischbestände als überfischt.

Europa ist Weltmeister im Plündern der Meere. © Jorge Bartolomé / WWF
Europa ist Weltmeister im Plündern der Meere. © Jorge Bartolomé / WWF

Die Regelung der Fischerei ist eine Sache der Europäischen Union. Die erklärten Ziele der so genannten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU sind die nachhaltige Nutzung der Ressourcen auf Basis des „höchstmöglichen Dauerertrages“ (engl. maximum sustainable yield, MSY), eine Beendigung der verschwenderischen Rückwurfpraxis, die Minimierung der Auswirkungen der Fischerei auf die Umwelt und eine wettbewerbsfähige Fischereiwirtschaft. In den vergangenen Jahrzehnten hat diese Politik nicht funktioniert. Das Ergebnis: Nach 30 Jahren verfehlter Politik war die Fischfangflotte zwei- bis dreimal größer, als für eine nachhaltige Fischerei verträglich wäre. Zwei von drei der untersuchten Fischbestände in EU-Gewässern sind überfischt.

Das neue Fischereigesetz - Revolution oder Schleichweg?

Ende 2013, nach mehr als drei Jahren zäher und intensiver Verhandlungen, verabschiedeten die Fischerei-Minister das neue Fischereigesetz. Es hätte eine kleine Revolution sein können: Erstmals wollte die EU-Politik die Gefahr der Überfischung wirklich ernsthaft anpacken und Lösungen für nachhaltigen Fischfang finden. Es wurde beispielsweise ein Rückwurfverbot beschlossen mit dem Ziel, alles an Land zu bringen, was gefangen wurde. So sollte der unerwünschte Beifang minimiert werden. Auch ein Nachhaltigkeitsziel wurde in dem Gesetz verankert: Ab spätestens 2020 darf in allen EU-Fischereien nur noch so viel gefischt werden wie nachwachsen kann. Und endlich sollen sich die EU-Fischer auch außerhalb der EU an die neuen Regeln halten – selbst wenn sie vor Afrika fischen.

Aber zwei Jahre nach Einführung der reformierten Politik ist die Ernüchterung groß. Die EU-Mitgliedstaaten setzen die grundsätzlich guten, neuen Regelungen im Schneckentempo und unvollständig um. Das Versprechen der Politik, die Empfehlungen der Wissenschaftler zur Festlegung nachhaltiger Fangmengen zur Entscheidungsgrundlage zu machen, wird nicht eingehalten. Regelmäßig legen die Fischereiminister der EU-Mitgliedstaaten auch weiterhin zu hohe Fangmengen fest, das mussten wir schon Ende 2014 feststellen. Das muss sich dringend ändern, damit sich die Fischbestände erholen können. Denn auch die Fischerei ist nur dann langfristig profitabel, wenn die Fischbestände in gutem Zustand sind. Es scheint aber, als seien die EU-Fischereiminister vor allem daran interessiert, die jeweils eigene Fischerei kurzfristig profitabel zu halten. Weshalb es dazu leider immer wieder kommt, haben wir in einem kleinen Film zu erklären versucht:

Eine zukunftsfähige europäische Fischerei muss aus WWF-Sicht folgende Kriterien erfüllen:

  • Die Überfischung wird gestoppt. Fangmengen werden nach besten wissenschaftlichen Erkenntnissen festgelegt, sodass nur so viel gefischt wird, wie nachwachsen kann.
  • Das Rückwurf-Verbot wird konsequent umgesetzt. Rückwürfe werden bereits beim Fang durch den Einsatz selektiver Fangmethoden vermieden. Gezielt wird dabei die Innovation in der Fischereitechnik zur praktischen Umsetzung des Rückwurf-Verbotes gefördert. Durch bessere Planung, wann und wo gefischt wird, werden Gebiete gezielt gemieden, in denen sich z.B. viel Jungfisch aufhält. Die Umsetzung des Rückwurf-Verbotes wird konsequent und umfassend kontrolliert, z.B. durch den Einsatz von Kameras an Bord. Regelverstöße werden in einem abschreckenden Maß geahndet.
  • Schutzgebiete im Meer werden vor dem Einfluss schädlicher Fischereimethoden geschützt, so dass sich dort die Fischbestände erholen können, die dann außerhalb der Gebiete nachhaltige und bessere Erträge liefern.
  • Langfristige Mehrjahres-Pläne für jede Fischerei in der EU werden von Vertretern aus Fischerei, Umweltschutz, Wissenschaft und Politik gemeinsam maßgeschneidert erstellt. Im Rahmen dieser Pläne werden das Prinzip des „höchstmöglichen Dauerertrages“ zur nachhaltigen Befischung und ein Ökosystem-Ansatz des Fischereimanagements fest verankert.

Ein schnelles Umdenken im Fischereimanagement ist lange überfällig. Unsere gemeinsamen Ressourcen müssen wir nachhaltig nutzen und verantwortungsvoller mit ihnen umgehen, egal wo wir fischen. Gemeinsam das Richtige tun – jetzt. 

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