EU muss die Verschwendung beenden
Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik steht an – Trendwende zu nachhaltigem Management dringend nötig
Traurig aber wahr: Europa ist Weltmeister im Plündern der Meere. Während weltweit derzeit 28 Prozent aller Fischbestände als überfischt gelten, sind es in den europäischen Gewässern sogar über 80 Prozent.

Die Regelung der Fischerei ist eine Sache der Europäischen Union. Erklärte Ziele der so genannten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU sind die nachhaltige Nutzung der Ressourcen, eine Minimierung der Auswirkungen der Fischerei auf Ökosysteme und eine wettbewerbsfähige Fischereiwirtschaft. In den vergangenen Jahrzehnten ist diese Politik gescheitert. Das Ergebnis: Drei von vier untersuchten Beständen sind überfischt, die Fischfangflotte ist zwei- bis dreimal größer, als für eine nachhaltige Fischerei verträglich wäre und in den vergangenen 10 Jahren sind die Fischanlandungen in europäischen Häfen um 30 Prozent zurückgegangen.
Jetzt hat die EU die Chance alles grundlegend zu ändern: Derzeit arbeitet sie an der Reform ihrer Fischereipolitik. Die neuen Gesetze werden ab 2013 in Kraft treten und 10 Jahre gelten. Aus Sicht des WWF muss dieses Gesetzespaket radikal erneuert und dafür wichtige Schlüsselelemente verankert werden, damit die Vision einer zukunftsfähigen europäischen Fischerei Realität werden kann und nicht im Wesentlichen alles beim Alten bleibt – denn das können wir uns nicht leisten.
Eine zukunftsfähige europäische Fischerei soll aus WWF-Sicht folgende Kriterien erfüllen:
- Beendigung der Überfischung, indem nach besten wissenschaftlichen Erkenntnissen nur so viel gefischt wird, wie nachwächst.
- Vermeidung von Rückwürfen schon beim Fang durch bessere Techniken und genauere Planung, was, wann und wo gefischt wird.
- Wirkungsvolle Maßnahmen zum Abbau der Flottenkapazität, um den Druck auf die Fischbestände zu senken und gleichzeitig die geringer werdende Zahl der Arbeitsplätze in der Fischerei langfristig zu sichern.
- Langfristige Managementpläne, die zusammen mit Vertretern aus Fischerei, Umweltschutz, Wissenschaft und Politik für jede Fischerei in der EU erstellt werden.
- Für jeden dieser Pläne sollen Kapazitätsanalysen erstellt und wirkungsvolle Maßnahmen zur Vermeidung der Rückwürfe vereinbart werden.
- Grundsätzlich sollen die Fischereiregeln nicht nur innerhalb der EU gelten, sondern auch für alle Fangschiffe, die unter EU-Flagge außerhalb europäischer Gewässer arbeiten.
Ein schnelles Umdenken im Fischereimanagement ist lange überfällig. Unsere gemeinsamen Ressourcen müssen wir nachhaltig nutzen und verantwortungsvoller mit ihnen umgehen, egal wo wir fischen. Gemeinsam das Richtige tun – jetzt.
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