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Stand: 02.02.2016

Illegale Fischerei

Die illegale, unregulierte und undokumentierte Fischerei (kurz: IUU-Fischerei) ist ein großes Problem. Illegale Fänge kosten die globale, legitime Fischereiindustrie schätzungsweise 9 bis 22 Milliarden Euro jährlich. Dies entspricht einem Anteil von 13 bis 31 Prozent der globalen Fischfänge.

Illegaler Trawler © Mike Markovinathe / Pew Charitable Trusts
Illegaler Trawler © Mike Markovinathe / Pew Charitable Trusts

Die schiere Größe der Meere stellt eine Herausforderung dar: Wie kontrolliert man, dass sich alle an die Regeln halten? Fische werden mit unerlaubtem Fanggerät, zu Sperrzeiten oder in Schutzgebieten gefangen. Oder es werden Fischarten gefangen, für die der Fischer keine Lizenz hat, oder mehr Fische, als ihm erlaubt ist.

Manche Fangschiffeigner umgehen sämtliche Regeln, indem sie unter einer so genannten Billigflagge fahren. Staaten solcher Flaggen kontrollieren ihre Fangflotten kaum und bei Verstößen folgen keine Sanktionen. Auch das internationale Seerecht, bietet ausreichend rechtliche Schlupflöcher, sodass die Betreiber dieser Schiffe ungeahndet davon kommen.

Die Hauptmotivation für IUU-Fischerei ist der wirtschaftliche Nutzen. Ein Fischereifahrzeug, das illegal fischt, kann seine Gewinne maximieren, indem es seine Betriebskosten senkt, zum Beispiel im Hinblick auf Lizenzen und den damit einhergehenden Auflagen wie der Einhaltung des Steuer- und Arbeitsrechts. Den Preis für IUU-Fischerei zahlen die Fischer, die sich an die Gesetze halten. Am Ende konkurrieren sie mit den unfairen Praktiken der IUU-Fischer und sind im Wettbewerb aufgrund höherer Kosten im Nachteil. 

Fischer in Ghana - bedrohte Existenz © EJF
Fischer in Ghana - bedrohte Existenz © EJF

Illegale Fischer sind oft in Fanggebieten mit schwachen nationalen oder internationalen Kontrollen unterwegs. So grassiert in den Gewässern von Entwicklungsländern und insbesondere der westafrikanischen Staaten, die illegale Fischerei. Mindestens jeder dritte Fisch stammt hier aus illegalen Fängen.

Besonders in Ländern, in denen große Teile der Bevölkerung von der Fischerei für die Lebensmittelversorgung, Existenz- und Einkommenssicherung abhängen, hat die illegale Ausbeutung der Meeresressourcen gravierende Folgen.

Ein globales Geschäft

Bevor ein Stück Fisch bei uns auf dem Teller landet, ist es oft um die halbe Welt gereist und hat dabei Zwischenstation in mehreren Ländern gemacht. Diese globalen Fischlieferketten bieten Schlupflöcher, zum Beispiel während Umladungen auf See oder der Anlandung und Verarbeitung, durch die illegaler Fisch in legale Handelströme eingebracht wird. Nach der Vermischung mit legalen Produkten ist illegaler Fisch nur sehr schwer zu erkennen.

Als weltweit größter Importeur von Fischereiprodukten ist die Europäische Union ein lukrativer Zielmarkt für IUU-Akteure. Nach Schätzungen aus dem Jahr 2007 werden allein in die Europäische Union jedes Jahr mindestens 500.000 Tonnen illegal gefangener Fisch mit einem Wert von etwa 1,1 Milliarden Euro importiert. Die EU importiert viele hochpreisige Produkte über Handelspartner aus allen fünf Kontinenten. Darum haben die Maßnahmen der EU einen entscheidenden Einfluss auf die Fischereiindustrie weltweit.

Aktiv gegen die illegale Fischerei

Kontrolle in Sierra Leone © PEW
Kontrolle in Sierra Leone © PEW

Mit dem Ziel gegen die IUU-Fischerei vorzugehen und die Einfuhr illegaler Ware zu verhindern, hat die EU ein neues Regelwerk verabschiedet. Am 1. Januar 2010 trat die EU-Verordnung zur Verhinderung, Bekämpfung und Unterbindung der illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten Fischerei in Kraft. Sie gilt weithin als die ehrgeizigste Rechtsvorschrift ihrer Art.

Seit ihrer Einführung hat die Verordnung sich als wirkungsvolles Instrument zur Bekämpfung der IUU-Fischerei erwiesen. Sie leistet einen Beitrag dazu, illegal gefangenen Fisch aus dem EU-Markt fernzuhalten. Sie treibt weltweit positive Veränderungen von Fischereistandards und -verfahren voran und unterstützt somit das Ziel weltweit eine nachhaltige Fischereiindustrie zu erreichen.

Ungeachtet dieser Erfolge gibt es noch viel zu tun, um die Verordnung vollständig und einheitlich umzusetzen. Deutschland spielt hier als einer der größten Importeure von Fischereiprodukten in der EU eine entscheidende Rolle. Die Bundesregierung muss für die Kontrollen zusätzliche Ressourcen einsetzten und für ein gründliches Prüfverfahren sorgen. Nur so kann die Einfuhr von Produkten aus IUU-Fischerei vermieden werden und die IUU-Fischerei erfolgreich bekämpft werden.

Beendigung der IUU-Fischerei

Der WWF setzt sich gemeinsam mit der Environmental Justice Foundation (EJF), Oceana und The Pew Charitable Trusts für die einheitliche und wirksame Umsetzung der EU-Verordnung zur Beendigung der IUU-Fischerei ein.

Auch Händler und Konsumenten können etwas beitragen. Eine lückenlose Rückverfolgung der Produkte vom Netz bis zum Teller muss möglich gemacht werden. Produkte aus MSC-zertifizierter Fischerei bieten bereits heute eine solide Rückverfolgbarkeit.

   
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