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Der legalisierte Raubbau im Meer muss beendet werden!

Weltweit wird das Meer katastrophal überfischt. Auch in Europa wird viel zu viel Fisch gefangen. Schuld daran sind auch die EU-Fischereiminister. Sie legalisieren Raubbau – und handeln gegen besseres Wissen. Das muss jetzt aufhören. Entschieden wird am 18. Dezember 2012.

Die EU-Fangquoten waren bislang nichts anderes als legalisierte Überfischung. © Kalle Kaub / WWF
Die EU-Fangquoten waren bislang nichts anderes als legalisierte Überfischung. © Kalle Kaub / WWF

Eigentlich sollte man ja denken, dass in der Europäischen Union alles gut geregelt sei. Auch bei der Fischerei. Jedes Jahr wird festgelegt, wie viel von welchem Fisch in den verschiedenen Meeresgebieten gefangen werden darf. Wissenschaftler des Internationalen Rats zur Erforschung der Meere (ICES) ermitteln zuvor, wie viel höchstens gefischt werden dürfte, ohne die Meere zu plündern - doch dann scheren sich die europäischen Fischereiminister nicht mehr um diese Empfehlungen. Ein aktueller WWF-Report zeigt, dass allein im Nordostatlantik in den letzten neun Jahren mehr als sechs Millionen Tonnen Fisch zusätzlich zur wissenschaftlich empfohlenen Menge aus dem Wasser gezogen wurden. Über Jahre haben die Politiker dem Raubbau den amtlichen Segen gegeben. Die EU-Fangquoten waren bislang nichts anderes als legalisierte Überfischung.

Infografik: Gesamtfangmengen im Nordostatlantik © WWF

Wissenschaftler empfehlen, Politiker entscheiden – etwas anderes

Dabei steht es um Europas Meere besonders schlimm: Fast jeder zweite Fischbestand im Nordostatlantik ist überfischt. Im Mittelmeer sind es sogar drastische 80 Prozent. Aber die Minister fanden ganz offensichtlich die Wirtschaftsinteressen der Fischereiindustrie wichtiger als wissenschaftliche Erkenntnisse: Im untersuchten Zeitraum genehmigten die Minister 45 Prozent höhere Fangmengen als die Wissenschaftler empfohlen hatten. Bei den für Deutschland wichtigsten Fischbeständen in Nord- und Ostsee überstiegen die Entscheidungen sogar in 58 Prozent der Entscheidungen die wissenschaftliche Empfehlung. Beispielsweise wurden im Untersuchungszeitraum rund 65.000 Tonnen Scholle mehr aus der Nordsee gefischt, als die Wissenschaftler für vertretbar hielten. Deutschland fängt im ganzen Jahr kaum 5.000 Tonnen Scholle.

Infografik: Entscheidungen über Höchstfangmengen in der EU © WWF

Das muss sich ändern

Nur bei 13 Prozent der Entscheidungen folgten die Minister dem Rat der Wissenschaft. „Die Fischereiminister legalisieren die Überfischung systematisch, indem sie die Empfehlungen der Wissenschaftler ignorieren und Fangquoten nach kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen ausrichten“, verdeutlicht Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF. „Das bedeutet, Fischer halten sich zwar an die Regeln, tragen aber trotzdem zur Überfischung bei. So darf es nicht weitergehen“.

Ilse Aigner muss den wissenschaftlichen Empfehlungen bei der Festsetzung der Fangmengen folgen.  © Council of the European Union
Ilse Aigner muss den wissenschaftlichen Empfehlungen bei der Festsetzung der Fangmengen folgen. © Council of the European Union

Nicht weiter die Meere leer fischen!

Derzeit wird die Fischereipolitik der EU reformiert. Am  18.12.2012 legen die zuständige deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und die EU-Fischereiminister die neuen Fangquoten für 2013 für Nordsee und Nordostatlantik fest. Der WWF fordert, dass die Minister den wissenschaftlichen Empfehlungen bei der Festsetzung der Fangmengen folgen müssen – und sie die Meere nicht weiter leer fischen lassen.

 

Das bisherige Vorgehen ist nämlich nicht nur legalisierter Raubbau an der Natur wider besseren Wissens: Es ist auch eine echte Geldverschwendung. Die EU bezahlte zwischen 2003 und 2012 rund 7,5 Millionen für eine wissenschaftliche Leistung, die die Fischereiminister anschließend systematisch wieder über Bord warfen.

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