WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

WWF gewährt Pangasius aus Vietnam eine Galgenfrist

Pangasius rangiert unter den fünf beliebtesten Speisefischen in Deutschland. Die starke Nachfrage nach den billigen Filets hat die Pangasiuszucht innerhalb kürzester Zeit zu einer boomenden Branche gemacht. Innerhalb eines Jahrzehnts ist die Jahresproduktion von 100.000 Tonnen auf über eine Million Tonnen gestiegen. Hauptproduktionsland ist Vietnam. Hier fehlt es an angemessenen Umweltauflagen und Kontrollen. Die extrem intensive Zucht hat sich im Mekongdelta rasant ausgebreitet und belastet Natur und Umwelt erheblich. Deswegen hat der WWF Pangasius aus konventioneller Zucht in seinem Fischratgeber im Herbst 2010 rot gelistet.

Pangasius-Fischerei in Vietnam. © Catherine Zucco / WWF
Pangasius-Fischerei in Vietnam. © Catherine Zucco / WWF

Bis 2015 strenge Ökokriterien für jeden zweiten Pangasius

Der WWF hat für die Bewertung von Pangasius, einer in Vietnam gezüchteten Welsart, eine neue Kategorie in seinem Fischratgeber eingeführt. Die neue Kategorie „Zucht in Umstellung auf Umweltstandard“ verpflichtet Vietnam, drei Viertel seiner gesamten Pangasius-Produktion auf das vom WWF mitentwickelte ASC-Zertifikat für umweltverträgliche Zuchten umzustellen. Bis 2015 muss Vietnam schon 50 Prozent der Exportmenge nach diesem Standard produzieren. Diese zügige und breitangelegte Wende wird durch die Einführung umweltschonender Produktionsmethoden dafür sorgen, die negativen Umweltauswirkungen der Pangasiuszucht im Mekong erheblich zu reduzieren. Nachdem sich die komplette Pangasiusindustrie im Vietnam der Umstellung auf eine nachhaltige Praxis verpflichtet hat, hat der WWF den vietnamesischen Pangasius aus der roten Kategorie seines Fischführers entfernt.

 

Im Oktober 2010 bewertete der WWF vietnamesischen Pangasius aus konventioneller Zucht mit „rot“ - also als einen Fisch, den man nicht kaufen sollte. Grund für die Bewertung ist die Verletzung wichtiger ökologischer Produktionskriterien. Nach Protesten der vietnamesischen Regierung bezüglich dieser Bewertung gelang es dem WWF in Gesprächen mit Regierungsvertretern Vietnams sowie Vertretern der Industrie die Verpflichtung zur ökologisch verträglichen Produktion für ganz Vietnam auszuhandeln. Die Transformation konventioneller Aquakultur in umweltverträgliche Zucht braucht Zeit.

Pangasius. © Catherine Zucco / WWF
Pangasius. © Catherine Zucco / WWF

Durch die neue Kategorie bietet der WWF Ländern wie Vietnam die Chance, ihre Zucht innerhalb einer vorher festgelegten Frist auf eine umweltverträgliche Produktion umzustellen. Das bringt umfassende Vorteile für den Naturschutz, weil nicht nur einzelne Betriebe ihre Produktionspraxis verbessern, sondern sich der gesamte Industriezweig wandelt. Beispielsweise wird die Aufbereitung der Abwässer aus den Zuchten verbessert, so dass sich die Wasserverschmutzung im Mekong reduziert. Auch der Anteil von Wildfisch im Futter wird auf ein Minimum reduziert um die Wildfischbestände zu schützen.


Verantwortung für umweltverträgliche Produkte auf dem Deutschen Markt zu übernehmen, heißt dafür zu sorgen, dass eine heute schlechte Produktion mit großen negativen Umweltauswirkungen zukünftig besser wird. Dafür muss entsprechend Geld und Zeit investiert werden.


Der WWF führt seit mehreren Jahren die “Aquakultur Dialoge” durch. In diesem Prozess sind bereits strikte Umweltstandards für die Zucht von Tilapia und Pangasius erarbeitet worden. Ab Ende 2011 wird es vorrausichtlich die ersten Fischprodukte am Markt geben, die nach diesem Standard zertifiziert sind und mit dem Umwelt-Siegel des ASC (Aquaculture Stewardship Council) gekennzeichnet sind.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF