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Der Run auf die Rohstoffe der Tiefsee hat begonnen

Monster, Riesenkraken und bleiche bis durchsichtige Geschöpfe, die in einer sonst unbelebten Dunkelheit ein vergessenes Dasein führen: Das ist die Tiefsee. Doch so fremd und abgeschieden ist sie keineswegs. Über die Tiefkühltruhe des Supermarktes gelangt sie sogar auf unsere Teller. Denn weil immer mehr küstennahe Meeresregionen bereits leer gefischt sind, holen zunehmend Schleppnetze der Fischereiflotten auch Tiefseefische wie den Granatbarsch aus dem Wasser.

Tiefseefisch Aphyonus gelatinosus im Nordatlantik. © naturepl.com/David_Shale/WWF
Tiefseefisch Aphyonus gelatinosus im Nordatlantik. © naturepl.com/David_Shale/WWF

Wohin das Licht nicht mehr vordringen kann, dort beginnt die Tiefsee, meist in ungefähr 400 Metern Tiefe, am unteren Teil der Kontinentalabhänge. Sie umfasst mit den großen Meeresbecken, den Tiefseegräben und den mittelozeanischen Gebirgen insgesamt 318 Millionen Quadratkilometer – das entspricht fast zwei Drittel der gesamten Erdoberfläche oder vier Fünftel der Ozeane. Das bedeutet: Der Großteil unserer Erdoberfläche besteht aus einem Lebensraum, den wir gerade erst beginnen, zu entdecken.

 

Das tun wir leider vor allem, um ihn baldmöglichst genauso auszubeuten wie den Rest der Erde. Denn schneller noch als der Fortschritt der Wissenschaft schreitet die Nutzung der Meere voran. Tiefseefischerei findet heute bereits bis in 2000 Metern Wassertiefe statt. Es werden Rohstoffe wie Erdöl, Mangan und andere Mineralien abgebaut. Der WWF arbeitet bereits seit den neunziger Jahren am Schutz dieses größten Lebensraumes der Erde – mit Erfolgen wie der Schaffung von Meeresschutzzonen für Korallenriffe vor Norwegen, Irland und Schottland sowie für Seeberge und Schwarze Raucher bei den Azoren.

Aus heutiger Sicht stellt vor allem die expandierende, nicht nachhaltige Fischerei die größte Gefahr für die Produktivität und den Artenreichtum der tiefen und offenen Ozeane dar.

Und zwar aus zwei Gründen:

  1. Fische, Korallen und andere Organismen der Tiefsee wachsen in der Regel sehr langsam (das nachgewiesene Alter von einigen Korallen und Fischen ist höher als das von Menschen), pflanzen sich nur spät und selten fort und können daher keiner Fischerei standhalten. Dezimierte Bestände erholen sich nur äußerst langsam. Wissenschaftliche Grundlagen zur nachhaltigen Befischung fehlen noch gänzlich.
  2. Außerdem setzen Trawlerflotten häufig tief reichende Grundschleppnetze ein, welche die wichtige Bodenfauna aus Korallen oder Schwämmen zerstören. Eine Regeneration wird, wenn sie denn überhaupt stattfindet, mehrere hundert bis mehrere tausend Jahre dauern. Den ohnehin schon bedrohten Bewohnern wird so der Lebensraum entzogen.

Neben der Fischerei haben auch Erdöl- und Erdgasförderer und sogar Tourismusunternehmen, die Tauchfahrten zu besonderen Schönheiten anbieten, einen begehrlichen Blick auf die Ressourcen der Tiefsee geworfen. Für ihre Erhaltung durch sorgfältiges Abwägen zwischen Nutzung und Schutzbedarf setzt sich der WWF ein – insbesondere für ein Aussetzen der Fischerei mit Grundschleppnetzen in bestimmten, besonders empfindlichen Gebieten und die Einrichtung eines Netzwerks von Meeresschutzgebieten.

Meeresbodenbergbau

Unter Meeresbodenbergbau wird das Aufsuchen, Erschließen und Fördern von mineralischen Rohstoffen (Bodenschätzen) auf und unter dem Meeresboden verstanden. Der Abbau von Sand- und Kies in den Küstengewässern wird schon lange rund um den Globus betrieben und auch die Förderung von Öl- und Gasvorkommen expandiert seit Jahrzehnten. Die Gefahren für die Meeresumwelt, die marinen Lebensräume und Arten, sind aus Unfällen und verantwortungslosen Förderpraktiken hinlänglich bekannt und zum Teil dramatisch. Nun steht auch noch der Abbau von mineralischen Rohstoffen aus der Tiefsee bevor. Die Folgen für die bis heute noch weitestgehend unerforschten Lebensräumen in über 4000 Metern Wassertiefe sind überhaupt noch nicht abzuschätzen. Auch die seit einiger Zeit diskutierten Methoden zur Speicherung von Kohlenstoffdioxid in Lagerstätten unter dem Meeresboden bergen unabsehbare Risiken für die Meeresökosysteme.

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