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Stand: 04.08.2016

Guanabara Bay in Brasilien: Rettung der Plastik-Bucht

Weltweit ist sie inzwischen als Plastik-Bucht bekannt: Die Guanabara Bay in Rio de Janeiro, Austragungsort der Olympischen Spiele 2016. Abwässer werden ungeklärt eingeleitet und auf dem bakterienverseuchten Wasser schwimmen unfassbare Mengen Müll. Wassersportler hüllen sich in schützende Anzüge. Die Natur kann das nicht. Der WWF will die Bucht und ihren wichtigsten Zufluss, den Carioca River, retten. Kein leichtes Unterfangen.

Guanabara Bay in Brasilien © iStock / Getty Images
Guanabara Bay in Brasilien © iStock / Getty Images

Die deutschen Segler haben sich vor ihren Wettkämpfen in der verdreckten Guanabara Bay in Brasilien umfassend impfen lassen, die amerikanische Rudermannschaft setzt gar auf antibakterielle Anzüge ohne Nähte. Was bleibt ist die Angst, Wasser zu schlucken oder ins Gesicht zu bekommen. Was auch nach Olympia bleibt, sind außerdem Natur, Tiere und Menschen, die nachhaltig unter der extremen Wasserverschmutzung leiden. 

Und die Tiere müssen es schlucken

Boto Cinza Delfine (Sotalia guianensis) CC GFDL
Boto Cinza Delfine (Sotalia guianensis) CC GFDL

Im Einzugsgebiet der Bucht von Guanabara liegen fünf Großstädte mit insgesamt etwa zehn Millionen Einwohnern. Der Zivilisationsmüll ist enorm und findet keine adäquate Entsorgung. In den meisten Gebieten rund um die Bucht werden Abfälle und Abwässer ungefiltert eingeleitet: Guanabara Bay speist sich aus 18 Flüssen, die zusammen etwa 35.000 Tonnen Abfälle pro Monat führen - in der Trockenzeit. In der Regenzeit sind es monatlich sogar bis zu 325.000 Tonnen.

Doch die Meeresbucht ist Heimat einer Vielzahl von Arten und der hohe Grad ihrer Verschmutzung beeinflusst bereits die biologische Vielfalt. Der Bestand der Boto Cinza Delfine (Sotalia guianensis) beispielsweise ist in den letzten drei Jahrzehnten um geschätzte 90 Prozent auf nur noch etwa 40 Exemplare geschrumpft.

Die eine Lösung gibt es nicht

Guanabara Bay bekannt als Plastik-Bucht © iStock / Getty Images
Guanabara Bay bekannt als Plastik-Bucht © iStock / Getty Images

Im Zuge der rapiden Entwicklung Brasiliens in den letzten Jahrzehnten haben sich Produkte aus Kunststoff massenhaft verbreitet. Das zeigt sich nun an Bucht und Flüssen, die voll sind von nicht abbaubarem und äußerst schädlichem Plastikabfall. Das Problem und der Wert der Natur müssen mehr zu Bewusstsein gebracht, die Lebensumstände verbessert und die Gewässer gereinigt werden.

Das Guanabara Bay & Carioca River Projekt des WWF verfolgt deshalb verschiedene Strategien: Durch Aufräumaktionen und Bildungsarbeit, durch Recycling und in der Gemeinde verankerten Tourismus bekämpft der WWF nicht nur zusammen mit der lokalen Bevölkerung die Umweltverschmutzung, sondern verbessert auch ihre Lebensbedingungen.

„Recicletas“: Recycling im Guanabara Bay & Carioca River Projekt

Recicletas heißen die eigens für das Projekt hergestellten, mobilen Recyclingmaschinen. Sie gehören zu einem Recyclingzentrum mit Souvenirshop in Rio de Janeiros Stadtteil Guararapes – gleichzeitig Armenviertel und Startpunkt der Bergbahn zur berühmten Christusstatue. Mit den Recicletas werden zuvor gesammelte Plastik-, Glas- und Papierabfälle verwertet und zu Designerprodukten weiterverarbeitet, um sie an Touristen zu verkaufen.

Schema einer mobilen Recyclingmaschine
Schema einer mobilen RecyclingmaschineLupe

Auch in anderen Stadtteilen und auch ohne Recicletas fördert der WWF rund um die Bucht von Guanabara und den Carioca Fluss Reinigungsaktionen und soziales Engagement, insbesondere mit Blick auf das Sammeln und Wiederverwerten von Plastik zu Produkten höherer Wertschöpfung: Bekommt der Müll einen Wert, wird er weniger achtlos weggeworfen und kann langfristig zur Verbesserung des Einkommens beitragen. Eine WWF-Kampagne klärt außerdem auf über den Wert von Abfall und die Auswirkungen seiner unkontrollierten Entsorgung.

Der Carioca River Trail

Der Carioca-Fluss ist einer der wichtigsten Flüsse, die in die Bucht von Guanabara fließen, und schlängelt sich mitten durch die Slums von Rio de Janeiro. Er hat große symbolische Bedeutung, an ihm wurde die Stadt einst gegründet, er war wichtige Lebensader und auch die Einwohner Rio de Janeiros werden oft Cariocas genannt. Doch heute ist der Fluss durch die Einleitung von Hausmüll und Abwässern aus den umliegenden Siedlungsgebieten zu einer Abfallentsorgungsanlage verkommen.

Um ihn zu retten, richtet der WWF entlang seines Ufers und seiner historischen Strukturen den Carioca River Trail ein: Ein touristischer Lehrpfad soll den Fluss für Besucher und die lokale Bevölkerung gleichermaßen attraktiv machen. Denn durch community-based tourism, also einem gemeindebasierten Tourismus, können Einkommen generiert und ein Bewusstsein für die Bedeutung eines intakten Ökosystems geschaffen werden. Damit der Carioca River wieder werden kann, was ein Fluss sein sollte: ein lebendiges Umwelterbe.

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