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Ökosystem Mangroven in Gefahr

Mangrovenwälder zählen zu den produktivsten, artenreichsten und anpassungsfähigsten Ökosystemen der Erde. Doch sie sind stark bedroht: Seit Mitte des 20. Jahrhunderts  ist etwa die Hälfte der globalen Mangrovenbestände verloren gegangen.

Mangrovenwald © Global Warming Images / WWF
Mangrovenwald © Global Warming Images / WWF

Mangroven sind salz-tolerante Baum- und Straucharten, die an tropischen und subtropischen Küstenlinien und Flussmündungen vorkommen. Mangrovenwälder sind nicht nur Lebensraum und Kinderstube für zahlreiche Wasser-Lebewesen, sondern auch für eine Vielzahl von an Land lebenden Säugetieren, Reptilien und Vögeln. Mit ihren freiliegenden Stelzwurzeln filtern sie das sie umgebende Wasser und tragen zum Aufbau von Küstensediment bei. Dadurch befestigen sie Küstenlinien und mindern die Auswirkungen von Flutwellen und Überschwemmungen. Sie sind in der Lage, sich an den steigenden Meeresspiegel anzupassen, indem sie ihr Wurzelbett erhöhen. Zudem binden sie drei bis fünf Mal mehr CO2 als terrestrische Wälder und tragen so zur Minderung des Klimawandels bei. Und sie bieten mehr als 100 Millionen Menschen, vor allem in Entwicklungsländern, eine Ernährungs- und Einkommensgrundlage durch die natürlichen Ressourcen, die sie bereitstellen.

Laut den aktuellsten Erhebungen umfasst der weltweite Mangrovenbestand knapp 14 Millionen Hektar. Die größten Vorkommen existieren in Asien, gefolgt von Afrika, Südamerika, Nord- und Zentralamerika sowie Ozeanien. Insgesamt finden sich in 123 Ländern der Erde Mangroven als Teil der natürlichen Küstenvegetation. Indonesien führt die Liste mit über 20 Prozent der globalen Mangrovenbestände an, gefolgt von Brasilien, Australien, Mexiko und Nigeria.

Die globalen Mangrovenbestände sind in Gefahr

Garnelenzucht © naturepl.
Garnelenzucht © naturepl.

Mangrovenwälder zählen zu den produktivsten, artenreichsten und anpassungsfähigsten Ökosystemen der Erde. Doch sie sind stark bedroht: Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist etwa die Hälfte der globalen Mangrovenbestände verloren gegangen. Zu den Hauptgründen dafür zählt vor allem die Umwandlung von Mangrovengebieten in Aquakulturflächen. Schätzungen zufolge wurden allein in den 1980er Jahren bis zu 38 Prozent der Mangrovenbestände durch das Anlegen und den Betrieb von Garnelenzuchtfarmen beschädigt. Garnelen aus solchen Aquakulturen landen auch in Deutschland auf den Tellern der Verbraucher. Aber nicht nur für Aquakulturen werden Mangrovengebiete umgewandelt. Auch für die Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen, z.B. Palmölplantagen und Reisfelder, müssen Mangroven weichen. Die Abholzung von Mangroven zur Gewinnung von Holzkohle, Baumaterial und sonstigen Holzprodukten stellt eine weitere enorme Bedrohung für den Gesamtbestand dar. Insgesamt erhöhen steigende Besiedlung und Nutzung von Küstenräumen den Nutzungsdruck auf Küstenökosysteme erheblich – und drängen vielerorts Mangroven zurück. So steht in zahlreichen Küstenregionen auch der Auf- und Ausbau touristischer Infrastruktur wie Strandhotels dem Erhalt der Mangrovenwälder entgegen. Zusätzlich zu diesen direkten Nutzungskonflikten gefährdet die zunehmende Umweltverschmutzung durch den Eintrag von unbehandelten Abwässern, Müll und sonstigen Schadstoffen die wertvollen Küstenökosysteme.

Die Folgen des globalen Mangrovenverlusts

Fischschwarm in Mangroven © naturepl.
Fischschwarm in Mangroven © naturepl.

Mit den Mangroven verschwinden auch die wichtigen Ökosystemdienstleistungen, die sie erbringen. Die biologische Vielfalt geht zurück. Der Rückgang von Arten, die in Mangrovenwälder leben, wirkt sich auf die weit verzweigten natürlichen Nahrungsketten aus. Fisch- und Krebstierbestände schrumpfen, mit katastrophalen Folgen für die lokalen Kleinfischer, die zur Erhaltung ihrer Lebensgrundlage auf den Fischfang angewiesen sind. Aber auch auf globaler Ebene zeigen sich die Folgen des Mangrovenverlusts für die Fischerei. Einige Wissenschaftler schätzen, dass bis zu 80 Prozent der global genutzten Fischbestände von intakten Mangrovengebieten abhängig sind.

Gerodete Mangroven © naturepl.
Gerodete Mangroven © naturepl.

Holz, Kohle, Honig, Heilmittel und andere Erzeugnisse, die die einheimische Bevölkerung aus den Mangroven gewinnt, stehen nicht mehr zur Verfügung. Das belastet insbesondere die Einkommenssituation ärmerer Bevölkerungsgruppen. Küstenerosion und Veränderungen von Flußmündungsgebieten sind weitere Gefahren, die aus dem Verlust von Mangroven resultieren. Wo keine Mangrovenwälder mehr vorhanden sind, treffen Sturmfluten und Tsunamiwellen ungebremst auf die Küste. So hat der Tsunami 2004 in Asien dort am meisten Verwüstung angerichtet, wo keine Mangroven mehr vorhanden waren.

Die bemerkenswerte CO2-Speicherkapzität von Mangroven verkehrt sich bei ihrer Abholzung ins Gegenteil, denn die im Boden gespeicherten CO2-Vorräte werden dann in kurzer Zeit freigesetzt. Die Zerstörung von Mangrovenwäldern verursacht 10 Prozent der weltweit durch Entwaldung entstehenden CO2-Emissionen, obwohl Mangroven nur etwa ein Prozent der Wälder der Erde ausmachen. Abholzung macht aus dem „Klimawunder Mangroven“ einen „Klimakiller“.

Bisherige Schutzbemühungen

Der WWF ist weltweit in mehr als 20 Ländern im Mangrovenschutz aktiv und hat in den letzten Jahrzehnten über 30 Projekte in diesem Bereich durchgeführt, u.a. in Belize, Indien, Mosambik, Madagaskar und dem Senegal. Gemeinsam mit den lokalen Gemeinden und örtlichen Behörden erarbeitet der WWF nachhaltige Nutzungskonzepte und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Einführung alternativer Energiequellen ist ein weiterer wichtiger Beitrag zum Schutz von Mangroven, ebenso wie ein integriertes Küstenzonenmanagement und verbesserte Landnutzungsplanung. Zum Erhalt von Mangroven trägt auch die Einrichtung von Schutzgebieten bei. Darüber hinaus engagiert sich der WWF ganz konkret in Wiederaufforstungsprojekten, wie in der Ambaro-Bucht auf Madagaskar.

Aufforstung von Mangroven © Uwe Johannsen / WWF Deutschland
Aufforstung von Mangroven © Uwe Johannsen / WWF Deutschland

Auch in Zusammenarbeit mit anderen Naturschutzorganisationen und lokalen NGOs setzt der WWF sich von der lokalen bis zur regionalen Ebene seit geraumer Zeit für den Schutz und die Wiederaufforstung von Mangroven ein. Mittlerweile stehen 25 Prozent der globalen Mangrovenvorkommen formell unter Schutz. In einigen Ländern wie Brasilien, Puerto Rico oder Bangladesch können sich Mangrovenbestände wieder erholen und zum Teil sogar ausdehnen. Die globale Verlustrate verringert sich, aber: der Verlust von Mangroven hält an und vollzieht sich noch immer drei bis fünf Mal so schnell wie die Entwaldung im Binnenland. Besonders in Asien ist die Mangrovenentwaldungsrate mit bis zu 8 Prozent pro Jahr nach wie vor erschreckend hoch. Um zu verhindern, dass das Ökosystem Mangroven bis auf wenige Reste von unserem Planeten verschwindet, müssen wir unser Engagement weiter verstärken.

Konkret will der WWF

  • dazu beitragen, dass die globale Fläche der Mangrovengebiete bis 2030 um 20 Prozent zunimmt.
  • erreichen, dass Mangrovenwälder und andere Küsten-Ökosysteme in asiatischen Flussdeltas wiederhergestellt werden.
  • die lokale Bevölkerung ebenso wie politische Entscheidungsträger in Mangrovenländern stärker für die Bedeutung von Mangroven sensibilisieren.
  • Küstengemeinden und Regierungen dabei helfen, ihre Mangrovenbestände besser zu schützen, z.B. durch die Einführung verbesserter Raum- und Landnutzungsplanung.
  • den Schutz von Mangroven in internationalen Abkommen und Aktionsplänen zu Meeresschutz, Biodiversitätserhalt und Klimaschutz verankern.
  • internationale Geldgeber stärker in die Verantwortung für nachhaltigen Mangrovenschutz nehmen.
  • die Berücksichtigung von Mangroven in nationalen Klimaschutzbeiträgen im Rahmen des Paris-Abkommens fördern.

 

Save our Mangroves NOW!

Save our mangroves now © Thomas Schlembach / WWF Deutschland
Save our mangroves now © Thomas Schlembach / WWF Deutschland

Um das zu erreichen, hat der WWF gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Weltnaturschutzunion (IUCN) eine neue Initiative zum Mangrovenschutz ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Save our Mangroves NOW!“ machen wir uns zusammen mit unseren Partnern dafür stark, ein konkretes Mangrovenschutzziel in internationalen und nationalen Politikagenden zu verankern, Erfahrungsaustausch und Vernetzung relevanter Akteure zu befördern, Umsetzungswissen leichter zugänglich zu machen und die Anwendung und Verbreitung bewährter Methoden vor allem in unserer Pilotregion, dem Westindischen Ozean, zu stärken. Mit der Initiative unterstützen wir ganz konkret auch die Ziele und Aktivitäten der globalen Mangroven-Allianz (GMA), einer neuen internationalen NGO-Partnerschaft zum Mangrovenschutz, die der WWF gemeinsam mit den Umweltschutzorganisationen The Nature Conservancy (TNC) und Conservation International (CI) gegründet hat.

Das können Sie tun:

  • Achten Sie beim Kauf und Verzehr von Garnelen und anderen Aquakulturprodukten auf das Bio-oder ASC-Siegel, mit dem nachhaltige Aquakulturbetriebe zertifiziert werden. Bei den Bio-Siegeln empfiehlt sich insbesondere Naturland.
  • Erkundigen Sie sich bei ihrem nächsten Strandurlaub, ob es einen Mangrovenwald in Ihrer Umgebung gibt und statten Sie ihm einen Besuch ab! Machen Sie z.B. eine Bootstour durch die seichten Gewässer eines Mangrovengebiets – am besten mit einem lokalen Anbieter. Dadurch lernen Sie dieses einzigartige Ökosystem besser kennen und verstehen und unterstützen zudem eine nachhaltige Einkommensquelle für die einheimische Bevölkerung.
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