Content Section

London 2012 - grüner, sauberer, sanfter?

London will die ersten wirklich nachhaltigen Olympischen Spiele veranstalten. Die britische Hauptstadt wird ab dem 27. Juli 2012 das bedeutendste Sportereignis der Welt ausrichten. Nachhaltigkeit war bei der erfolgreichen Bewerbung ein zentraler Punkt. Die grünsten Spiele der Geschichte - das ist Ziel. Ein Zwischenfazit fällt geteilt aus.  

 

Die Tower Bridge – das Wahrzeichen Londons wird sportlich. © Gonzolito / Wikimedia-Commons
Die Tower Bridge – das Wahrzeichen Londons wird sportlich. © Gonzolito / Wikimedia-Commons

UNEP-Chef Steiner ist von Nachhaltigkeitsstrategie überzeugt

Wie grün die Sommerspiele tatsächlich sind, interessierte auch Achim Steiner, den Chef des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP). Er besichtigte bereits im April 2012 den olympischen Park in London. Sein Eindruck: „Es zeigt sich deutlich, dass das Nachhaltigkeitsteam für London 2012 genau durchdacht hat, was es erreichen möchte.“

Das Nachhaltigkeitskonzept, A blueprint for change“, basiert auf den fünf Schwerpunkten Klimawandel, Biodiversität, Abfallentsorgung, soziale Partizipation und gesundes Leben.

Für die Spiele wird der Olympia-Park im Osten Londons herausgeputzt.
Für die Spiele wird der Olympia-Park im Osten Londons herausgeputzt.

Es gäbe viele „Ansätze, welche die Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen wahrscheinlich auf ein höheres Niveau bringen.“ Durch die Londoner Sommerspiele könnten „dringend benötigte Methoden für den CO2-Fußabdruck bei Großveranstaltungen entwickelt und für die nächsten Olympischen Spiele in Sochi 2014 und in Rio de Janeiro 2016 verwendet werden.“


Unmittelbar vor den Spielen hat der WWF nun gemeinsam mit „BioRegional
untersucht, wie die ehrgeizigen Ziele umgesetzt wurden. Das Fazit der gemeinsamen Studie fällt geteilt aus: Vieles wurde versucht, die Umsetzung ist allerdings nicht immer gelungen.

CO2-Reduktion durch intelligente Bauweise

Das Olympiastadion wurde aus besonders leichten und hauptsächlich wiederverwendbaren Materialen errichtet. Nach den Wettkämpfen soll die Zuschauerkapazität von 80.000 auf 60.000 Plätze gesenkt werden. Das Dachtragwerk besteht zu zwei Dritteln aus wiederverwendeten Rohrprofilen. Wirklich innovativ ist das Basketballstadion vom Wilkinson Square. Nach den Spielen wird es sogar komplett zurückgebaut. Die Spielstätte könnte dabei bei den nächsten Spielen in Rio 2016 wiederverwendet werden. Dazu wurden die Tribünen für die 12.000 Zuschauer so angelegt, dass sie von der Gebäudehülle aus PVC-Membranen und Stahl-Fachwerkrahmen getrennt sind.

Einfach abbaubar - das Basketballstadion von Wilkinson Square. © London 2012
Einfach abbaubar - das Basketballstadion von Wilkinson Square. © London 2012

Schwimmhalle mit katastrophaler Klimabilanz

Die Studie des WWF zeigt, dass die neu errichteten Gebäude nicht ihr mögliches Einsparpotenzial ausnutzen. Maßnahmen, Energie effizienter zu nutzen, wurden nur mangelhaft umgesetzt. Besonders deutlich wird dies bei der neuen Schwimmhalle. Der Bau weist eine katastrophale Klimabilanz auf, allein in der Dachkonstruktion wurden 3000 Tonnen Stahlträger verarbeitet. Um die selbst gesteckten CO2-Einsparziele nicht zu gefährden, planen die Veranstalter, während der Wettkämpfe die Klimaanlage zu drosseln, da der Energieverbrauch schon jetzt unerwartet hoch ist.

Nahverkehr

Der ohnehin notorisch überlastete Nahverkehr wurde ausgebaut und die East London Line, die Docklands Light Railway und die North London Line verlängert. Während der Spiele werden auch Shuttlezüge auf der Schnellfahrtstrecke High Speed One angeboten. Um den Verkehr zusätzlich zu entlasten wurden mehr als 425 Fahrrad- und 150 Fußwege errichtet, die zu den einzelnen Sportstätten führen. Im besten Falle, so hoffen die Veranstalter, radeln und spazieren die Besucher von Wettkampf zu Wettkampf. 

 

Keine Erneuerbaren Energien für die Sportstätten

Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogrammes (UNEP), im Olympia-Park. © WWF
Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogrammes (UNEP), im Olympia-Park. © WWF

Der WWF kritisiert unterdessen, dass es versäumt wurde, eine langfristig angelegte Infrastruktur zu schaffen, die über Erneuerbare Energien gespeist wird. Die Müllverwertung ist nicht optimal in geschlossenen Kreisläufen organisiert. Deshalb wird der ursprüngliche Plan nicht erreicht, durch Abfallvermeidung und Recycling praktisch keinen Müll zu produzieren.

Weiterhin kritisieren die Umweltschützer, dass natürliches Marschland für den Bau des Olympiaparks genutzt wurde. Und ein Nebenfluss der Themse sei heute stärker verschmutzt als vor dem Bau. Als Großsponsoren wurden unter anderem der Chemiekonzern Dow Chemical, das Erdölunternehmen BP und die Bergbaugesellschaft Rio Tinto gewonnen, allesamt Firmen, die in der Vergangenheit eher durch Umweltzerstörung als durch Nachhaltigkeit glänzten.

Nach Olympia bewertet der WWF die tatsächliche Nachhaltigkeit

Eine ausführliche Auswertung will der WWF im Anschluss der olympischen Spiele durchführen. Dann soll vor allem untersucht werden, inwiefern London 2012 Maßstäbe gesetzt hat und wie nachhaltig die Nachhaltigkeitsstrategie wirklich war. Achim Steiner ist sich sicher, „dass London 2012 zukünftigen Organisatoren viele positive Lehren an die Hand geben wird. Doch wie viele, und ob diese Gold, Silber oder Bronze sind, wird sich zeigen.“

Fotostrecke: Hochleistungen in der Natur - Tierische Champions

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken