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Stand: 13.03.2017

Dritter Nationalpark in Bayern

Bis zum Jahr 2020 will die Bundesregierung zwei Prozent der Landesfläche aus der Nutzung nehmen. Dort sollen natürliche Prozesse über lange Zeiträume hinweg unbeeinflusst von menschlichen Eingriffen ablaufen können. Dies wurde in der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ festgeschrieben, die 2007 vom Bundeskabinett verabschiedet und 2010 von allen Fraktionen des Deutschen Bundestags bestätigt wurde. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen zehn Prozent der Waldfläche in öffentlicher Hand nicht mehr bewirtschaftet und stattdessen dem Naturschutz gewidmet werden. 

Wald in Bayern © Thomas Stephan / WWF
Wald in Bayern © Thomas Stephan / WWF

Bisher kaum etwas passiert

Zehn Jahre nach Verabschiedung der Strategie ist jedoch kaum etwas passiert. Die Natur wird aktuell lediglich auf 0,6 Prozent der Fläche Deutschlands sich selbst überlassen. Wir schließen uns der Forderung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit in der Naturschutz-Offensive 2020 an:

Wir müssen unsere Anstrengungen dringend verstärken, um endlich eine Trendwende beim Schutz der biologischen Vielfalt zu bewirken.

Auch die renommierten Mitglieder des Sachverständigenrats für Umweltfragen plädieren in ihrem Umweltgutachten 2016 für mehr großflächige Gebiete mit natürlicher Entwicklung in Deutschland: Wildnisgebiete seien zum Schutz der Artenvielfalt und als Referenzflächen für die wissenschaftliche Forschung unersetzbar. Auch dem Menschen kämen sie zu Gute, da Erholung und Entspannung in der Natur wichtige Bestandteil eines guten Lebens seien.

Schritt in die richtige Richtung

Obwohl der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mit am Kabinettstisch saß, als die Biodiversitätsstrategie beschlossen wurde, gibt es in Bayern im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern bislang keine offizielle Strategie zur Erreichung des 2-Prozent-Ziels.

Der WWF Deutschland begrüßt daher ausdrücklich den überraschenden Beschluss des Bayerischen Ministerpräsidenten im Sommer 2016, einen dritten Nationalpark in Bayern anzustreben.

Derzeit liegt der Anteil der nutzungsfreien Flächen in den Schutzgebieten Bayerns bei rund 388 Quadratkilometern und damit bei nur 0,55 Prozent der Landesfläche. Nur in den beiden Nationalparkgebieten kann sich die Natur auf größeren zusammenhängenden Flächen ausbreiten. Die Kernzonen im Biosphärenreservat Rhön und die 160 Naturwaldreservate erlauben natürliche Prozesse dagegen nur auf kleinen Flächen.

Die Ausweisung eines dritten Nationalparks wäre zwar noch immer keine Trendwende, aber ein erster Schritt in die richtige Richtung hin zu einer Umsetzung der Regierungsbeschlüsse.

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