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Stand: 09.12.2016

Wilderei in Deutschland - die betroffene Arten

Insbesondere Luchse, Wölfe und Greifvögel sind in Deutschland von illegalen Tötungen betroffen. Neben diesen dokumentierten Fällen vermutet man eine große Dunkelziffer nicht erfasster Tötungen.

Wölfe

Toter Wolf © Klaus Bullerjahn
Toter Wolf © Klaus Bullerjahn

Insgesamt wissen wir von 19 Wölfen, die seit 2000 sicher illegal getötet wurden. Die jüngsten Fälle sind zum einen der Abschuss eines jungen Rüden im Kreis Stendal, Sachsen-Anhalt, Anfang August 2016 und zuletzt ein Abschuss im Kreis Cuxhaven, Niedersachsen im September 2016. Hinzu kommen mindestens fünf Fälle, in denen Wölfe gefunden wurden, die einen Beschuss überlebten und später an anderen Ursachen gestorben sind.

Darüber hinaus hat es in den letzten Jahren Fälle gegeben, bei denen ganze Rudel ohne ersichtlichen Grund verschwunden sind (zum Beispiel 2014 und 2015 in der Lausitz). Eine illegale Verfolgung durch den Menschen kann als Ursache hierbei nicht ausgeschlossen werden.

In Deutschland seit dem Jahr 2000 gefundene, illegal getötete Wölfe*

Bundesland Jahr Todesursache
Brandenburg 2007 Erschossen
Brandenburg 2014 Erschossen
Brandenburg 2014 Erschossen, geköpft
Brandenburg 2014 Erschossen, geköpft
Brandenburg 2015 Erschossen
Brandenburg 2016 Erschossen, geköpft
Niedersachsen 2007 Erschossen
Niedersachsen 2016 Erschossen
Rheinland-Pfalz 2007 Erschossen
Sachsen 2009 Erschossen
Sachsen 2011 Erschossen
Sachsen 2011 Mit PKW zu Tode gehetzt
Sachsen 2013 Erschossen
Sachsen 2014 Erschossen
Sachsen 2014 Erschossen
Sachsen 2015 Erschossen
Sachsen-Anhalt 2009 Erschossen
Sachsen-Anhalt 2015 Erschossen
Sachsen-Anhalt 2016 Erschossen

* Datengrundlage: Wolfsmonitoring der Bundesländer. Fälle mit unklarer Todesursache sind nicht aufgeführt.

Luchse

Karte getöteter Wölfe und Luchse © WWF (zum Vergrößern bitte klicken)
Karte getöteter Wölfe und Luchse © WWF

Zuletzt wurde ein geschossenes, trächtiges Luchsweibchen im Harz im April 2016 aufgefunden. Dies war der erste offiziell bekannte Fall einer illegalen Tötung von Luchsen im Harz. Zuvor wurde Ende 2015 in Thüringen ein Luchsweibchen tot aufgefunden. Die Todesursache der fünffachen Luchsmutter konnte nicht abschließend geklärt werden, jedoch lässt sich eine Straftat nicht ausschließen.

Insbesondere beim Luchsvorkommen im Bayerischen Wald ist die Lage besorgniserregend. Die Tiere hier sind Teil der bayerisch-tschechisch-österreichischen Luchspopulation. Auf tschechischer Seite, im Šumava Nationalpark, wurden zwischen 1982 und 1889 insgesamt 17 Luchse im Rahmen eines Wiederansiedelungsprojektes freigelassen. In den ersten Jahren entwickelte sich das Luchsvorkommen positiv, doch seit Ende der 1990er Jahre stagniert der Bestand weitgehend. Selbst bei einer hohen natürlichen Jungensterblichkeit, die beim Luchs bis zu 75 Prozent betragen kann, müsste das Ausbreitungsgebiet des Luchses in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Untersuchungen legen nahe, dass der Grund für die fehlende Ausbreitung Wilderei ist. So wurden seit der Wiederansiedelung im gesamten, grenzübergreifenden Vorkommen mindestens 62 Luchse Opfer illegaler Tötungen, fünf davon in Bayern (Heurich et al. 2016). Das unablässige Verschwinden einzelner – aufgrund von Fotofallenaufnahmen bekannter – Luchse und Fälle, die durch eine besondere Brutalität der Täter gekennzeichnet sind, lässt die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema über die Grenzen Bayerns hinaus steigen. Gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und dem Nationalpark Bayerischer Wald untersucht der WWF derzeit, welchen Einfluss Wilderei ganz konkret auf die Bestandsentwicklung der Luchse in Bayern hat.

In Deutschland seit dem Jahr 2010 gefundene, illegal getötete Luchse*

Bundesland Jahr Todesursache
Bayern 2012 Führendes Weibchen vergiftet mit einem durch Carbofuran (verbotenes Insektizid) präparierten Rehkadaver
Bayern 2013 Trächtiges Weibchen durch Schrotschuss getötet
Bayern 2015 Fund von vier abgeschnittenen Vorderläufen, die einem bekannten Weibchen und Männchen zugeordnet werden konnten
Bayern 2015 Juveniles Weibchen offensichtlich erdrosselt und am Straßenrand abgelegt
Bayern 2010 – 2016 14 Fälle im Bereich des Bayerischen Waldes, in denen Luchse verschwunden sind und eine illegale Tötung nicht ausgeschlossen werden kann.
Sachsen-Anhalt 2016 Trächtiges Luchsweibchen wird im Harz erschossen

* Datengrundlage: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Greifvögel

Tote Seeadler © Thomas Neumann / WWF
Tote Seeadler © Thomas Neumann / WWF

Auch Greifvögel und Eulen sind massiv von Verfolgung in Deutschland betroffen. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden zwischen Januar 2005 und Dezember 2014 insgesamt 431 Fälle illegaler Nachstellungen registriert, bei denen mindestens 709 Greifvögel und Eulen getötet oder gefangen wurden (Quelle: Komitee gegen den Vogelmord e.V.). Aus Bayern sind Fälle bekannt, bei denen zwischen 2010 und 2016 mehr als 85 Greifvögel und Eulen Opfer illegaler Handlungen (Abschuss, Fang, Vergiftung) wurden. Und in Brandenburg wurden zwischen 1990 und Februar 2014 allein 204 illegal geschossene Vögel dokumentiert, darunter 13 Seeadler, 13 Rotmilane, 9 Habichte, 27 Mäusebussarde, 5 Fischadler und 9 Turmfalken sowie 19 Weißstörche und 6 Kraniche. Hinzu kommen mehr als 100 in Fallen gefangene Vögel, darunter 68 Habichte und 25 Mäusebussarde, sowie rund 50 vergiftete Vögel, darunter 27 Seeadler. 

   
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