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Stand: 09.03.2015

Bolivien: Vom „Wald der Kinder“ zum nationalen Umweltprogramm

Es begann als regionales Projekt und endete mit einer kleinen Revolution der Umweltbildung in Bolivien: Aus ein paar Schulgärten des WWF entwickelte sich ein nationales Regierungsprogramm.

Guardabosnis im BOSNI © Dirk Embert
Guardabosnis im BOSNI © Dirk Embert

Bolivien ist ein erstaunliches Land: Die Berge sind bis zu 6500 Meter hoch, der Titicacasee auf 3810 Metern ist der höchstgelegene See der Welt. Bolivien hat etwa dreimal so viel Fläche wie Deutschland, aber nur rund zehn Millionen Einwohner. Im Tiefland steht nach wie vor viel Regenwald, mit Jaguaren, Brillenbären und Flussdelfinen. Die Moxos-Ebene im Tiefland gilt als eines der wichtigsten Feuchtbiotope der Welt.

Kahlschlag im Tiefland

Bolivien hat aber in den letzten Jahren auch eine der höchsten Entwaldungsraten weltweit. In dem armen Land wird gnadenlos für neues Weide- und Ackerland abgeholzt. „Mir ist aber auch aufgefallen, dass viele Menschen dort immer weniger über die Natur wissen, gerade auch die Kinder“, sagt WWF Südamerika-Experte Dirk Embert, der selbst jahrelang in Bolivien lebte.

 

Der Wald der Kinder

Das sollte sich ändern. Eine Idee dafür war BOSNI. Der Name kommt vom spanischen BOSque de NInos, das heißt „Wald der Kinder“. Es sind Schulgärten, für die Kinder alleine verantwortlich sind. Sie dürfen ihr Grundstück so gestalten, wie sie wollen: als Wald, als Obst- und Gemüsegarten oder als Naturspielplatz. Die Kinder lernen so ganz praktisch die Zusammenhänge in der Natur kennen.

 

Aus einem WWF Projekt wird ein Gesetz

In einer ersten Phase waren es gerade mal drei Schulen, in einer zweiten sollten es 22 werden. Soweit der Plan. „Was dann passierte, ist einfach nur phantastisch“, sagt Embert. Von den ersten Erfolgen motiviert, kommt eine Welle ins Rollen. Die Kontakte mit der Regierung werden nun für weitere Bildungsprojekten genutzt. Und es geht nicht mehr nur ums Gärtnern. Der WWF entwickelt einen Umweltbildungskoffer für Schulen, aus dem Kinder über Schönheit und Problem der heimischen Umwelt lernen können. Dieser kommt so gut an, dass die Regierung in La Paz ihn schließlich ins nationale Bildungsgesetz übernahm. Der Umweltkoffer steht damit verbindlich im nationalen Lehrplan. Die Inhalte wurden digitalisiert, 60.000 Mal auf CD kopiert und an die Lehrer im Land verteilt.

WWF-Videos im Fernsehen

Der nächste Schritt waren Videos, auf denen das Mädchen Suri mit ihrem kleinen Hund Chapu kindgerecht Umweltprobleme erklärt – von Luftverschmutzung bis zu den Folgen von Plastiktüten. Die Videos wurden von der bolivianischen Regierung für eine Kampagne gegen Plastiktüten übernommen und über Monate auf fünf nationalen Fernsehsendern mehrmals täglich ausgestrahlt. In diesem Zusammenhang wurde ein neues Gesetz entworfen, nach dem nun Plastiktüten in den Supermärkten Boliviens nicht wie bisher in Massen ausgegeben werden, sondern kostenpflichtig sind. Dieses Gesetz liegt nun zur Abstimmung im Parlament.

WWF-Figuren sind Maskottchen für alle Umweltthemen

Die Figuren aus den Videos wurden zudem von der Regierung zu offiziellen Maskottchen für alle Umweltbildungsthemen in Bolivien befördert. Die Zusammenarbeit soll jetzt noch erweitert werden: Die Regierung will nun zusammen mit dem WWF die Entsorgung von Batterien und Reduzierung von Plastikflaschen angehen.

 

„Das sind natürlich großartige Erfolge“, sagt Dirk Embert. „Wir erreichen damit eine Menge: für den WWF, aber natürlich vor allem für die Umwelt und die Kinder in Bolivien.“

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