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Stand: 12.06.2014

Brasília - Spielort der Fußball-WM 2014

Das Gürteltier und die Savanne

"Fuleco" heisst das WM-Maskottchen. Das Kugelgürteltier ist ein bedrohter Verteidigungskünstler. © iStock / Getty Images
"Fuleco" heisst das WM-Maskottchen. Das Kugelgürteltier ist ein bedrohter Verteidigungskünstler. © iStock / Getty Images

Brasília, die Hauptstadt des Landes, liegt mitten in der Cerrado-Steppe. Hier lebt auch der Star der WM: „Fuleco“, so heißt das Maskottchen der WM. Es ist ein bedrohter Verteidigungskünstler: Das Kugelgürteltier kann sich blitzschnell zu einem Ball zusammenrollen. Es ist gut geschützt und trotzdem dem Menschen nicht gewachsen. Die Tatu-Bolas, wie sie in Brasilien heißen, sind vom Aussterben bedroht.

Bei Gefahr: Kugeln

Das Kugelgürteltier hat einen Panzer, große Krallen und auch einen langen schuppigen Schwanz. Es beherrscht außerdem einen ganz besonderen Trick: Es rollt sich zu einer kleinen, harten Kugel zusammen. So lange, bis keine Gefahr mehr droht. Das kann sonst kein anderes Gürteltier.

Eigentlich braucht das Tatu-Bola niemanden zu fürchten. Wer will sich schon an ihm die Zähne ausbeißen? Ausgestattet mit dieser Verteidigungstaktik tummelt sich das Tolypeutes tricinctus schon seit schätzungsweise 60 Millionen Jahren auf der Erde. Alles war gut. Es fraß Insekten, wanderte durch die brasilianische Cerrado-Steppe und wenn eben doch mal jemand kam, der es mit ihm aufnehmen wollte, dann rollte es sich einfach zusammen und wartete ab.

In der Cerrado-Steppe wird inzwischen schneller und heftiger gerodet als im Amazonasgebiet. © Adriano Gambarin / WWF
In der Cerrado-Steppe wird inzwischen schneller und heftiger gerodet als im Amazonasgebiet. © Adriano Gambarin / WWF

Das gigantische Mosaik des Cerrado

Das Cerrado ist eine Savannenlandschaft im Herzen Brasiliens, ein gigantisches Mosaik aus Bäumen Büschen und Grasland. Auf einer Fläche von zwei Millionen Quadratkilometern, das entspricht knapp der sechsfachen Größe Deutschlands, leben hier neben dem Kugel-Gürteltier Pumas, Tapire und Mähnenwölfe. Man vermutet über 10.000 verschiedene Pflanzenarten in der gesamten Ökoregion.

Brasília, die Hauptstadt des Landes, liegt mitten in der Cerrado-Steppe. Sie wurde geplant und gebaut und schließlich im Jahr 1960 fertiggestellt. Seit die Autobahnen aus allen anderen Städten zur neuen Hauptstadt führten, veränderte sich das Ökosystem der Cerrado-Region rasant.

Etwa die Hälfte der ursprünglichen Landschaft ist bereits zerstört worden. Jetzt stehen hier Felder und Weidewiesen, Soja, Zuckerrohr, Rinder und Eukalyptus so weit das Auge reicht. In der Cerrado-Steppe wird inzwischen schneller und heftiger gerodet als im Amazonasgebiet. Nur, so richtig kümmerte das bislang niemand. Der WWF nennt das Cerrado-Gebiet daher auch „das vergessene Juwel.“

Zucker in den Tank, Soja für das Vieh

Der Zucker landet als Bioethanol im Tank. Das Soja wird in die ganze Welt verschifft, es wandert zum Großteil in die Futtertröge für die Viehzucht. Auch nach Deutschland. Etwa die Hälfte der deutschen Sojaimporte stammen aus Brasilien. In der Wurst, die im Fußballsommer auf dem Kugelgrill brutzelt, steckt sehr wahrscheinlich auch ein kleiner Teil der Cerrado-Savanne, der Heimat des Kugelgürteltieres, während im Fernsehen Fuleco fröhlich in die Kamera winkt.

Verteidiger statt Offensiv-Star

Der Brasilianische Fußball ist vor allem für seine Offensivkünstler bekannt. Dass mit dem Tatu Bola ausgerechnet ein Verteidigungstalent zum Maskottchen gewählt wurde, lässt hoffen. Fuleco steht für Fußball und Ökologie. Über 1,7 Millionen Brasilianer haben sich bei der Namenswahl beteiligt.

Umweltschutzorganisationen wie der WWF hoffen nun auf die Hilfe der Öffentlichkeit, um das vergessene Juwel Cerrado zu retten, damit die Kugel-Gürteltiere nicht eines Tages vollständig von der Erdoberfläche verschwinden.

Matthias Adler

Interaktive Karte aller Spielorte der Fußball-WM 2014

Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
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Ein Juwel
am Amazonas
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