WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Stand: 12.06.2014

Curitiba - Spielort der Fußball-WM 2014

Die Stadt der Zukunft

In Curitibas Parks und Wälder leben Silberreiher, Wasserschweine, Otter, Gürteltiere und Meerschweinchen. © Michel Gunther / WWF Canon
In Curitibas Parks und Wälder leben Silberreiher, Wasserschweine, Otter, Gürteltiere und Meerschweinchen. © Michel Gunther / WWF Canon

Curitiba ist kein Fußballer, sondern einer der zwölf WM-Austragungsorte in Brasilien. Sie gehört zu den interessantesten Städten der Welt. Von durchschnittlicher Größe und etwas behäbig, dafür allerdings technisch auf einem internationalen Topniveau. Sie gilt als die brasilianische Stadt der Zukunft: Grün, umwelt- und sozialverträglich. Curitiba ist gewissermaßen der Geheimtipp der Fußball-Weltmeisterschaft. 

Mit 1,75 Millionen Einwohnern ist Curitiba deutlich kleiner als die Megacities Rio de Janeiro (zwölf Millionen) und Sao Paolo (sieben Millionen). Aber sie gilt als die am schnellsten wachsende Metropole in Südamerika. Innerhalb von nur knapp 60 Jahren hat sich die Zahl der Einwohner von Curitiba fast verzehnfacht. Die Stadt müsste aus allen Nähten platzen, könnte man denken. Doch der Kollaps blieb aus – weil Stadt als Prinzip neu erfunden wurde.
Es wurde ein Plan entwickelt, wie die Slumbildung verhindert beziehungsweise zurückgeführt wird. Dafür wurden zahlreiche Sozialwohnungen in die bestehenden Stadtviertel integriert. Hinzu kamen öffentliche Schulen, Krankenhäuser, Kindertagesstätten und Geschäfte.

Das Industriegebiete wurde ebenfalls innerhalb der Stadt errichtet – und Einkaufsmöglichkeiten und Wohnmöglichkeiten für die Arbeiter gleich mit dazu. Effizienz stand von Anfang an im Vordergrund, ebenso wie die Vermeidung von CO2-Emissionen. Die Wege sollten möglichst kurz gehalten werden.

Botanischer Garten von Curitiba. © iStock / Getty Images
Botanischer Garten von Curitiba. © iStock / Getty Images

50 mal mehr grün

Besonders großen Wert legten die Stadtplaner auf die Gestaltung der Öffentlichen Räume. Überall wurden Bäume gepflanzt - ein grünes Band aus 16 Parks und 14 Wäldern. Im Jahr 1970 kam auf jeden Einwohner umgerechnet ein Quadratmeter städtischer Grünfläche. Heute sind es 52. In diesen Parks leben auch Silberreiher, Wasserschweine, Otter, Gürteltiere und auch Meerschweinchen.

Im gesamten Stadtraum wurde der Verkehr beruhigt. Dafür wurde die Stadt aufgeteilt in dicht und schwach besiedelte Gebiete. Dicht wird es an den großen Verkehrsachsen, und dort haben nur die Busse freie Fahrt auf eigenen Express-Spuren. An den Busstationen befinden sich zahlreiche Geschäfte für den täglichen Bedarf, damit die Wege möglichst kurz bleiben.

Müll für Tickets

Das Transportsystem verfügt noch über einen weiteren, ganz besonderen Trick, der den Nahverkehr revolutioniert hat - nämlich die Finanzierung. In der ganzen Stadt wurden Recycling-Stationen installiert. Wer den Müll trennt, erhält dafür Busfahrkarten. Die Rohstoffverwertung lohnt sich noch aus weiteren Gründen. Die Bus-Coupons werden auch in Lebensmittelgeschäften für Obst und Gemüse akzeptiert. Schulen, die sich aktiv beteiligen, tauschen so Müll gegen Unterrichtsmaterial ein. Schätzungsweise 70 Prozent der Bürger sind so in die Müllverwertung eingebunden.

Beim Stadionbau war Curitiba allerdings etwas langsam. Das Estádio Joaquim Américo Guimarães konnte erst wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft fertiggestellt werden. Zu den schnellsten gehört die Stadt also nicht. Dafür beeindruckt sie mit Intelligenz, Fairness und Kreativität. Das Stadtkonzept besitzt das Potenzial für eine ganz große, internationale Karriere.

Matthias Adler

Interaktive Karte aller Spielorte der Fußball-WM 2014

Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Ein Juwel
am Amazonas
Ein Juwel
am Amazonas