Der Juruena-Nationalpark und das Apuí-Mosaik
Dichter, fast unberührter Regenwald, traditionell lebende indigene Bevölkerungsgruppen wie die Mundurucu und die Kayabi plus eine vor Artenvielfalt strotzende Regenwald- und Flusslandschaft: All das prägt das Dreiländereck der brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso, Amazonas und Pará im südlichen Amazonasgebiet, wo die Flüsse Teles Pires und Juruena wie ein umgedrehtes 'Y' zum Amazonas-Nebenfluss Tapajos zusammenfließen.

Doch die Idylle trügt. Wo vor einem Jahr noch undurchdringlicher Dschungel vorherrschte, sind heute oft nur noch verwüstete Flächen mit verkohlten Baumstümpfen und frisch eingesätem Grasland zu finden. Denn wo kein offizielles Schutzgebiet ausgewiesen wird, fällt der Regenwald der näher rückenden Entwaldungsfront zum Opfer.
Wie Perlen an einer Kette soll daher eine Reihe von Nationalparks und andere Schutzgebiete im Süden des brasilianischen Regenwaldes die vorrückenden Bagger und Motorsägen stoppen. Doch ausgerechnet im Juruena-Apuí-Gebiet klafft eine große Lücke in diesem Gürtel aus Schutzgebieten, der das innere Amazonien vor der Zerstörung bewahren soll.
Nachdem der WWF Jahrelang dafür kämpfte, dass genau diese Lücke als Teil des ARPA-Programmes (Amazon Region Protected Areas) der brasilianischen Regierung zum Nationalpark erklärt wird, wurde am 5. Juni 2006 der Juruena-Nationalpark ausgewiesen. Mit einer Fläche von über 1,9 Millionen Hektar ist er so groß wie das Bundesland Sachsen und schließt den Riegel der Schutzgebiete.
Hoffnung für den südlichen Amazonas-Regenwald
Mit der Geburtsstunde des Parks begann die Hauptarbeit für den WWF. Damit die Entwicklung und der Aufbau des Schutzgebietes auch langfristig Sinn macht, wurde vom WWF ein Managementplan für den Nationalpark und das Apuí-Schutzgebietsmosaik erarbeitet. Darin werden Zonen mit nachhaltiger Nutzung und Regionen ohne jeglichen Zutritt festgelegt, nötige Schutzmaßnahmen und die Entwicklung der Infrastruktur geplant sowie die Möglichkeit geprüft, den Park für Öko-Tourismus zu nutzen.
Zu den Grundlagen gehört auch, die bislang unerforschten Gebiete im Nationalpark zu erkunden. Hierzu wurden Expeditionen mit jeweils ca. 30 Wissenschaftlern, Fotografen und Regierungsvertretern durchgeführt, die einen Monat lang das Gebiet vermessen und Tiere und Pflanzen systematisch erfasst haben. Die Ergebnisse fließen in den Managementplan des Nationalparks.
In der direkten Nachbarschaft zu dem Schutzgebiet arbeitet der WWF intensiv mit der lokalen Bevölkerung zusammen, um Arbeitsplätze zu schaffen und Unterstützung für den Nationalpark zu gewinnen. In den Schulen wird dazu die Umweltbildung gefördert, zusammen mit den Forstarbeitern eine nachhaltige und marktfähige Nutzung des Waldes erarbeitet und jeweils ein Gebäude im Norden und Süden des Parks gebaut.
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