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Stand: 12.06.2014

Manaus - Spielort der Fußball-WM 2014

Weltklasse im Regenwald

Der Amazonas-Flussdelfin gehört zu den bedrohten Delfinarten und ist in der Roten Liste der IUCN als „gefährdet“ eingestuft @ Anton Vorauer / WWF
Der Amazonas-Flussdelfin gehört zu den bedrohten Delfinarten und ist in der Roten Liste der IUCN als „gefährdet“ eingestuft @ Anton Vorauer / WWF

Manaus ist ein verrückter Ort, zumindest zum Fußballspielen. Es ist heiß, stickig und feucht - jeden Tag. Am 14. Juni spielt hier England gegen Italien - für Fußballfans ein Leckerbissen. Es ist das 25. Duell der beiden ehemaligen Weltmeister. Aber es ist das erste, das mitten im Dschungel ausgetragen wird. In einer Zweimillionen-Metropole mitten im Regenwald. Ob diese Stadt wirklich ein Fußballstadion benötigt, wird wahrscheinlich niemals wirklich geklärt. Unstrittig ist indes, dass die tropischen Regenwälder immer weiter zerstört werden – mit oder ohne WM.

Unter den bislang entdeckten und beschriebenen 40.000 Pflanzen-, 427 Säugetier- und 1294 Vogelarten im Amazonasbecken befindet sich auch die Anaconda. © Camilo Ortega / WWF
Unter den bislang entdeckten und beschriebenen 40.000 Pflanzen-, 427 Säugetier- und 1294 Vogelarten im Amazonasbecken befindet sich auch die Anaconda. © Camilo Ortega / WWF

Manaus ist die Hauptstadt von Amazonas, dem Bundesstaat, der den Namen des gigantischen Stromes trägt, der sich mit seinen zahlreichen Nebenflüssen durch insgesamt acht südamerikanische Nationen schlängelt. Dieser Fluss ist die Lebensgrundlage für ein Naturwunder ohne Vergleiche.

Unvorstellbare Vielfalt des Waldes

Meist ist der Amazonas mehrere Kilometer breit, in Regenzeiten sind es von Ufer zu Ufer sogar bis zu 60 Kilometer. Hier schwimmen Flussdelfine, Kaimane, Anacondas und Piranhas. Wissenschaftler haben in den tropischen Regenwäldern im Amazonasbecken bislang über 40.000 Pflanzen-, 427 Säugetier- und 1294 Vogelarten entdeckt und beschrieben. Kaiseradler, Jaguare und Riesenotter leben hier. Es gibt eine unvorstellbare Vielfalt.

Dieses einzigartige Gebiet ist akut bedroht. Es dauert nicht länger, als diesen Text zu lesen, und ein Wald von der Größe eines Fußballfeldes verschwindet. Kettensägen machen den Anfang, dann kommt Feuer und schließlich entstehen große Weidelandschaften oder Monokulturen.

Manaus, Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas. © iStock / Getty Images
Manaus, Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas. © iStock / Getty Images

Bedrohung Wasserkraft

Die Energie, die Brasilien antreibt, wird zum Großteil aus der Wasserkraft gewonnen. Keine Kohlenstoffemissionen, keine atomarer Restmüll, keine Ressourcenverschwendung: Auf den ersten Blick wirkt Wasserkraft wie ein Segen für die Stromerzeugung. Doch so einfach ist es leider nicht. Brasiliens Hunger nach Energie ist so groß, dass im gesamten Amazonasbecken gigantische Staudämme errichtet werden. Bislang sind es knapp 50, hunderte sollen hinzukommen. Um Platz für die riesigen Talsperren und Stauseen zu gewinnen, muss alles weichen – auch die Menschen. Immer wieder kommt es so zu Konflikten mit indigenen Völkern, die ihre Heimat verlieren.

Der Gigantismus scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Immer größer, höher und zerstörerischer. Im Jahr 2015 soll das Belo-Monte-Wasserkraftwerk in Betrieb genommen werden, das drittgrößte der Welt. Eine gigantische Fläche Regenwald wurde vernichtet, dafür liefert es mehr Strom als zwölf herkömmliche Atomkraftwerke. Der Bau dauerte mehr als dreißig Jahre und wurde begleitet von weltweiten Protesten. Mehr als 20.000 Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt.

Der Eingriff in das Ökosystem zeigt schon jetzt gravierende Folgen. Flussdelphinen und anderen Tiere wird durch die Staumauern der Weg versperrt. Ihr Lebensraum schrumpft so dramatisch. Zugleich verändern sich die Pegelstände. Aktuell stehen südwestlich von Manaus ganze Landstriche unter Wasser. Über 60 Menschen kamen bei dem bislang historischen Rekordpegel des Rio Madeira, dem größten Nebenfluss des Amazonas, ums Leben. Genau hier wurden erst vor einem Jahr zwei neue gigantische Wasserkraftwerke in Betrieb genommen.

Matthias Adler

Interaktive Karte aller Spielorte der Fußball-WM 2014

Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
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Ein Juwel
am Amazonas
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