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Stand: 12.06.2014

Rio de Janeiro - Spielort der Fußball-WM 2014

Äffchen, Ameisenbären und Atomreaktoren

Ein kleiner Ameisenbär auf dem Rücken seiner Mutter © iStock / Getty Images

Rio de Janeiro ist wohl die schillerndste Stadt Brasiliens. Im legendären Maracanã-Stadion wird am 13. Juli das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft ausgespielt. Die Strände von Ipanema und Copacabana sind weltbekannt, ebenso der Zuckerhut. Dass sich mitten in Rio auch der größte Stadtwald der Erde erstreckt, ist hingegen weniger bekannt – Regenwald mitten in der Millionenmetropole.

Die Christus-Statue in Rio de Janeiro © iStock / Getty Images

Der Tijuca-Nationalpark wurde im Jahr 1961 errichtet. Die 38 Meter hohe Christus-Statue, das Wahrzeichen der Stadt, steht auf dem Corvocado-Berg, der wiederum Teil des Parks ist. Mit seinen 3200 Hektar Fläche ist der Wald von beeindruckender Größe. Aber eigentlich handelt es sich dabei um ein mickriges Restwäldchen, denn er war einst Teil des gigantischen „Mata Atlantica“, des Atlantischen Regenwaldes, der sich über fast zehn Millionen Hektar entlang der brasilianischen Ostküste erstreckte. Davon stehen nur noch wenige, vereinzelte Flächen.

Regenwald in der Stadt

Der Tijuca-Nationalpark ist dennoch ein beeindruckender Ort. Zwar wurde der Großteil des Waldes wieder aufgeforstet, nachdem er fast vollständig abgeholzt wurde. Doch auch in diesem Sekundär-Regenwald hat sich eine erstaunliche Artenvielfalt erhalten. Mitten in der Stadt gelegen, haben hier Kapuzineraffen, Ameisenbären und Gürteltiere ihr Zuhause. Auch die Jararaca-Lanzenotter ist im Tijuca-Nationalpark anzutreffen. Aus ihrem Gift wurde 1950 ein Medikament gegen Bluthochdruck entwickelt.

Ein weiteres Wahrzeichen von Rio: die Copacabana © iStock / Getty Images

Brasilien und das Atom

Etwa 150 Kilometer außerhalb von Rio de Janeiro befindet sich ein weiterer Ort von großer Bedeutung, allerdings mit fragwürdiger Berühmtheit. In der Itaorna-Bucht steht „Angra“, das einzige kommerzielle Kernkraftwerk Brasiliens. Es besteht aus zwei Reaktoren, ein dritter ist derzeit im Bau, und jeder einzelne von ihnen ist mit einer fast schon skurrilen Geschichte verknüpft. Im Jahr 1975 unterzeichneten das brasilianische Militärregime und die deutsche Bundesregierung ein Atomabkommen, das ursprünglich acht Reaktoren und eine Wiederaufbereitungsanlage vorsah.

„Angra 1“ wurde schlüsselfertig von der amerikanischen Firma Westinghouse geliefert und nach einigen Schwierigkeiten auch in Betrieb genommen. Es gilt als wenig zuverlässig. „Angra 2“ wiederum ist ein echt deutsches Fabrikat. Siemens baute den Reaktor, der erst im Jahr 2000 in Betrieb genommen werden konnte. Die Technologie ist nicht nur veraltet, sondern nach einhelliger Meinung vieler Kritiker auch absolut ungeeignet für die Region, die während der Regenzeit regelmäßig von Erdrutschen heimgesucht wird.

„Angra 3“ ist noch immer nicht fertig. Die Baustelle wurde aus Geldmangel gestoppt und die Teile über viele Jahre unterirdisch gelagert. Die Bundesregierung stellte eine Hermes-Bürgschaft in Milliardenhöhe in Aussicht. Der Bau wurde im Jahr 2010 fortgesetzt - mit Plänen und Teilen, die dementsprechend aus dem Jahr 1985 stammen. Nach großem Protest in Deutschland im Zuge der Fukushima-Katastrophe verweigerte schließlich die Bundesregierung die Finanzierung. Im Jahr 2018 soll „Angra 3“ nun fertiggestellt werden. Unklar ist indes die Endlagerung des Atommülls. Aber dafür habe man ja noch Zeit, heißt es.

 

Matthias Adler

Interaktive Karte aller Spielorte der Fußball-WM 2014

Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
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