WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Stand: 12.06.2014

Salvador de Bahia - Spielort der Fußball-WM 2014

Kolonialherren und Goldäffchen

Neben Tapiren, Kragenfaultieren und Jaguaren leben im atlantischen Regenwald die letzten Goldlöwenäffchen. © David Lawson / WWF
Neben Tapiren, Kragenfaultieren und Jaguaren leben im atlantischen Regenwald die letzten Goldlöwenäffchen. © David Lawson / WWF

Wenn am 16. Juni die Fußballnationalmannschaft Portugals auf die DFB-Elf trifft, ist das auch eine historische Rückkehr der ehemaligen Kolonialherren nach Salvador, der ehemaligen Haupt- und heute drittgrößten Stadt Brasiliens. Mit den Portugiesen kam der Kaffee nach Brasilien - und der Sklavenhandel. Die Landwirtschaft veränderte die Landschaft an der brasilianischen Atlantikküste unwiederbringlich.

Die Mata Atlântica, der atlantische Regenwald, ist der Lebensraum der Goldlöwenäffchen © Juan Pratginestos / WWF-Canon
Die Mata Atlântica, der atlantische Regenwald, ist der Lebensraum der Goldlöwenäffchen © Juan Pratginestos / WWF-Canon

Bis zum Jahr 1850 sollen es insgesamt 3,5 Millionen Menschen gewesen sein, die von Afrika verschleppt wurden, um auf den Kaffee- und Zuckerrohrplantagen zu schuften. Viele von ihnen wurden zunächst nach Salvador gebracht - Geschichte, die Spuren hinterlassen hat. In keiner anderen Stadt in Brasilien leben mehr Menschen mit afrikanischen Wurzeln.

Als die Portugiesen erstmals brasilianisches Festland betraten, erstreckte sich entlang der Küste der gigantische atlantische Regenwald, der „Mata Atlántica“. Die Kolonialherren trafen auf eine unberührte Natur mit einer noch höheren Artenvielfalt als im Amazons-Regenwald. Neben Tapiren, Kragenfaultieren und Jaguaren leben in diesem Wald der Wunder die letzten Goldlöwenäffchen. Zum Verhängnis wurde den kleinen Affen, neben der Zerstörung ihres Lebensraumes ihr putziges Äußeres. Einst waren sie als extravagante Haustiere an europäischen Höfen und später als Schmuckstücke für Tierparke begehrt. Schließlich lebten mehr Goldlöwenäffchen hinter Gittern als in freier Wildbahn.

 

Als die schon fast aus den Restwäldern des atlantischen Regenwaldes verschwunden waren, begann der Kampf um das Überleben der Kleinaffen in Freiheit. Der WWF und andere Umweltorganisationen wilderten erfolgreich Tiere aus Zuchtstationen und Gehegen aus. Inzwischen wird der Bestand der Affen in Freiheit wieder auf über 1000 Exemplare geschätzt. Sie gelten zwar weiterhin als stark gefährdet, doch sie haben eine echte Überlebenschance.

Plantagen statt Regenwald

Die einzigartige Natur interessierte die portugiesischen Eroberer vor 500 Jahren weniger. Im Gegenteil: Sie begannen damit, Plantagen zu errichten und den Wald zu roden. Eine Entwicklung mit fatalem Ende. Der WWF schätzt, dass inzwischen etwa 95 Prozent des „Mata Atlántica“ zerstört worden sind.

Heute ist die Region landwirtschaftlich, vor allem durch den Kaffeeanbau geprägt. Brasilien produziert knapp ein Drittel der weltweiten Ernte. Aktuell erlebt der brasilianische Kaffee jedoch eine schwere Krise. Zu Beginn des Jahres wurden große Teile des Landes von einer schweren Dürre heimgesucht. Normalerweise bringt der Hochsommer der südlichen Hemisphäre von Januar bis zum März viel Regen.

 

In diesem Jahr blieben die meisten Felder trocken. Eine Tendenz, die sich in den nächsten Jahren fortsetzen könnte. Dem Klimawandel könnten bis zu 70 Prozent der derzeitigen Kaffeeplantagen zum Opfer fallen, schätzt eine Studie des Royal Botanic Garden Kew.

Matthias Adler

Interaktive Karte aller Spielorte der Fußball-WM 2014

Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Ein Juwel
am Amazonas
Ein Juwel
am Amazonas