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Stand: 12.06.2014

São Paulo - Spielort der Fußball-WM 2014

Wasserschweine auf dem Trockenen

Blick auf die Mega-Metropole São Paulo © iStock / Getty Images
Blick auf die Mega-Metropole São Paulo © iStock / Getty Images

São Paulo ist die größte Metropole der südlichen Hemisphäre, über 20 Millionen Menschen leben hier. Die Megastadt ist berüchtigt für Abgase, Staus und Asphalt-Wüsten. Die Verkehrsachse Marginal Pinheiros verbindet den Norden mit dem Süden der Stadt. In der Mitte fließt der Rio Pinheiro. Und während sich fast zu jeder Tageszeit die Stoßstangen aneinanderreihen, tummeln sich im Fluss unbeirrt zahlreiche Wasserschweine, die größten Nagetiere der Welt - inmitten der zubetonierten Megacity.

Ein Wasserschwein © James Frankham / WWF-Canon

Wasserschweine erreichen eine Schulterhöhe von fast einem halben Meter und ein Gewicht von bis zu 80 Kilogramm. Sie sind fast auf dem gesamten Südamerikanischen Kontinent anzutreffen, denn sie kommen erstaunlich gut mit den Menschen zurecht.

Die großen Verwandten der Meerschweinchen

Sie sind verwandt mit den Meerschweinchen, verbringen aber die meiste Zeit im Wasser. Um sich trotz ihrer relativ kurzen Gliedmaßen effizient fortzubewegen, besitzen sie Schwimmhäute an den Zehen. Sie beherrschen jedoch noch einen ganz besonderen Trick, der eher an Krokodile oder Nilpferde erinnert als an Nagetiere: Sie verstecken sich gerne im Wasser, mitunter auch stundenlang. Ihr Kopf ist so geformt, dass sie lediglich die Augen an die Oberfläche bringen müssen, um sich zu orientieren.

Dass sich ausgerechnet Wasserschweine in São Paulo so wohl fühlen, grenzt eigentlich fast schon an blanke Ironie. Denn die Stadt hat ein immenses Wasserproblem. São Paulo verfügt über ein Wassersystem, das sich aus verschiedenen Stauseen rund um die Stadt speist. Fast die Hälfte des Trinkwassers liefert dabei das Cantareira-System, ein Verbund aus fünf großen Stauseen im Norden der Stadt. Schätzungsweise neun Millionen Menschen sind darauf angewiesen.

Der Fluss Pinheiros in São Paulo © iStock / Getty Images

Wasserproblem der Megastadt

Da sich die Stadt in den letzten 60 Jahren gewaltig ausbreitete, entstanden viele Siedlungen, die illegal auf Wasserquellen zugriffen und auch verschmutzten. Heute ist ein Großteil des natürlichen Wassers nicht mehr für die Trinkwasserversorgung benutzbar.

Im Jahr 2014 verschärfte sich die Situation dramatisch. Brasilien erlebt derzeit eine der verheerendsten Dürren der letzten 50 Jahre. Der Pegel des Cantareira-Systems fiel dabei um fast 90 Prozent. Da Brasilien den Großteil seiner Energie aus Wasser gewinnt und auch die Landwirtschaft sehr wasserintensiv ist, verschärfte sich die Situation. So wurde die lokale Versorgungskrise zu einem nationalen Problem.

Wasser und Wahlkampf

Im Oktober 2014 stehen Präsidentschaftswahlen an und es wird vermutet, dass die Wassersituation, wie schon 2002 beim Wahlsieg von Lula da Silva, entscheidenden Einfluss haben könnte. Nicht wenige befürchten, dass es während der Weltmeisterschaften sogar zu Wasserrationierungen kommen könnte. Diese Katastrophe will auch Präsidentin Dilma Rousseff mit aller Macht verhindern.

 

Matthias Adler

Interaktive Karte aller Spielorte der Fußball-WM 2014

Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
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