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Klimakreislauf am Amazonas: Regionale Zusammenhänge und Auswirkungen

Eine Besonderheit großer Regenwaldregionen wie des Amazonas ist die Fähigkeit, durch ihre Wasserkreisläufe das Klima stark zu beeinflussen. In den Tieflandregenwäldern gibt es zwar keine Jahreszeiten, aber eine trockene Saison und eine Regenzeit. Das ganze Jahr über ist es etwa 28 Grad Celsius heiß und die Luftfeuchtigkeit beträgt über 80 Prozent. Das wichtigste im Regenwald ist – wie der Name schon sagt – der Regen.

Regenwald am Amazonas. © Zig Koch / WWF
Regenwald am Amazonas. © Zig Koch / WWF

Im Amazonas-Becken regnet es fast jeden Tag – bis zu 2.600 Millimeter pro Quadratmeter im Jahr, mehr als viermal soviel wie bei uns. Bis zu drei Viertel des Regens produziert der tropische Regenwald in Amazonien selbst. Ein Viertel wird mit Wolken aus dem Atlantischen Ozean heran geweht. Letzteres entspricht in etwa der Menge, die über die Flüsse auch wieder ins Meer abfließt.

In Amazonien wirken zwei Regenkreisläufe zusammen: Ein überregionaler, weit gespannter, über den das Wasser aus dem Ozean kommt und dahin wieder zurückfließt, und ein auf den Regenwald begrenzter, in dem das Wasser im Ökosystem Amazonas ständig zirkuliert. Entlang des Äquators brennt die Sonne besonders stark auf das dichte Blätterdach des Waldes. Die einstrahlende Sonnenenergie wird in Luftfeuchtigkeit umgesetzt, die aufsteigt und Wolken bildet, die wiederum in der Amazonas-Region abregnen. So schafft sich der Regenwald seine eigenen Wolken und damit sein eigenes Klima.

Düstere Prognosen

Doch der Kreislauf wird gestört: Durch die weltweite Klimaerwärmung und die zusätzliche Zerstörung und Ausdünnung des Regenwaldes durch den Menschen fällt nachweisbar im Amazonasgebiet immer weniger Regen. Wissenschaftliche Feldstudien haben erwiesen, dass der globale Temperaturanstieg zu abnehmenden Niederschlägen führt, die in den trockenen Monaten zu längeren und intensiveren Dürren führen.

 

Ein trockener Wald ist wesentlich anfälliger für Feuer. Gekoppelt mit direkten menschlichen Eingriffen wie Abholzung und Brandrodung, vor allem entlang der Entwaldungsfront im Südwesten der Amazonasregion, baut sich ein Teufelskreis auf: Die Feuer aus der Brandrodung greifen viel leichter als sonst auf intakte Waldgebiete über, da diese durch Dürre geschwächt sind. Inzwischen ist in einigen Monaten der Rauch aus den Brandrodungen in der Amazonasregion so dicht geworden, dass er zusätzlich zu den genannten Faktoren die Wolkenbildung verhindert. Selektiver Holzeinschlag schafft Lücken im Blätterdach, durch die Sonnenlicht tief in den sonst schattigen Wald eindringen kann und das Unterholz stärker austrocknet – was wieder ideales Brennmaterial für das nächste Feuer ist.

 

Auf diese Weise verstärken sich die Dürre durch die weltweite Klimaerwärmung und die genannten menschlichen Eingriffe gegenseitig. Die Wälder werden immer trockener, sie produzieren dann immer weniger Wasserdampf, der Wasserkreislauf gerät ins Stocken.

In 15 bis 20 Jahren könnte so über die Hälfte des Amazonasregenwaldes verschwinden oder vertrocknen und sich unwiederbringlich in ödes Buschland verwandeln – ein Prozess, den man als „Savannization“ oder „Verbuschung“ bezeichnet. Dies hätte verheerende Konsequenzen. Zehntausende von Tier- und Pflanzenarten würden ihren Lebensraum verlieren und schließlich aussterben. Die rund 300 indigenen Bevölkerungsgruppen, deren Lebensgrundlage der Regenwald ist, wären in ihrer Existenz bedroht.

 

Süßwassersysteme würden sich verschlechtern, landwirtschaftliche Erträge würden sinken, es käme zu stärkerem Insektenbefall sowie zur Ausbreitung von Infektionen. Den Amazonas-Regenwald retten bedeutet sehr viel mehr als seine phantastische Artenvielfalt zu retten, oder eine wichtige Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung zu erhalten. Den Amazonas Regenwald retten bedeutet, unser Weltklima zu retten.

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