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Stand: 07.08.2015

Maßnahmen gegen den Raubbau

Brandbekämpfung gehört zur täglichen Arbeit in der Amur-Region. © Andrey Fereferov / WWF Russia
Brandbekämpfung gehört zur täglichen Arbeit in der Amur-Region. © Andrey Fereferov / WWF Russia

Raubbau eindämmen, Wälder zertifizieren und Feuer bekämpfen

Eine Hauptursache für die voranschreitende Zerstörung der Naturlandschaft in der Amur-Region ist die zunehmende Ausbeutung der Naturressourcen. Der global wachsende Bedarf nach Rohstoffen, wie Holz und Mineralien, insbesondere Erzen, sowie fossilen Energieträgern wie Öl und Gas verstärkt auch in der rohstoffreichen Amur-Region den massiven menschlichen Einfluss auf die Naturlandschaft. Hinzu kommt: Die Praktiken, mit denen die Minengesellschaften oder Holzunternehmen die Rohstoffe abbauen, sind oft veraltet. Die Vergabe von Einschlags- oder Abbaukonzessionen aufseiten der Behörden ist intransparent und durch Korruption geprägt.

In einigen Teilen der Amur-Region lässt sich das Ergebnis dieses Raubbaus bereits beobachten: Durch Kahlschläge entwaldete Wälder, durch den Abbau von Erzen verschmutzte Flüsse und durch den Bergbau zurückbleibende verseuchte Abraumhalden.

Förderung nachhaltiger Forstwirtschaft

Amur-Region © Frank Mörschel / WWF
Amur-Region © Frank Mörschel / WWF

Die Naturwälder der Amur-Region liefern den Rohstoff Holz für die holzverarbeitende Industrie, besonders in China. In China selbst gibt es seit Jahren einen Einschlagstop in den heimischen Wäldern, um die übernutzten Holzressourcen wieder zu regenerieren. Die Nachfrage nach Holz steigt in China aber weiter an und befeuert legale wie illegale Einschläge in Russland. Die in China ansässigen Unternehmen verarbeiten das Holz zu Bauholz, Möbeln, Papier und Zellstoff. Die Produkte der Sägewerke, Zellstoff- und Papierhersteller erreichen auch die europäischen Märkte. Dabei ist der Erhalt gerade der fruchtragenden Bäume in den Nadel-Laubholzmischwäldern der Amur-Region enorm wichtig. Auf die Samen von Korea Kiefer und Mongolischer Eiche als Nahrung sind zahlreiche Arten angewiesen, vom Streifenhörnchen bis zum Wildschwein, einem Beutetier von Amur-Tiger und Amur-Leopard.

 

Zwei Jahre lang hatte sich der WWF in Russland mit Kampagnen für einen besseren Schutz der Korea Kiefer eingesetzt. Mit Erfolg: Seit November 2010 ist der Einschlag dieser Baumart in Russland verboten. Seit April 2013 genießen auch die die Mongolische Eiche und Mandschurische Esche in Russland verbesserten Schutz, denn sie wurden in den Anhang III des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) aufgenommen. Für ihren Export werden spezielle Genehmigungen und Herkunftsnachweise verlangt.

In Nuss-Sammelzonen hat die Nutzung von Waldfrüchten wie der Korea-Kiefer Vorrang vor Holzeinschlag © WWF Russia
In Nuss-Sammelzonen hat die Nutzung von Waldfrüchten wie der Korea-Kiefer Vorrang vor Holzeinschlag © WWF Russia

Um den illegalen Holzeinschlag und die nicht nachhaltige Forstpraktiken wie Kahlschläge zu unterbinden, unterstützt der WWF die Zertifizierung der lokalen Forstunternehmen nach Standards des FSC (Forest Stewardship Council). Die Unternehmen verpflichten sich, die vorgegebenen Umwelt- und Sozialstandards bei der Bewirtschaftung der Wälder und der Weiterverarbeitung der Produkte umzusetzen. Damit sollen die nachhaltige Nutzung der Wälder gefördert und die Lebensraumzerstörung für viele Tier- und Pflanzenarten gestoppt werden. Der WWF ist in der Amur-Region kritischer Begleiter der FSC-Zertifizierung. Für den Naturschutz in bewirtschafteten Wäldern ist eine Vorgabe des FSC von großer Bedeutung: Firmen, die sich zertifizieren lassen wollen, müssen einen ausreichenden Anteil von schützenswerten Wäldern (High Conservation Value Forest – HCVF) ganz aus der Nutzung nehmen, oder dafür sorgen, dass durch die Bewirtschaftung keine Beeinträchtigung der Schutzfunktionen resultiert. Der WWF kartiert unabhängig solche wertvollen Wälder und verhandelt mit den Konzessionären über ihren möglichst großflächigen Schutz. Gleichzeitig unterstützt der WWF die Entwicklung von Methoden zum Herkunftsnachweis verschiedener Holzarten. Diese sollen eingesetzt werden, um illegal geschlagenes Holz zu identifizieren und die verantwortlichen Unternehmen zur Rechenschaft ziehen zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt des WWF besteht darin, alternative Bewirtschaftungsweisen wie die nachhaltige Nutzung von Nichtholz-Waldprodukten zu fördern. Dies können Pflanzen wie Ginseng sein oder Pflanzenteile wie Kiefernkerne und Waldfrüchte oder Pilze, die aus den Naturwäldern gewonnen und weiterverarbeitet werden. Besonders die Ureinwohner des russischen Fernen Ostens wie die Udegen und Nanai nutzen die Ressourcen des ungestörten Waldökosystems seit Jahrhunderten, ohne die Artenvielfalt zu dezimieren.

Waldbrandbekämpfung

© Konstantin Kobyakov / WWF Russia
© Konstantin Kobyakov / WWF Russia

Durch das Abbrennen von Gras und Ernterückständen und durch die Unachtsamkeit von Wanderern kommt es immer wieder in Teilen der Region zu Waldbränden, welche die umliegenden Wälder zusätzlich schädigen. Besonders häufig und heftig brennt es im südlichsten Teil der russischen Provinz Primorje, dem Lebensraum der letzten Amur-Leoparden.

Durch gezielte Prävention und Bekämpfung versucht der WWF, die Waldbrände und deren schädigende Wirkung auf die Wälder zu reduzieren. Beispielsweise werden Bauern darin geschult, natürliche Waldbrandbarrieren um ihre Felder anzulegen. Diese bestehen aus feuerresistenten Baumarten wie Lärchen und Brandschutzschneisen, die den Mineralboden offenlegen. Regelmäßige Auswertung von täglichen Satellitenbildern in der Brandsaison und die Montage von Videokameras auf Mobilfunktürmen unterstützen die Überwachung in abgelegenen Gebieten. Um Waldbrände effizienter bekämpfen zu können, werden Forstbehörden, Parkranger, Landbesitzer und Grenztruppen von WWF-Mitarbeitern in der Brandbekämpfung geschult oder mit Ausrüstung ausgestattet.

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Hilfe für Leoparden
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