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Stand: 24.04.2015

Nuss-Sammelzonen als Tigerlebensraum

Ein Sonderfall der Waldnutzung in Russland sind sogenannte Nuss-Sammelzonen, in denen seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Nutzung von Waldfrüchten Vorrang vor dem Holzeinschlag hat. Waldprodukte wie Kiefernsamen (auch Nüsse oder Pinienkerne genannt) und Waldbeeren sollten damals die Rohstoffversorgung der Staatsbetriebe verbessern und dadurch die Abhängigkeit von teuren Importen aus dem Ausland verringern. Diese Nuss-Sammelzonen sind echter Tigerlebensraum.

Korea-Kiefer © Pavel Krestov / WWF Russia
Korea-Kiefer © Pavel Krestov / WWF Russia

Die Zahl der nutzbaren Waldprodukte ist mannigfaltig. Dazu gehören zum Beispiel Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus), auch "Sibirischer Ginseng" genannt, oder die Chinesische Beerentraube (Schisandra chinensi) sowie auch hierzulande bekannte wie Steinpilz, Lindenhonig oder Blaubeere. Das Haupternteprodukt stellen die Samen der Korea-Kiefer dar. Seit der Privatisierung der russischen Wirtschaft werden diese Zonen über öffentliche Auktionen zur langfristigen Pacht (49 Jahre) an private Betreiber (zumeist örtliche Genossenschaften) ausgeschrieben.

Amur-Tiger - geschützt durch Nuss-Sammelzonen © Markus Mauthe / WWF
Amur-Tiger - geschützt durch Nuss-Sammelzonen © Markus Mauthe / WWF

Das Konzept des WWF besteht darin, ökologisch orientierte Pächter bei der Pacht und dem Betrieb der Zonen zu unterstützen, und sie so zu Partnern für den Natur- und Tigerschutz zu machen. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass sich an solchen Auktionen auch Firmen beteiligen, deren Interesse an einer nachhaltigen Bewirtschaftung nur vorgeschoben ist und die im Gebiet Holz einschlagen wollen. Dies ist leider immer noch mit Sondergenehmigungen für so genannte „Pflegehiebe“ möglich, die eine begrenzte Holzentnahme erlauben. Was einige Firmen daraus machen, ähnelt jedoch mehr einem Kahlschlag und ist Waldzerstörung.

Das Konzept des WWF sieht dagegen vor, dass der Holzeinschlag nur zur Deckung des Brennholzbedarfs erlaubt wird und dass ein Managementplan die Erntemengen der Waldprodukte streng regelt, damit die Wälder nicht übernutzt werden. Dieser Managementplan muss den Behörden vorgelegt werden. Außerdem müssen die Pächter nachweisen, dass sie gegen Wilderei kontrollieren und ihren Wald gegen Brände sichern. Die Ausrüstung dafür müssen sie selbst anschaffen. Naturschutz und Nutzung gehen in den Nuss-Sammelzonen also Hand in Hand. Der WWF führt dieses Konzept seit 2007 durch. Die langfristig gepachtete Fläche beträgt inzwischen 664.000 Hektar.

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