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Stand: 02.02.2015

Tiger: Auf Spurensuche am Amur

Am Amur leben die einzigen Tiger, die mit Kälte klarkommen müssen. Sie sind auch die am besten erfassten Tiger. Was wiederum mit Schnee zusammenhängt – und einer logistischen Großaktion.

Das Amur-Gebiet erstreckt sich auf 2,1 Millionen Quadratkilometern - viermal so groß wie Spanien - über den fernen Osten Russlands, die Ost-Mongolei und den Nordosten Chinas. Es wird vom gewaltigen Fluss Amur beherrscht. Hier vereinen sich temperierte und subarktische Flora und Fauna zu einzigartiger Vielfalt. Hier stehen ausgedehnte, zum Teil noch unberührte Laub- und Nadelwälder. Sie sind die Heimat der letzten Amur-Tiger.

2000 Menschen auf der Suche

Im Februar schwärmen dort auf einen Schlag 2000 Biologen, Wildhüter und Umweltschützer in die Wälder aus, um Tiger zu zählen; auf einem Gebiet  von 150.000 Quadratkilometern. Eine solch großflächige Zählung, auch Zensus genannt, findet alle zehn Jahre statt. Bei der letzten konnten rund 450 Tiere nachgewiesen werden. Der WWF beteiligt sich daran finanziell und konzeptionell. Durch eine gleichzeitige, flächendeckende Zählung soll verhindert werden, dass Sichtungen und Spuren-Nachweise ein- und desselben Tigers mehreren Exemplaren zugerechnet werden. Damit nähert man sich mit der größtmöglichen Genauigkeit der tatsächlichen Zahl an. Das Ergebnis ist für uns auch entscheidend, um zu beurteilen, wie gut unsere jahrelangen Schutzbemühungen für die seltenen Tiger funktionieren.

Wie zählt man Tiger?

Tigerspur im Schnee © S. Tivia / WWF
Tigerspur im Schnee © S. Tivia / WWF

Amur-Tiger meiden Menschen und werden selten gesehen. Sie hinterlassen aber natürlich Spuren, die im Schnee  besonders gut zu finden sind – weswegen die Zählung immer im Winter durchgeführt wird. Zu Fuß, per Ski und Schneemobil wird das riesige Gebiet durchkämmt. Beim letzten großen Zensus wurden insgesamt 4100 Spuren aufgezeichnet. Die Forscher verzeichnen die Lage, Richtung und Länge der aufgefundenen Spuren und vermessen ihre individuelle Größe, um daraus Rückschlüsse auf Alter und Geschlecht der Tiger zu ziehen. Auf Grundlage von Zahl, Größe und Verteilung wird eine minimale und mögliche maximale Anzahl von Amur-Tigern errechnet. Der tatsächliche Wert liegt dann ungefähr in der Mitte.

 

Der russische Tiger-Zensus 2015 ist die bislang umfassendste und genaueste Zählung der durch Wilderei und Lebensraumzerstörung bedrohten Tiger. Die Amur-Tiger sind die einzige Unterart der Großkatzen, die in einer Region mit Winter und Schneefall vorkommt. Sie sind daher auch das Vorkommen, das am einfachsten zu zählen und damit am besten dokumentiert ist. In undurchdringlichen Tropenwald-Arealen wie etwa auf Sumatra ist es wesentlich schwieriger, Tiger zu zählen und deren Bestand zu schätzen.

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