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Stand: 11.04.2016

Artenvielfalt der Ökoregion Amur

Mit 4444 Kilometern Länge ist der Amur einer der längsten noch frei fließenden Flüsse der Welt. Im Norden der Region durchstreifen Wolfsrudel auf der Jagd nach Beute die riesigen noch unberührten sogenannten borealen Wälder (Taiga).

Nadelbäume wie Lärchen, Kiefern und Fichten haben sich an die extremen Bedingungen dieses Lebensraums – wie sehr kalte schneereiche Winter und heiße trockene Sommer – perfekt angepasst. Die Nadelwälder gehen Richtung Süden mehr und mehr in baumartenreiche Mischwälder und weiter in Laubwälder der temperierten Zone über. Hier wachsen Eichen, Ulmen, Linden, Erlen und viele weitere Baumarten. Bestimmend für den Charakter dieser Wälder ist aus ökologischer Sicht der „Baum des Lebens“ der Amur-Region, die Korea-Kiefer (Pinus koraiensis). Anders als unsere heimische Kiefer, erreicht sie Höhen bis 40 Meter und reicht damit über das Dach des Waldes markant hinaus. Ihre Samen bieten Nahrung für zahlreiche Tierarten – vom Streifenhörnchen bis zum Wildschwein.

Amur-Tiger (Panthera tigris altaica) © Viktor Filonov / WWF
Amur-Tiger (Panthera tigris altaica) © Viktor Filonov / WWF

Amur-Tiger und Amur-Leopard fanden hier ein reichhaltiges Angebot an Beutetieren und durchstreiften riesige Gebiete dieses Ökosystems. Aufgrund direkter Verfolgung und Lebensraumzerstörung schrumpfte das Verbreitungsgebiet der Großkatzen auf ein kleines Rückzugsgebiet im äußersten Nordosten des russisch-chinesischen Grenzgebiets. In freier Wildbahn leben heute noch schätzungsweise 70 Amur-Leoparden und rund 530 Amur-Tiger.

Steppen in der Ostmongolei sowie Feuchtgebiete und Flussauenwälder in den Überschwemmungsgebieten der Flüsse ergänzen die Mannigfaltigkeit und machen die gesamte Ökoregion zu einem Zentrum der Artenvielfalt. Lachse, Forellen, Störe, insgesamt 120 Süßwasserfischarten leben im Amur und seinen Nebenflüssen. Doch die Zeichen von Überfischung und Wasserverschmutzung sowie beginnender Verbauungen sind alarmierend. In einigen Abschnitten des Amurs sind bereits einige Arten verschwunden.

Die Flussauen des riesigen Wassereinzugsgebiets sind wichtige Rastgebiete für Zugvögel, die auf ihrem beschwerlichen Weg in ihre Überwinterungsgebiete oder in die Brutgebiete hier Nahrung und Schutz finden. Der WWF zählt die Amur-Ökoregion aufgrund ihrer hohen biologischen Artenvielfalt und ihrer noch riesigen Flächen unberührter Wildnis zu den „Global 200“, den 238 wertvollsten Lebensräumen der Erde.

Fauna

Amur-Leopard © Vasily Solkin / WWF Russia
Amur-Leopard © Vasily Solkin / WWF Russia

Die Tierwelt der Amur-Region ist sehr artenreich. Die bekanntesten Säugetiere der Amur-Region sind der Amur-Tiger (Panthera tigris altaica) und der Amur-Leopard (Panthera pardus orientalis). Aber auch Braunbären, Kragenbären, Wölfe, Luchse, Elche, Rotwild, Sikawild, Schneeschafe, Mongolische Gazellen und viele andere Säugetierarten durchstreifen die unterschiedlichen Ökosysteme der Amur-Region – von den mongolischen Steppen bis hin zu den mandschurischen Laubwäldern am Japanischen Meer.

Eine Reihe vom Aussterben bedrohter Vogelarten finden in der Amur-Region optimale Brut- und Lebensbedingungen. Fünf Kranicharten, darunter Nonnenkranich, Weißnackenkranich und Mandschurenkranich kommen in der Daurischen Steppe im Grenzgebiet von Russland und der Mongolei vor. Andere Arten wie der Orientalische Weißstorch finden in den Sumpfwäldern der Amur-Region optimale Brut- und Lebensbedingungen.

Große Lachsschwärme der Gattung Oncorhynchus ziehen vom Pazifik durch die Amur-Mündung den Fluss hinauf, um in den sandigen Flussbetten ihren Laich abzulegen. Nach erfolgter Eiablage verenden die Tiere. Ihr Fleisch bietet Nahrung für Fischfresser wie den Braunbär oder Fischadler.

Einer der größten Süßwasserfische der Erde lebt im Amur. Der Sibirische Hausen kann eine Länge von über fünf Metern erreichen,bei einem Gewicht von über einer Tonne. Um ihren Körper auf „Betriebstemperatur“ zu bekommen, sonnt sich die Chinesische Weichschildkröte nach Reptilienmanier gerne an sonnigen sandigen Ufern des Amur. Sie verbringt bis zu sieben Monate in der kalten Jahreszeit in einer Winterstarre und gräbt sich dafür tief in den Uferschlamm.

Die Tierwelt am Amur kompakt:

  • 23 Amphibien- und Reptilienarten, darunter die bedrohte Chinesische Weichschildkröte
  • mehr als 600 Wirbeltierarten; 42 Prozent der russischen Landwirbeltiere
  • 90 Säugetiere (21 Prozent endemisch), viele gefährdet, wie z. B. Amur-Tiger und Amur-Leopard
  • über 120 Fischarten
  • 400 Vogelarten (14 Prozent endemisch, 27 seltene und bedrohte Arten); das Amur-Tal ist das letzte Brutgebiet für 95 Prozent des Orientalischen Weißstorchs, 65 Prozent des Mandschuren-Kranichs und 50 Prozent des Weißnackenkranichs
  • 40.000 Insektenarten, davon 50 gefährdet

Flora

Vielfältige Flora © Frank Mörschel / WWF
Vielfältige Flora © Frank Mörschel / WWF

Die Ökosysteme in der Amur-Region beherbergen auch eine Vielzahl sehr spezialisierter Pflanzen, die zum Teil nur hier zu finden sind (sogenannte endemische Arten) wie etwa der Ginseng. Die Inhaltsstoffe des Ginsengs werden in der traditionellen chinesischen Medizin für eine Vielzahl von Medikamenten und Tees verwendet. Auch in der westlichen Medizin gewinnt der Ginseng mehr und mehr an Bedeutung. Sein wirtschaftlicher Wert führte in den vergangenen Jahrzehnten zu einer starken Übernutzung und zu einem Rückgang wilden Ginsengs in den Nadel-Laub-Mischwäldern der Region. 

Die Pflanzenwelt am Amur kompakt:

  • 2800 Gefäßpflanzen-Arten, 800 davon endemisch, also nur hier vorkommend
  • fast 15 Prozent der Arten stehen auf der Roten Liste Russlands
  • etwa vier Prozent aller Wasserlilien-Arten haben ihre Heimat in der Amur-Region
  • 60 Arten von Waldorchideen
  • Besonderheiten: lebende Fossilen wie Froschblatt (Brasenia schreberi) oder Euryale (Euryale ferox)

     

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Hilfe für Leoparden
und Tiger
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