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Kulluk-Havarie: "Ölunfälle kaum beherrschbar"

08. Januar 2013

Silvester lief die Shell Bohrinsel Kulluk südlich der Kodiakinseln vor Alaska auf Grund. Eigentlich sollte die Plattform zur Inspektion in einen sicheren Hafen geschleppt werden, doch die arktischen Stürme schüttelten Schiffe und Bohrinsel dermaßen durch, dass die Besatzung schließlich die Taue kappte. Die Kulluk machte sich mit mehr als einer halben Million Liter Treibstoff an Bord selbstständig und strandete schließlich an der Küste des US Eilands Sitkaliiak.

Kulluk © U.S. Coast Guard
Kulluk © U.S. Coast Guard

Seitdem bemühten sich Rettungsteams und Küstenwache die Plattform wieder ins Schlepptau zu nehmen, doch die rauen arktischen Wetterbedingungen  verhinderten dies über eine Woche lang. Erst am 8. Januar gelang die Bergung in einen sicheren Hafen. Der eisige Schauplatz des Öldramas liegt nicht weit von einem anderen Ort, der böse Erinnerungen weckt. Nur 500 Seemeilen entfernt kenterte 1989 die Exxon Valdez. Fast 40.000 Tonnen Rohöl liefen ins Meer und verursachten eine Ölpest, die zu den Schlimmsten der Geschichte gehört. Noch 2005 wurden giftige Ölreste der 16 Jahre zurückliegenden Katastrophe gefunden. Die Verpestung wird noch Jahrzehnte anhalten.

 

Der Unfall der Kulluk ist von kleinerem Kaliber: Die Tanks sind mit Diesel gefüllt. Auch das birgt ein Risiko, doch die Menge ist weit geringer und Dieseltreibstoff würde sich im Fall einer Freisetzung schneller verflüchtigen als Rohöl oder das berüchtigte Schweröl, das immer noch auf vielen Schiffen als Treibstoff eingesetzt wird.

Stephan Lutter, WWF-Experte für Internationale Meerespolitik & Meeresschutzgebiete. © Philipp Guelland / WWF
Stephan Lutter, WWF-Experte für Internationale Meerespolitik & Meeresschutzgebiete. © Philipp Guelland / WWF

Wirklich besorgniserregend ist nicht der Unfall, sondern die Tatsache, dass in dieser eisigen Gegend überhaupt nach Öl gebohrt wird. Für den WWF ist dies ein deutlicher Warnruf. Ölunfälle im Eismeer sind nicht beherrschbar. Die üblichen Methoden der Ölbekämpfung greifen kaum bei der extremen Kälte, Stürmen, Eisschollen und der lang anhaltenden Dunkelheit und eine entsprechende Infrastruktur fehlt. Hinzu kommt, dass es sich um einen extrem empfindlichen Lebensraum handelt. Öl wird im arktischen Ökosystem langsamer abgebaut und kann sich unter dem Eis lange halten. Die Heimat von Eisbären, Delfinen und Grauwalen steht auf dem Spiel.

 

Ein Spiel, bei dem es um die ganz großen Einsätze geht. Mehr als 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasvorkommen verbergen sich unter dem eisigen Schild der Arktis. Mit fortschreitendem Klimawandel scheinen diese Vorräte erreichbar. Fast fünf Milliarden Dollar hat Shell bereits in Lizenzen und Bohrungen investiert. Das muss wieder hereinkommen. Sicherheitsbedenken stören da nur.

 

Wie riskant das Vertrauen auf die Technik ist, hat man nach dem Desaster mit der Deepwater Horizon gesehen. Die Vorkommen in der Tiefsee sind ähnlich schwer erreichbar wie die arktischen Bodenschätze. Nachdem die Ölplattform in Flammen stand, strömten 2010 monatelang riesige Mengen Rohöl in den Golf von Mexiko. Die Ölkatastrophe wurde für die beteiligten Konzerne teuer. Gerade erst wurde der Schweizer Plattformbetreiber Transocean zu einer Milliardenzahlung verdonnert. Zu einem Umdenken hat das nicht geführt.

 

Shell und die Natur mögen bei der Havarie der Kulluk noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen sein. Doch es ist zu hoffen, dass der Unfall eine Art letzter Weckruf für die Genehmigungsbehörden wird, die Ölförderpläne in der Arktis zu beerdigen. Die Havarie der Bohrinsel ist nicht der erste Rückschlag für die Ölkonzerne in den eisigen Gewässern der Arktis. Die Pannenserie hat dazu geführt, dass sich BP und Total bis auf weiteres vom arktischen Öl verabschiedet haben. Shell sollte diesem Beispiel folgen.

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