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Shell stoppt Arktis-Bohrungen – vorläufig

Zwei Bohrschiffe, mehr als zwanzig Unterstützungsschiffe – Shell zeigte, dass es der Mineralölkonzern ernst meinte mit den umstrittenen Probebohrungen in der Arktis. Nun mussten die Versuche gestoppt werden.


Shell gab am 17. September 2012 bekannt, dass die umstrittenen Testbohrungen wegen Sicherheitsproblemen gestoppt werden mussten. Die Funktionsfähigkeit eines Spezialschiffes, das im Ernstfall Öllecks auffangen soll, sei nicht sicherzustellen. Während der letzten Tests sei die große Unterwasser-Absaugglocke an Bord eines der Schiffe geschädigt worden, wie der Mineralölkonzern auf seiner Website bekannt gab. Die Pläne für 2012 und 2013 müssten daher „überarbeitet“ werden. Das Unternehmen werde vorerst keine Bohrungen in Gestein mit Öl- oder Gasvorkommen vornehmen.


„Das ist natürlich gut für die Arktis, aber nächstes Jahr soll das Bohren ja weitergehen“, sagt Marco Vollmar, Leiter WWF-Öffentlichkeitsarbeit. „Natürlich müssen wir weiter dafür kämpfen, dass die gefährliche Ausbeutung der Polarregion endgültig gestoppt wird.“

Schützt die Arktis!

Schon bald könnte die Arktis im Sommer eisfrei sein. Das heizt die wirtschaftliche Ausbeutung der sensiblen Region weiter an. Schon jetzt werden neue Transportwege im Polarmeer erschlossen, Fischbestände ausgebeutet, aber auch die Jagd auf Erze, Gas und Öl hat längst begonnen – obwohl ein Ölunfall verheerende Folgen hätte. Das Ökosystem der Arktis ist eines der verwundbarsten der Welt.

Seit Jahren versuchen Öl- und Gasfirmen wie Shell, Exxon oder Gazprom die Erlaubnis zu erhalten, in der Arktis zu bohren. Shell hat Anfang September 2012 nun die Genehmigung bekommen. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren erlaubt die US-Regierung Ölbohrungen in der Arktis. Shell darf mit vier Probebohrungen in der arktischen Tschuktschensee und der angrenzenden Beaufortsee beginnen. Dort werden Vorkommen von 26 Milliarden Barrel Öl und 3,68 Billionen Kubikmeter Erdgas vermutet.

Das Ökosystem der Arktis ist eines der verwundbarsten der Welt. © Sindre Kinnerod / WWF
Das Ökosystem der Arktis ist eines der verwundbarsten der Welt. © Sindre Kinnerod / WWF

„Eile erhöht das Risiko“

„Der WWF ist entsetzt von der Entscheidung der US-Regierung”, sagt Margaret Williams, die Leiterin des WWF Alaska Büros. „Es gibt einfach noch nicht die Technologie, um einen Ölunfall unter den extremen Bedingungen der Arktis effektiv zu bekämpfen. Im arktischen Ozean zu bohren ist ein Spiel mit der Zukunft.“

 

Experten haben immer wieder betont, dass es bisher keine Möglichkeiten gäbe, eine Ölkatastrophe unter den rauen Bedingungen der Arktis zu beheben. Ein Ölunfall wie bei der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ 2010 im Golf von Mexiko würde die Zerstörung für das einmalige und empfindliche Ökosystem der Arktis bedeuten. „Regierungen und Konzerne sind noch nicht bereit, in dieser Region zu arbeiten - und effektiv mit Ölteppichen oder anderen Unfällen umzugehen. Weder vom politischen, noch vom technischen oder infrastrukturellen Standpunkt“, erklärt der WWF-Arktisexperte Mikhail Babenko.

Shell geriet immer wieder in verschiedenen Erdregionen bei schweren Ölunfällen in die Kritik. © Kevin Schafer / WWF-Canon
Shell geriet immer wieder in verschiedenen Erdregionen bei schweren Ölunfällen in die Kritik. © Kevin Schafer / WWF-Canon

Zweifel an Shell

In der Vergangenheit geriet Shell immer wieder in verschiedenen Erdregionen bei schweren Ölunfällen in die Kritik. In Nigeria kam es im Ogoniland zu zwei massiven Ölunfällen, hervorgerufen durch Öllecks von Shell. Laut eines Berichts des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP könnte es bis zu 30 Jahre dauern und circa eine Milliarde US-Dollar kosten, um die Schäden zu beheben. Bis heute haben die Aufräumarbeiten aber noch nicht einmal begonnen. Bei der Gannet Alpha Plattform vor der schottischen Küste kam es im August 2011 zum schlimmsten Ölunfall der vergangenen zehn Jahre an der Britischen Küste – Shell informierte die Behörden erst zwei Tage später. Norwegens Öl-Sicherheits-Behörde hat den Konzern 2012 wegen seiner schlechten Planung bei den Bohrungen vor Norwegens Küste kritisiert. „Die Ereignisse der letzten Zeit lassen uns zweifeln, dass der Konzern in der Lage ist, unter den rauen Bedingungen der Arktis verantwortungsvolle, gut vorbereitete und geregelte Bohrungen durchzuführen,“ stellt Babenko fest.

 

Auch das Versicherungsunternehmen Lloyd's spricht sich gegen Bohrungen in der Arktis aus. Lloyd's schätzt, dass mögliche Aufräum- und Reinigungsarbeiten nach einer Ölkatastrophe, besonders in den eisbedeckten Gebieten, mehrfache Hindernisse mit sich bringen, die zusammen genommen ein einzigartiges Risiko darstellen. Die Mineralölkonzerne Total und BP haben ihre Pläne für Bohrungen in der Arktis gestoppt. BP stellte in einem Gutachten fest, dass ihr Projekt „Liberty“ nicht mehr den neuen Sicherheitsstandards des Konzerns entspricht. Der Ölkonzern Total ist inzwischen von Bohrungen in eisbedeckten Regionen abgerückt. Die Risiken, falls es zu einer Ölkatastrophe komme, seien einfach zu groß.

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