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Stand: 04.01.2016

Abholzung verlangsamt in Westkalimantan

Der einst dichte Waldteppich Borneos hat wachsende Löcher: Nur noch die Hälfte der drittgrößten Insel der Welt ist bewaldet. Von 1985 bis 2007 gingen pro Jahr rund 8600 Quadratkilometer Wald für immer verloren. Der WWF steuert dagegen. 2007 wurde die „Heart of Borneo“-Erklärung von den Forstministern Indonesiens, Malaysias und Brunei unterschrieben. 

Westkalimantan © Budi Suryansyah / WWF Indonesien
Westkalimantan © Budi Suryansyah / WWF Indonesien

WWF-Recherchen stoppen Holzmafia

Bis 2005 war Borneo Brennpunkt der illegalen Abholzungen durch die Holzmafia, die damit Milliarden verdiente. Dem setzte die Regierung Indonesiens ein Ende, nachdem die verdeckten Ermittlungen des WWF den Raubbau öffentlich gemacht hatten. Neben dem Holzverkauf ist die Ansiedlung von Palmölplantagen für die Konzerne gewinnbringend. Auch die ländliche Bevölkerung schlug illegal Holz ein - aber für ein mageres Einkommen. Dazu entwickelte der WWF ein Programm, das für die lokalen Bewohner alternative und nachhaltige Wege schuf, ihr Leben zu finanzieren - und zwar im Einklang mit der Natur. Drei Nationalparks stehen dabei im Fokus:

Die Orang-Utan-Art pongo pygmaeus pygmaeus © Jimmy Syahirsyah / WWF Indonesien
Die Orang-Utan-Art pongo pygmaeus pygmaeus © Jimmy Syahirsyah / WWF Indonesien

1. Betung Kerihun

Betung Kerihun breitet sich auf 8000 Quadratkilometer Fläche aus. Der zweitgrößte Nationalpark Borneos ist als Zentrum biologischer Vielfalt von weltweiter Bedeutung. Die zerklüfteten Bergregenwälder steigen bis auf 1800 Meter. Hier ist das Quellgebiet des Kapuas, Borneos längstem Fluss.

Von den nur noch 3000 bis 4500 Tieren der stark bedrohten Orang-Utan-Unterart pongo pygmaeus pygmaeus lebt im WWF-Projektgebiet in Westkalimantan etwa die Hälfte. Es ist daher unerlässlich, den Wildtierkorridor am Leboyan-Fluss zum benachbarten Nationalpark Danau Senatarum zu stärken.

2. Danau Sentarum

Danau Sentarum umfasst 1320 Quadratkilometer Fläche und ist das größte Süßwasserfeuchtgebiet Borneos. In der Regenzeit sind 95 Prozent überschwemmt. 39 Gemeinden betreiben die traditionelle Fischerei. Hier leben Nasenaffen und ebenfalls der pongo pygmaeus pygmaeus.

Das Bengo-Projekt

In der indonesischen Provinz Westkalimantan auf der Insel Borneo verbindet der Leboyan-Fluss auf 70 Kilometern Länge zwei Nationalparks – Betung Kerihun und Danau Sentarum. Es ist ein natürlicher Wildtierkorridor, der allerdings durch Wanderfeldbau und vor allem illegales Abholzen geschädigt wurde. In dem Korridor leben Ethnien wie Iban, Tamambaloh oder Kanute des Dayak-Volkes in acht Dörfern und 1800 Haushalten. Sie sind auf die natürlichen Ressourcen für ihren Lebensunterhalt angewiesen. Monatlich haben sie 30 bis 45 Euro pro Haushalt zur Verfügung. Ihre mageren Einkünfte kommen aus dem Wanderfeldbau, der Kautschukausbeute und der Süßwasserfischerei. Es fehlte bisher eine Strategie zur Entwicklung, um die Lebens- und Einkommensverhältnisse nachhaltig zu verbessern, ohne die Ökosysteme, die Wasserqualität und die eigenverantwortliche Tätigkeit zu gefährden.

Seit Juni 2014 steht der Plan für eine vorbildhafte Mission, die die Übernutzung der Wälder und Böden, die Überfischung und Abholzung überwindet. Der WWF leitet das auf drei Jahre angelegte Projekt, das alle Lebensbereiche der Bewohner betrifft. Dazu gehören auch die Abkehr von der weit verbreiteten Korruption sowie die Marktanbindung der Produzenten, damit sie ihre lokal erzeugten Waren verkaufen können. Gute Erfolge gab es mit dem Anbau von rotem Reis und Illipe-Nüssen. So werden die Grundlagen für die lokale Green Economy gelegt. Gute Verwaltungsführung in dem Gebiet und konkurrenzfähige Möglichkeiten, ein angemessenes Einkommen zu erzielen, sind weitere Projektziele.

3. Bukit Baka Bukit Raya

Bukit Baka Bukit Raya mit 1810 Quadratkilometern Fläche wird vom WWF seit 2009 betreut. Tiefland- und Bergregenwald bis über 2200 Meter wechseln sich ab. Zwar liegt der Park abgeschieden, ist noch relativ intakt, aber es werden illegale Felder angelegt und Gold geschürft. Die angrenzenden Pufferzonen sind schon stark entwaldet.

PandaCLICK! Training in Meliau Sub-village, Batang Lupar © PandaCLICK! / Flickr
PandaCLICK! Training in Meliau Sub-village, Batang Lupar © Panda Click / Flickr

Das Parkmanagement des Staates ist für alle drei Nationalparks personell und finanziell zu schwach. Der WWF hilft, das zu ändern, die lokalen Bewohner einzubeziehen und alle Akteure zusammen zu bringen. Ein gemeinschaftliches Nationalparkmanagement wurde bereits vom WWF initiiert. Satellitenbilder zeigen, dass es zumindest im Bukit Baka Bukit Raya seit dem Projektbeginn 2008 bis 2012 keine neuen Abholzungen gab. In der Pufferzone wurde die Entwaldungsrate reduziert.

Zum Schutz der Artenvielfalt und zur Bewusstseinsbildung der lokalen Bevölkerung wurde das Projekt PandaCLICK! gestartet.

PandaCLICK!

Das schon in den 1990er Jahren von der University of London entworfene Konzept der „photo voices“ wird hier mit Leihkameras aufgegriffen: Einige ausgewählte Dorfbewohner, die meist nicht lesen und schreiben können, fotografieren ihre Umgebung nach einem kurzen Training an der Kamera. Im Abstand weniger Wochen diskutiert das Projektteam die Ergebnisse und wirft Fragen auf: Was bedeutet der fotografierte Orang-Utan für den Wald? Wie trägt er zur Waldverjüngung bei? Mit seinem Kot verbreitet er Samen. So verändert sich die Wahrnehmung der Dorfbewohner von ihrer Umgebung. Das Projekt hat aber auch einen ganz praktischen Nutzen für die Dorfbewohner. Einer fotografierte zum Beispiel eine defekte Wasserpumpe und leitete das Bild an die Behörden weiter, damit sie endlich etwas unternehmen.

Die Bewohner sensibilisieren

Die Menschen brauchen ein legales Einkommen, das sie mit dem Pflanzen traditioneller Reissorten, verbessertem Gemüseanbau oder Dschungelkautschuk erwirtschaften. Dazu wird ein Qualitätskontrollsystem eingeführt. Höhere Qualität der Waren verbessert die Verkaufspreise. Das schlägt sich besonders beim Naturkautschuk nieder. Marketing und Marktzugang werden gefördert. Auch der Orang-Utan-Schutz wurde durch verbesserte Strafverfolgung von Wilderern sowie Forschungsarbeiten zu Konfliktfällen zwischen den Tieren und Dorfbewohnern verbessert. Die menschen vor Ort und örtliche Journalisten werden für Umweltthemen sensibilisiert. Staatliche Stellen hat der WWF gewonnen, um an ausgewählten Orten einen sensiblen Ökotourismus zu entwickeln, etwa in Kapuas Hulu. Die Bewohner werden durch Fortbildung und Training darauf vorbereitet.

Und wie können Sie helfen? Kämpfen Sie mit uns Seite an Seite gegen die Abholzung in der Region, indem Sie uns finanziell unterstützen. Ihre Spende macht Naturschutzarbeit erst möglich und bewahrt so nachhaltig den Regenwald.

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