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Stand: 30.12.2015

Große Belastung für das Herz von Borneo

Die Orang-Utans sind bedroht. Diese seltenen Menschenaffen leben in den Wäldern der drittgrößten Insel der Welt – auf Borneo. Das vom WWF mit initiierte Dreiländer-Schutzgebiet „Herz von Borneo“ umfasst ein rund 220.000 Quadratkilometer großes Netzwerk aus Schutzzonen und nachhaltig genutzten Wäldern. Es ist eine der letzten großen zusammenhängenden Regenwaldflächen Südostasiens. Hier herrscht eine Artenvielfalt, wie es sie sonst selten auf der Welt gibt. 

Orang-Utans © Michael Poliza / WWF
Orang-Utans © Michael Poliza / WWF

Doch illegaler Holzeinschlag, nicht nachhaltig betriebene Forstwirtschaft und schnell wachsende Palmöl- oder Zellstoffplantagen, engen den Lebensraum der Tiere dramatisch ein. Von 1985 bis 2007 hat Borneo jedes Jahr etwa 860.000 Hektar Wald verloren – für den schnellen Profit. Das ist zusammengerechnet über 23 Jahre fast 600-mal die Fläche Bremens. Lücken und Schneisen haben den tropischen Wald zudem zerfurcht und die Ökologie dieses Stücks Natur gestört. Heute ist nur noch knapp die Hälfte Borneos mit Wald bedeckt. Das ist auch für die indigene Bevölkerung – etwa eine Million Menschen - bedrohlich. Intakte Wälder sind ihre Lebensgrundlage und Heimat. Beides wird durch den Waldrückgang empfindlich bedroht.

Inselkern Borneos für WWF weltweit wichtig

Borneo-Regenwald © iStock /Getty Images
Borneo-Regenwald © iStock /Getty Images

Für den WWF ist dieser Inselkern eines der wichtigsten globalen Prioritäts-Gebiete. Borneo teilt sich auf in die Nationalstaaten Malaysia, Indonesien und das kleine Sultanat Brunei. Die drei Borneostaaten unterzeichneten im Februar 2007 die „Heart of Borneo“-Erklärung. Darin verpflichteten sie sich, ein grenzübergreifendes Netzwerk aus Schutzzonen und nachhaltiger Landnutzung aufzubauen, das insgesamt etwa der Fläche Großbritanniens entspricht. Ein Aktionsplan wurde erarbeitet. Verhindert werden konnten eine riesige Palmöl-Plantage und ein Straßennetz durch unberührten Regenwald. Auch folgen etwa zehn Prozent der Forstkonzessionen in dem Herzen Borneos den Nachhaltigkeitskriterien des FSC-Siegels (Forest Stewardship Council) für Holz- und Waldprodukte.

Abholzung nur gebremst – was jetzt?

Heute stellen wir etwas ernüchtert fest: Trotz unseres politischen Engagements seit 2007 ist die Entwaldungsrate im Herzen Borneos besorgniserregend hoch, allerdings etwa um die Hälfte geringer (2,19 Prozent im Jahr) als im übrigen Borneo (4,68 Prozent im Jahr). Ölpalm- und Holzplantagen scheinen leider immer noch einem ungehemmten Wachstumsplan zu folgen. Die bleibenden Waldinseln drohen so klein zu werden, dass sie ihre ökologischen und klimatischen Funktionen nicht mehr leisten können. 

Dayak auf Borneo © Christian Plaep / WWF
Dayak auf Borneo © Christian Plaep / WWF

Es geht nicht nur um sauberes Wasser, die Speicherung von Kohlenstoff zur Klimastabilisierung, um seltene Tierarten und einmalige Pflanzen – es geht auch um die Lebensgrundlage der indigenen Dayak. Ihre Selbstbestimmung und ihr traditionelles Wissen im Umgang mit natürlichen Rohstoffen müssen anerkannt und erhalten bleiben. Biodiversität und Naturkapital sind für sie keine abstrakten Stichworte. Auch für die Gesamtwirtschaft der Insel spielt das "Heart of Borneo" eine zentrale Rolle. Wie sehr der Erhalt von Naturkapital Teil eines intelligenten, grünen Wirtschaftsansatzes für eine nachhaltige Entwicklung ist, kann jeder auf Borneo erleben. Ressourcen müssen optimal genutzt, Wirtschaftskreisläufe aufgebaut werden. Die Menschen der Regionen müssen davon profitieren, darauf kommt es an. 

Der WWF hat ehrgeizige Ziele für die nahe Zukunft

Bis 2020 hat sich der WWF viel vorgenommen: Nachhaltig und gemeinschaftlich muss gewirtschaftet werden, das muss überprüfbar sein, nach anerkannten Kriterien ablaufen und sich positiv auf die indigene Bevölkerung auswirken. Dazu sind auch die politischen Faktoren sowohl vor Ort als auch in den Hauptstädten zu stärken. Der WWF setzt sich dafür ein:

  • Lebensräume und Schutzgebiete auch über Ländergrenzen hinweg auszuweisen.
  • Zertifikate für die Forstwirtschaft einzuführen, die die Nachhaltigkeit belegen.
  • die Unternehmenspraxis in Forstwirtschaft, Palmölanbau, Bergbau, Wasserkraft und Finanzen zu reformieren.
  • indigene Gemeinden zu stärken und ihre Rechte und Lebensbedingungen zu verbessern. Dazu gehören auch Geschäftsmodelle, die zu den Menschen passen: ökologische Landwirtschaft, Ökotourismus, erneuerbare Energien im lokalen Bereich und das Kunsthandwerk.

Der Blick hinauf in die Bäume zu den Orang-Utans zeigt eine freudige Überraschung: Sie haben neue Nester gebaut. In Nord Ulu Segama in Sabah, im malaysischen Teil Borneos, wurden 1465 Hektar eines vom Holzeinschlag geschädigten Waldes mit heimischen Nahrungs- und Nistbäumen für die Orang-Utans aufgeforstet. Und genau dort sind diese Nester zu sehen. Das gibt Hoffnung und zeigt den Weg zu weiteren Erfolgsmeldungen – doch dazu brauchen wir Ihre Hilfe!

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