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Stand: 08.10.2015

Nordkalimantan – Modell für die Grüne Wirtschaft

Dreiviertel der rund 750.000 Bewohner der indonesischen Provinz Nordkalimantan gehören zur indigenen Bevölkerung der Insel Borneo, die meisten zu den ethnischen Gruppen der Dayaks. Viele leben in Dorfgemeinschaften und alle seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur. Die abgeschiedene Lage im Herzen von Borneo mit unwegsamen Gebirgszügen und dichten Regenwäldern hat Nordkalimantan lange vor der Entwaldung geschützt. Der aktuelle Höchstwert der Waldbedeckung auf Borneo beträgt 75 Prozent.

Dayak-Kinder in Borneo © Christian Plaep / WWF
Dayak-Kinder in Borneo © Christian Plaep / WWF

Nebelparder, Nashornvogel und Borneo-Gibbon fühlen sich hier wohl. Eine der ältesten Projektregionen des WWFs in Kalimantan (dem indonesischen Teil Borneos) befindet sich genau hier – seit 1992. Der Nationalpark Kayan Mentarang, das größte Regenwald-Schutzgebiete Borneos, das in jüngster Zeit durch kommerzielle Interessen stark unter Druck geraten ist. Für den Erhalt dieser Fläche, etwa so groß wie ein Drittel der Schweiz, ist schnelles Eingreifen gefragt.

Die Bedrohung wächst jeden Tag

Seit 2012 ist Nordkalimantan (Kalimantan Utara) eine eigene Provinz. Das 72.567 Quadratkilometer große Gebiet wurde von Ostkalimantan abgetrennt. In der Küstenregion der Provinz sind indonesische, japanische oder auch niederländische Firmen sehr aktiv im Abbau von Rohstoffen: Diese reichen von Erdöl und -gas über Diamanten bis hin zu Kohle. Aktuell geplante Straßen und Umsiedlungen zur Erschließung neuer Marktzugänge werden rasch das Innere der Insel verändern. Leben die indigenen Völker im Hinterland bisher noch weitgehend unbehelligt, wird sich das voraussichtlich in sehr kurzer Zeit ändern. Jetzt ist der Moment, um den Raubbau der Wälder, die uneingeschränkte Kommerzialisierung der Region, den Verlust fruchtbarer Böden, gesunden Trinkwassers, der Artenvielfalt und die Schwächung der traditionellen Lebensgrundlage der Dayak zu verhindern. Das noch gesunde Ökosystem in dieser jungen Provinz kann durch kurzsichtige Entwicklungsplanung und Profitgier rasch verschwinden.

Der WWF schützt den Regenwald

Regenwald in Borneo © WWF
Regenwald in Borneo © WWF

Der WWF hat ein klares Ziel: Der Regenwald Nordkalimantans im Inselkern - 22 Prozent gehören zum „Herz von Borneo“-Gebiet – muss mit all seiner Artenvielfalt, seinen Völkern und seinem immensen Wert für die Menschheit langfristig gesichert werden. Die Naturschätze sollen vor der Vernichtung bewahrt werden. Nationalparks, Schutzwälder und wichtige Habitate etwa für den Zwergelefanten müssen erhalten und miteinander vernetzt werden. Im Sinne der indigenen Völker, aber auch der Küstenbewohner wird ein nachhaltiger Wirtschaftsansatz entwickelt. Ziel dieser „Grünen Wirtschaft“ ist es, zu zeigen, wie Naturschutz und Entwicklung einer Region dauerhaft und zum Nutzen aller miteinander verzahnt werden können. Dazu muss der WWF viel Überzeugungsarbeit leisten - angefangen bei den lokalen und übergeordneten Politikern über die betroffenen Bewohner bis hin zu den in großen Maßstäben denkenden Planern und Firmen sowie der Öffentlichkeit im In- und Ausland. Das ist eine Herkulesaufgabe. Die Alternative allerdings wäre noch schwerer zu verkraften: Zuzusehen, wie wieder ein Stück noch intakter Regenwald mit seiner Artenvielfalt und seinen Bewohnern für immer von diesem Planeten verschwindet.

Grüne Wirtschaft

Diese Wirtschaftsweise bringt drei Begriffe unter einen Hut: Die natürlichen Ressourcen werden erhalten oder so genutzt, dass sie sich wieder erneuern können (Gegenteil von Raubbau). Zur ökologischen Nachhaltigkeit kommt die wirtschaftliche Profitabilität. Sie räumt einen moderaten Profit ein (Gegenteil von Gewinnmaximierung). Dazu gehört auch die soziale Inklusion. Damit ist die gesellschaftliche Teilhabe aller gemeint. Das betont die besondere Rolle etwa von Indigenen. Ihre Lebens- und Arbeitsweise soll erhalten bleiben oder sich nur behutsam ändern. Die Grüne Wirtschaft (Green Economy) wurde bei der Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung im Juni 2012 in Rio de Janeiro von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon als wichtiger Leitbegriff hervorgehoben. Er umschrieb es so: Green Economy vereint unter einem Banner die gesamte Bandbreite wirtschaftlicher Politik mit Relevanz für nachhaltige Entwicklung.

Nebelparder gehören zu den bedrohten Arten Borneos © Alain Compost / WWF
Nebelparder gehören zu den bedrohten Arten Borneos © Alain Compost / WWF

Die Einführung einer Grünen Wirtschaft für das Herz von Borneo erfordert die Umsetzung konkreter Schritte. Dazu gehört, dass die Lebensgrundlage der Bevölkerung geschützt wird, soziale Gerechtigkeit herrscht, die Gemeinden mit Augenmaß wachsen und gleichzeitig Wasser, Boden, Klima, Bodenschätze, Waldfrüchte und die Artenvielfalt als gesamtes Naturkapital erhalten bleiben. Der Fortbestand dieses Naturkapitals für künftige Generationen muss gesichert werden. Fatale Überschwemmungen, Bodenerosion und Klimawandel infolge geschädigter Ökosysteme sind langfristig teurer, sie stellen das Überleben der Menschheit infrage. Eine Grüne Wirtschaft im Herzen von Borneo setzt klare Prioritäten in der Entwicklung lokaler und nationaler Entwicklungspläne zum Wohle der Gesellschaft. Maßstab für das Wohlergehen und Wachstum sind die ärmsten Gruppen der Bevölkerung.

Was der WWF jetzt tun muss

Die Projektziele und Aktivitäten des WWFs in Nordkalimantan bis Dezember 2018 sehen deshalb so aus:

  • Distrikt- und Provinzbehörden werden in ihrer Kompetenz gestärkt, Leitlinien zur Umsetzung von Landnutzungs- und Entwicklungsplänen zu entwickeln und Prinzipien von Grüner Wirtschaft einzuführen.
  • In ausgewählten Dörfern wird der Prozess der Landnutzungsplanung konkret angeleitet und fortwährend unterstützt.
  • Um die bisherigen Erfolge in Nationalparks zu sichern, werden die institutionellen und finanziellen Grundlagen für ein nachhaltiges, gemeinschaftliches Parkmanagement geschaffen, der Parkrat wird als aktive und unabhängige Institution unterstützt.
  • Der Rat der indigenen Volksgruppen der Dayak – FOMMA genannt – wird als aktiver Akteur im gemeinschaftlichen Park- und Pufferzonenmanagement gestärkt, so werden auch die Randgebiete um die Nationalparks (Pufferzonen) mit berücksichtigt.
  • Distrikte werden unterstützt, eine Vorreiterrolle in der Planung übernehmen zu können, dazu wird eine Finanzstrategie entwickelt.
  • Um eine grüne Entwicklung bei den politisch Verantwortlichen wirksam einzufordern, werden Zivilgesellschaft und Medien gestärkt. Dazu gehört das Training von Jugendführern und Gemeindeorganisationen in Pflanzaktionen, die Überwachung der Artenvielfalt, Wissensvermittlung über Landnutzungspläne und Umweltschutz. Journalisten und Gemeindegruppen werden über nachhaltige Entwicklung aufgeklärt. Die Presse wird ermuntert, mehr über Umweltverbrechen zu berichten.
  • In ausgewählten Dörfern wird ein Pilotprojekt der Grünen Wirtschaft (Microhydro in Kaltara) bis Dezember 2017 etabliert. Schon bestehende Kleinstwasserkraftwerke werden von den Bewohnern selbst gemanagt. Sie ermitteln ihren Energiebedarf. Sie überlegen, wie das Einzugsgebiet der Flüsse geschützt werden kann. Dazu sind Training und Auswahl von Verantwortlichen notwendig. Die Dorfgemeinschaft erkennt: Strom wird nur geliefert, wenn auch der Wald erhalten bleibt, denn sonst wäscht das Wasser so viel Erde in den Fluss, dass er verlandet – das Ende der Wasserkraft. Soziale und Umwelt-Risiken für geplante Großwasserkraftwerke werden ebenfalls analysiert.

Erste Erfolge dank Ihrer WWF-Spende

Unterstützen Sie den Naturschutz und die Dayak © Christian Plaep / WWF
Unterstützen Sie den Naturschutz und die Dayak © Christian Plaep / WWF

Und das haben wir bereits erreicht: Das Parkmanagement läuft, die Dayak sind maßgeblich beteiligt, ihre Interessen vertritt die indigene Allianz FOMMA. Auch bei der Grenzziehung und Zonierung des Nationalparks waren die Gemeinden von Anfang an dabei, so wird Akzeptanz geschaffen – ein damals neuer Schritt in ganz Indonesien. Patrouillen und Überprüfung von Satellitendaten vor Ort helfen, weiteren Waldverlust zu verhindern. Mit der eingeführten organischen Landwirtschaft wurden neue Einkommen in den Gemeinden geschaffen. Der Distrikt Malinau bekennt sich schon zur Grünen Wirtschaft – mit erneuerbaren Energien und Ökotourismus als Wirtschaftsfaktoren.

Mit nur 30 Euro im Monat können Sie mithelfen, die Regenwälder Borneos zu retten. Sie erleben mit, wie Dank Ihrer Hilfe die indigene Dayak-Bevölkerung langfristig ihre Lebensgrundlage sichern kann und der Wald erhalten bleibt. Das ist konkreter Naturschutz. 

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