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Stand: 04.05.2016

Zerweliner Heide

Die „Zerweliner Heide“ in der brandenburgischen Uckermark bietet dem WWF die Gelegenheit mitten in Deutschland Wildnis neu entstehen zu lassen: Urwälder von morgen, unberührte Seen und wertvolle Moore. Fast 800 Hektar äußerst wertvolle Naturschutzflächen erhielt der WWF als Teil des Nationalen Naturerbes vom Bund. Doch mit der Übernahme der Flächen ist es nicht getan: In einem Teil des Gebiets müssen naturferne Nadelbaumforste Stück um Stück beseitigt werden und es kommen umfangreiche Folgekosten auf den WWF zu.

Zerweliner Heide © Albert Wotke / WWF
Zerweliner Heide © Albert Wotke / WWF

Über 98 Prozent der Wälder in Deutschland sind Wirtschaftswald, angepflanzt zur Holzproduktion und regelmäßig „geerntet“ – lange vor Erreichen der natürlichen Altersgrenze. Viele Flächen werden außerdem von standortfernen Nadelforsten oder von nichtheimischen Baumarten wie der nordamerikanischen Douglasie dominiert. Aber auch dort, wo der Förster diejenigen Baumarten wachsen lässt oder anpflanzt, die von Natur aus dort vorkämen, fehlen weitestgehend die ökologisch so wichtigen Zerfalls- und Sterbephasen des Waldes. Stehendes und liegendes Totholz bietet tausenden Insekten- und Pilzarten hochspezielle Lebensräume. Wenn so ein alter Riese fällt, dringt wieder Licht an den Waldboden, üppiges Pflanzenwachstum stellt sich ein, Sämlinge entwickeln sich in Jahrzehnten wieder zu stattlichen Bäumen. In einem Urwald werden nicht alle Bäume zur gleichen Zeit alt, sondern formen ein buntes Mosaik der Generationen: Der alte Höhlenbaum neben mit Gräsern, Kräutern und Moosen bewachsenen Lichtungen, das stehende Totholz neben Bäumen in der Blüte ihrer Jahre.

Zerweliner Heide © Albert Wotke / WWF
Zerweliner Heide © Albert Wotke / WWF

In der Zerweliner Heide befinden sich schon jetzt uralte Wälder (wenn auch noch keine Urwälder), unberührte Seen und wertvolle Moore. Kennzeichnend und besonders für das Gebiet sind die teilweise über 200 Jahre alte Tieflandbuchenwälder, die etwa 143 Hektar bestocken, sowie Eichenwälder, Bruchwälder und Moorwälder. Alte Buchenwälder sind in Deutschland extrem selten, nur zwei Prozent der Fläche wird von Wäldern älter als 180 Jahren bedeckt. Besonders wichtig für den Naturschutz sind die Alters- und Zerfallsstadien der Wälder. Ein großer Teil des Gebietes wird bereits jetzt sich selbst überlassen und darf ein „Urwald von morgen“ werden, in anderen Bereichen entfernt der WWF über einen begrenzten Zeitraum standortfremde Nadelbäume.

Viele seltene und geschützte Arten wie Rotmilan, Kranich, Fischotter oder Sumpfschildkröte bewohnen das Gebiet. Von besonderer Bedeutung sind auch die als FFH-Gebiet ausgewiesenen Bunker, die Fledermausarten wie Mopsfledermaus, Braunes Langohr, Fransen-, Zwerg- und Breitflügelfledermaus beherbergen. Die vorhandenen Fledermausquartiere werden langfristig geschützt und wo möglich optimiert. Zum Erhalt und zur Entwicklung günstiger, artspezifischer Habitatbedingungen für Seeadler, Fischadler, Schreiadler, Schwarzstorch und für weitere seltene und schützenswerte Tier- und Pflanzenarten werden gezielte Biotopschutzmaßnahmen durchgeführt.

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