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Chinas Probleme, Chinas Potenziale

In einem gewaltigen Entwicklungssprung hat das „Reich der Mitte" die Industrialisierung der westlichen Welt perfekt nachgeahmt – mit all ihren Fehlern. China ist dabei, die USA als größten CO2-Verursacher abzulösen, holzt nach Regierungsangaben 25 Millionen Bäume pro Jahr allein für Einweg-Essstäbchen ab, ist der größte Konsument für Produkte aus bedrohten Arten und entsorgt laut der chinesischen Akademie der Wissenschaften im Fluss Jangtse jährlich 14 Milliarden Tonnen Abfall. Zugleich ist China eines der artenreichsten Länder der Erde mit einer faszinierenden Natur und einer immer aktiveren Umweltschutzbewegung.

Shanghai, China. © Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK
Shanghai, China. © Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK

Lagebericht aus dem bevölkerungsreichsten Land der Erde

Der Himmel über Peking ist grau und die Luft schwer von Abgasen, Ruß und Staub. In wenigen Jahren hat sich die Zahl der motorisierten Fahrzeuge auf Pekings Straßen verdoppelt, zweieinhalb Millionen Autos verpesten die Luft der 15-Millionen-Riesenstadt. Laut chinesischer Statistik verursacht die städtische Luftverschmutzung jährlich mehr als 400.000 vorzeitige Todesfälle.

 

Die dicke Luft ist nur eine von vielen Hiobsbotschaften von Chinas Umweltfront: Sinkende Grundwasserspiegel, verseuchte Flüsse, schwindender Lebensraum für Chinas reiche Tier- und Pflanzenwelt sind weitere. Unterdessen wächst Chinas Wirtschaft konstant, 2005 erneut um 9,9 Prozent. China, fast 27mal größer als Deutschland, verbraucht mehr Stahl, Kohle, Zement, Getreide oder Düngemittel als jede andere Nation der Erde und rangiert beim Verbrauch von Öl und beim Ausstoß von Treibhausgasen gleich nach den USA auf Platz 2.

Der ökologische Fußabdruck Chinas hat sich seit den 1960er Jahren verdoppelt. Inzwischen verbraucht die Volksrepublik China zweimal mehr Ressourcen, als nachhaltig wäre. Dennoch fällt der ökologische Fußabdruck jedes einzelnen der 1,3 Milliarden Chinesen bescheiden aus – verglichen mit den Nachbarn in Japan, uns Deutschen oder gar den USA. Nur einer von 70 Chinesen besitzt ein Auto, im Westen ist jeder Zweite motorisiert.

 

Umweltschutz wird immer wichtiger

Seit das Ausmaß und die Folgen der Umweltschäden nicht mehr zu übersehen sind, steht das Thema Umweltschutz bei der chinesischen Regierung ganz oben auf der Agenda. Die neue Regierung hat das Schlagwort von der „harmonischen Gesellschaft“ geprägt. Der Reichtum soll besser verteilt,  und die wirtschaftliche Entwicklung umweltverträglich werden. Keine einfache Aufgabe: China hat 22 Prozent der Weltbevölkerung zu ernähren – und das mit äußerst knappen Ressourcen. Das Land verfügt nur über neun Prozent der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche und sechs Prozent der Süßwasservorräte.

Da ist es eine Riesenleistung, dass in den letzten 30 Jahren 200 Millionen Menschen aus akuter Armut befreit wurden und sich die Lebensbedingungen zunehmend verbessern.  Trotzdem darf man nicht vergessen, dass in China noch immer Millionen Menschen arm sind und keinen Zugang zu sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und höherer Bildung haben.

 

Sonne, Wind und Biomasse

Ein solides Wirtschaftswachstum galt lange als Garant  für die politische Stabilität des Landes. Inzwischen wird deutlich, dass der Umweltschutz genauso wichtig für den sozialen Frieden ist. Einige Ökonomen in China schätzen, dass sich die Umweltschäden des Landes mittlerweile auf acht bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts belaufen. Die Regierung in Peking hat daher den Umweltschutz im neuen Fünfjahresplan fest verankert. Vor allem im Bereich Energie sind konkrete Maßnahmen geplant. Zwar wird sich Chinas Abhängigkeit von der Kohle nicht über Nacht ändern. Zwei Drittel der Gesamtenergie kommen heute aus Kohlekraftwerken. Aber die sollen nun sauberer und effizienter werden.

 

Anfang 2006 trat ein Gesetz in Kraft, das den Anteil erneuerbarer Energien aus Sonne, Wind und Biomasse bis 2020 auf 15 Prozent erhöhen soll. Außerdem wurde ein Vertrag über einen Windpark zur Energiegewinnung für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking mit deutschen Partnern unterschrieben.

 

Dass sich der Zustand der Umwelt trotzdem verschlechtert, liegt auch an der Dezentralisierung und Korruption im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Allzu oft scheren sich die Provinzverantwortlichen nur wenig um die Gesetze aus Peking und drücken beide Augen zu, wenn eine Fabrik ihr Abwasser in den Fluss kippt. Das Beurteilungssystem zur Beförderung innerhalb der Partei belohnte bisher vor allem die Kader, die Erfolge beim Wirtschaftswachstum aufzuweisen hatten. Mit dem grünen Bruttosozialprodukt sollen nun auch Umweltkriterien in diese Bewertung einfließen.

 

Grünes Bruttosozialprodukt

Propagiert wird dies vor allem vom Umweltministerium. Selbst in westlichen Medien hat Vizeumweltminister Pan Yue mit seinen mutigen Vorstößen Aufsehen erregt. So hat er 2005 dreißig Großprojekte stoppen lassen, die sich um die vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung gedrückt hatten.

Zugleich steckt Chinas Umweltszene noch in den Kinderschuhen. Mitte der neunziger Jahre entstanden in Peking die beiden ersten unabhängigen Gruppen.  Heute gibt es mehrere tausend Umweltorganisationen im ganzen Land. Die Arbeit der NGOs ist vor allem deshalb schwierig, weil ihre Handlungsspielräume nicht definiert sind. Mitgliederwerbung und Spenden sammeln zum Beispiel sind nicht erlaubt. 

 

Finanziert wird der WWF China daher von WWF-Büros im Westen, vor allem aus Großbritannien, den Niederlanden und den USA. Aber auch aus Deutschland fließen Mittel. Die Wirtschaft ist ein wichtiger Partner des WWF, nicht nur für die Finanzierung von Projekten. Schon heute erwirtschaften private Firmen in China mehr als die Staatsbetriebe und bestimmen wesentlich darüber, ob sich Chinas Ökonomie nachhaltig entwickelt.

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