WWF Deutschland

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Stand: 21.04.2016

Ein Naturparadies im Herzen Deutschlands

Seit 2001 engagiert sich der WWF an der Mittleren Elbe. Es ist das größte Projekt des WWF in Deutschland. Mit dem durch die EU geförderten "Life+ Projekt" in den Elbauen bei Vockerode wird dieses Engagement in dem Natura 2000-Gebiet erweitert.

Das rund 800 Hektar große Projektgebiet liegt im Biosphärenreservat Mittelelbe zwischen Dessau und Vockerode in Sachen-Anhalt und ist wesentlicher Bestandteil des einzigartigen Weltkulturerbes „Gartenreich Dessau-Wörlitz“. Hier gibt es noch Auenwälder und Auewiesen mit ihren Solitäreichen und den Altarmen des Elbelaufs – Lebensraum und Rückzugsmöglichkeit für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Das ganze Gebiet ist geprägt durch das Hochwasserregime der Elbe und der Mulde. 

Hier will der WWF mit seinen Projektpartnern bis 2018 den Erhaltungszustand der einzigartigen Flusslandschaft aufwerten und langfristig sichern. Dabei werden ökologisch-naturschutzfachliche Gesichtspunkte mit dem Ziel einer nachhaltigen Flussgebietsentwicklung und Auendynamik verbunden. Außerdem sollen Hochwasserrückhalteflächen geschaffen und ehemalige Überflutungsflächen zurückgewonnen werden.

Video: Arbeiten im Projektgebiet

App "Biosphärenreservat Elbe"

Lernen Sie mit dieser App das EU LIFE+ Projekt "Elbauen bei Vockerode" des WWF näher kennen. Auf einem 4,2 Kilometer langen Rundweg erfahren Sie an über 14 Stationen alle Details und Wissenswertes zum Projekt.

© Bernd Eichhorn / WWF
© Bernd Eichhorn / WWF

Die wichtigsten Projektvorhaben sind:

1. Erwerb der Ackerflächen im derzeitigen Polder und deren Umwandlung in Auengrünland (u.a. Brenndolden-Auenwiesen);

2. Wiederbewaldung von 10 Hektar Ackerfläche zu naturnahem, sehr lichtem Auenwald unterschiedlicher Waldgesellschaften für licht- und wärmebedürftige Käfer- und Schmetterlings-Arten (beispielsweise Heldbock, Eremit, Hirschkäfer);

3. Umwandlung von Waldbeständen, welche aus nicht heimischen Baumarten bestehen (Rotesche und Hybridpappel) in standortgerechte Wälder;

4. Schaffung von Feuchtgebieten innerhalb des heutigen Polders als auch im Bereich der künftigen Schlitzung des Gatzer Bergdeiches zur Förderung bestimmter Amphibien (etwa der Rotbauchunke) und Vogelarten (wie dem Kranich);

5. Tieferlegung eines verlandeten Altarmes zur Schaffung einer größeren, nahezu ganzjährigen Wasserfläche und damit eine Verbesserung des Lebensraumes für Fisch- und Seeadler, Rot- und Schwarzmilan, aber auch für verschiedene Fischarten, wie Schlammpeitzger oder Amphibienarten wie Rotbauchunke;

6. Zur Information der Gebietsbesucher wird ein Auenlehrpfad angelegt.

 

Durch den Projektpartner Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) werden parallel folgende Maßnahmen durchgeführt:

1. Schlitzung des „Gatzer Bergdeiches“, auch „Vasenwall“ genannt, und damit Schaffung eines zusätzlichen natürlichen Hochwasserrückhalteraumes von einer Größe von 212 Hektar als Vorhaben der Hochwasserschutzkonzeption Land Sachsen-Anhalt;

2. Ertüchtigung des bestehenden Autobahndammes der A9.  

Abziehendes Hochwasser von der Ackerfläche im LIFE+ Projektgebiet, Juni 2013 © WWF
Abziehendes Hochwasser von der Ackerfläche im LIFE+ Projektgebiet, Juni 2013 © WWF

Ein Projekt dieser Größe kann nur durch die Zusammenarbeit vieler Projektpartner realisiert werden. Als (Haupt-)Projektpartner konnte der WWF Deutschland den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) und die Biosphärenreser- vatsverwaltung Mittelelbe gewinnen, die sich auch mit eigenen finanziellen Beiträgen an der Umsetzung beteiligen. Weitere wichtige Projektpartner sind die Kulturstiftung DessauWörlitz, welche über die davon betroffenen Auenwälder verfügt, die Gemeinde Vockerode, die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, die Agrargenossenschaft Wörlitz eG, der Landkreis Wittenberg und die Stadt Dessau-Roßlau. 

Bevorstehende Veranstaltungen

04. Juni 2016: Zwischen Dianenwall und Vasenwall – eine Fahrradexkursion ins WWF LIFE+ Projektgebiet „Elbauen bei Vockerode“

Begleiten Sie unsere WWF-Mitarbeiterin Carola Schuboth bei einer Radtour durch das WWF LIFE+- Projektgebiet „Elbauen bei Vockerode“. Die ca. 30 km lange Tour führt uns durch die abwechslungsreiche Landschaft des Biosphärenreservates Mittelelbe. Inmitten der Tier- und Pflanzenwelt der Überflutungsaue von Elbe und Mulde entdecken wir mit ein wenig Glück den Elbebiber. Die Natur wurde hier vielerorts „verschönert“. Unser Weg führt uns in den Sieglitzer Park, Bestandteil des historischen Kulturlandschaftsraums im Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz. Nichts davon kommt zu Schaden, aber vieles neu zu Geltung, wenn in diesem einzigartigen Landschaftskunstwerk Überflutungsflächen gewonnen und Auenlebensräume wiederhergestellt werden. Überzeugen Sie sich. Mittags stärken Sie sich mit der regionalen Spezialität, dem Elbeburger. Dazu gibt es Informationen über einige typische Produkte der Region.
Treffpunkt: City-Pension, Ackerstraße 3A, 06842 Dessau-Roßlau
Beginn: 10:00 Uhr (Anmeldung erforderlich)

05. November 2016: Zwischen Dianenwall und Vasenwall
Die Herbstwanderung führt durch das Projektgebiet LIFE+ „Elbauen bei Vockerode“, eines großen Auenrenaturierungsvorhabens des WWF Deutschland inmitten des Gartenreichs Dessau-Wörlitz. Die Landschaft zwischen Dianenwall und Vasenwall hat sich seit 2010 sichtbar verändert. Die Elbe hat Überflutungsflächen zurückbekommen und neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die an die extremen Bedingungen in der Aue angepasst sind, ist entstanden.
Treffpunkt: Vockerode, Parkplatz am Ortseingang aus Richtung Dessau
Beginn: 10:00 Uhr

Aktuelles aus dem Projekt

Ausstreuen des Spendermaterials © WWF
Ausstreuen des Spendermaterials © WWF

Umwandlung von Acker in Auenwiesen
Ab Oktober 2013 begann die schrittweise Umwandlung von ca. 45 ha Ackerfläche in Auengrünland. Dazu werden die Offenlandflächen, die der WWF D im Rahmen der Umsetzung des LIFE+ Projektes zum überwiegenden Teil erworben hat, der ackerbaulichen Nutzung entzogen und mit Saatgut von Gräsern und Kräutern bestückt. Dieser Prozess wurde auch im Jahr 2015 fortgeführt. Bis zum Herbst 2015 konnten ca. 35 ha umgewandelt werden. Im Jahr 2016 soll er beendet werden. Das bedeutet, dass ab Herbst 2016 die gesamte Offenlandfläche für eine hochwasserverträgliche und auentypische Nutzung umgewandelt ist.

Ziel des Umwandlungsprozesses von Acker in Grünland ist es, Wiesen mit auentypischen Pflanzengesellschaften zu entwickeln. Grünlandflächen mit artenreichen Pflanzenbeständen der Lebenstraumtypen (LRT) 6440 (Brenndolden-Auenwiesen) und 6510 (Magere Flachlandmähwiesen) befinden sich im Projektgebiet LIFE+ „Elbauen bei Vockerode“ und unmittelbar angrenzend. Nur kurze Strecken sind bis zur umzuwandelnden Ackerfläche zurückzulegen. Diese grundsätzlich günstigen Voraussetzungen führten zu Überlegungen einer Nutzung der umliegenden wertvollen Grünlandbestände als Samenspender.

Das außergewöhnlich lang anhaltende Hochwasser vom Juni 2013 beeinflusste jedoch die Pflanzenentwicklung auf den Spenderflächen sowohl im Jahr des Extremhochwassers als auch in den Folgejahren. Die charakteristischen Pflanzen waren nur spärlich ausgebildet, so dass nur wenige Grünlandflächenbereiche beerntet werden konnten. Daher wurden weitere Grünlandflächen in wirtschaftlicher Reichweite, die nicht im Spenderflächenkataster des Landes Sachsen-Anhalt enthalten sind, untersucht, geeignete Bereiche ausgewählt und genutzt.

Die Gräser und Kräuter von den Grünlandspenderflächen werden mit spezieller Technologie geerntet und auf dem Acker auf mehrere kleine Flächen verteilt. Von diesen Initialen wird erwartet, dass sich über die natürliche Samenverbreitung im Laufe der Jahre charakteristische Auenwiesen entwickeln können. Für die Grünlandinitiierung kamen daneben zertifizierte Samenmischungen für Stromtalwiesen zur Anwendung. Das Mosaik der aktiv und schrittweise mit unterschiedlichen Samenmaterialien und –mischungen bestückten Teilflächen wurde und wird durch Bereiche für eine Selbstbegrünung ergänzt.

Die nachfolgenden Pflegemaßnahmen sind langfristig entscheidend für den Entwicklungsprozess vom Grünland zur reichblühenden Auenwiese. Sie beinhalten eine Förderung der Entwicklung der auentypischen Gräser und Kräuter bei gleichzeitiger Verhinderung eines massiven Ausbreitens konkurrierender Ackerwildkräuter. Diese Pflegemaßnahmen werden mechanisch und angepasst auf die unterschiedlichen Entwicklungsphasen der einzelnen Pflanzenbestände durchgeführt.


Mahdgutübertrag: Gräser und Kräuter ausgewählter Bereiche der Grünlandspenderflächen werden im Samenstadium in einem Arbeitsgang gemäht, zerkleinert und in einem Mähcontainer gesammelt. Anschließend erfolgt das Verladen des Pflanzenmaterials auf einen Dungstreuer, um es auf der Ackerfläche gezielt zu verteilen. Nach dem Ausstreuen der Samenspender wird die Fläche angewalzt.


Monitoring und Erfolgskontrolle der Grünlandentwicklung: Die Grünlandentwicklung wird durch die Hochschule Anhalt begleitet. Monitoring und Erfolgskontrolle umfassen auch die Auswahl der Spenderflächen, die Dokumentation der einzelnen Begrünungsschritte und Empfehlungen für die Verwendung von Samenmischungen und die optimale Entwicklungspflege.

Aufforstungsfläche mit Wildrettungshügel © WWF
Aufforstungsfläche mit Wildrettungshügel © WWF

Umwandlung von Ackerland in Hartholzauenwald 
Zeitlich parallel laufend zur Umwandlung von Acker in Auengrünland wurden ab Oktober 2013 erste Maßnahmen zur Entwicklung eines Auenwaldes umgesetzt. Ziel ist es Voraussetzungen zu schaffen, damit sich auf 7 ha Ackerfläche ein für die Flussauenlandschaft des Biosphärenreservats Mittelelbe typischer Hartholzauenwald entwickeln kann. Eine Waldentwicklung hin zu einem typischen Hartholzauenwald mit standortheimischen Baumarten auf natürlichem Wege, d.h. durch eigenständige Verjüngung und Verbreitung der heimischen Baumarten dauert viele, viele Jahre. Um dies zu beschleunigen wurden unterstützend Initialpflanzungen vorgenommen. Besonderer Wert wurde und wird dabei auf die Verwendung von Saat- und Pflanzgut heimischer Baumarten gelegt. Gleichzeitig kann die Entwicklung der für die Region typischen Stieleichen gefördert werden.

Auf einem Teil der vom WWF erworbenen Ackerfläche wachsen seit 2013 bereits die Hauptbaumarten der Hartholzaue Stieleiche, Feld- und Flatterulme, Gemeiner Esche und Wildobst. Inzwischen haben sie ihre Größe von 50 bis 80 cm zur Pflanzzeit deutlich überschritten. Auf einer weiteren Fläche wachsen vorerst nur Stieleichen, die mit derzeit ca. 30 cm noch sehr klein sind. Diese „Bäumchen“ haben sich aus gesäten Eicheln entwickelt, die von gebietsheimischen Alteichen gesammelt wurden. Über 300 Jahre alte Stieleichen sind zumeist als Solitäre auf Auenwiesen und in den Auenwäldern des Gartenreichs Dessau-Wörlitz noch zu finden. Ihr Erbgut bleibt in den jungen Bäumen der Auenwaldbegründungsflächen erhalten. Gleiches trifft für das Wildobst zu, aus deren Früchten nun junge Wildapfel- und -birnenbäume wachsen. Alle Initialmaßnahmen wurden mit einem Zaun geschützt und bedürfen in der Anwuchsphase einer Pflege bis die jungen Bäume groß genug sind sich gegen den Licht- und Platzbedarf der konkurrierenden Acker-Wildkräuter zu behaupten und Wildverbiss zu tolerieren.

Weitere Aufforstungen folgten im Spätherbst 2015 nachdem die vorgesehene Fläche von den letzten Erdmassen für eine Verbauung am Autobahnfuß beräumt wurde. Das Bild der Aufforstungsfläche enthält nun eine weitere Pflanzvariante. Der überwiegende Teil der jungen Bäume steht für eine wirtschaftliche Pflege in Reihe. Auf einer weiteren Fläche fallen deutlich die vielen Plastikhüllen auf, in denen die jungen Bäume „versteckt“ wurden. Die biologisch abbaubaren Wuchshüllen schützen die jungen Bäume vor Verbiss und stehen truppweise verteilt auf der Fläche. Alle Aufforstungsteilflächen enthalten entlang des Wirtschafts- und Radweges einen 15 m breiten Streifen, in dem sich aus den gepflanzten heimischen Sträuchern ein stufiger Waldrand entwickeln kann.

Die Initialmaßnahmen zur Entwicklung eines Hartholzauenwaldes sind im Wesentlichen abgeschlossen. Es wird erwartet, dass sich nach der Anwuchspflege die Begleitbaumarten der Hartholzaue wie Feld- und Bergahorn, Winterlinde und Hainbuche und auch Straucharten aus den angrenzenden Auenwaldbeständen natürlich verjüngen und selbst einbringen. Ein Monitoring wird die Entwicklungen der unterschiedlichen Waldbegründungsmaßnahmen bei gleichen standörtlichen Voraussetzungen dokumentieren.

Waldumwandlungsmaßnahmen
Die Waldumwandlungsmaßnahmen, d.h. der Umbau von Beständen mit nichtheimischen Baumarten in standortheimischen Hartholzauenwald, begannen schon im Jahr 2010 und wurden sukzessiv bis 2015 fortgeführt. Durch die flächige Entnahme von Hybridpappeln entstanden Auflichtungen, die mit Baumarten der Hartholzaue bepflanzt wurden. Mit den Pflanzungen im Spätherbst 2015 sind die Waldumwandlungsmaßnahmen nun im Wesentlichen abgeschlossen.

Auch die Aufwertung und Anpassung von Beständen im vorhandenen Waldgebiet der erweiterten Überflutungsfläche konnte im Spätherbst 2015 mit Pflanzungen von Stieleiche, Flatterulme und z.T. Winterlinde zum Abschluss gebracht werden. Unter Berücksichtigung eines Anteils an Alt- und Totbäumen der Hauptbaumarten und der aufkommenden Naturverjüngung wurden auf weiteren 15 ha Waldwirtschaftsfläche ausgewählte Bereiche aufgelichtet und gezielt bepflanzt.

Alle Pflanzmaßnahmen unterliegen einer dreijährigen Anwuchspflege.

Einrichtung eines Auenlehrpfades
Die abwechslungsreiche Landschaft des LIFE+ Projektgebiets inmitten des UNESCO-Welterbes Gartenreich Dessau-Wörlitz und des Biosphärenreservats Mittelelbe bietet sich an, die durchradelnden Besucher über die Pflanzen- und Tierwelt und die umgesetzten und sich entwickelnden Maßnahmen vor Ort zu informieren. Dazu ist ein Lehrpfad in Bearbeitung. Drei Tafeln werden die Einzigartigkeit der Auenlandschaft und die wesentlichen Umsetzungsmaßnahmen im Rahmen des LIFE+ Projekts vorstellen. Für weitere Informationen und Darstellungen ist eine App in Bearbeitung, die im Frühjahr 2016 mit Beginn der Radfahrersaison freigeschaltet werden wird.

Verstärkter Böschungsfuß an der BAB 9 mit Verteidigungsweg © WWF
Verstärkter Böschungsfuß an der BAB 9 mit Verteidigungsweg © WWF

Erster Bauabschnitt für einen hochwassersicheren Ausbau der Bundesautobahn 9 wurde vollendet
Im Zusammenhang mit dem LIFE+ Projekt „Elbauen bei Vockerode“ hatte der Projektpartner Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) im Juli 2014 Arbeiten zum hochwassersicheren Ausbau der vorhandenen Bundesautobahn 9 beauftragt. Der erste Bauabschnitt umfasste die Verstärkung des Böschungsfußes der Autobahntrasse im Bereich der noch als Acker genutzten offenen Fläche sowie die Sicherung der Durchlässe für Wasser, Amphibien und Wild. Diese Bauarbeiten wurden im Juli 2015 abgeschlossen.

Zweiter Bauabschnitt für einen hochwassersicheren Ausbau der Bundesautobahn 9 wurde begonnen – Sanierung Dianenwall
Der zweite Bauabschnitt umfasst die Sanierung des Dianenwalls westlich der BAB 9: die land- und wasserseitige Verstärkung des Deichfußes am Dianenwall auf jeweils ca. 140 m Länge westlich der Elbbrücke, die Herstellung eines Unterhaltungsweges von der Elbbrücke bis zum Wallwachhaus Dianentempel und die Erneuerung der Deichkrone von der Elbbrücke bis zu den Skulpturen durch Schotterrasen. Des Weiteren wird landseitig ein Deichunterhaltungs- und –verteidigungsweg von 3 m Breite angelegt, der auf dem 5 m breiten Deichschutzstreifen verläuft. Der Deichschutzstreifen, bisher reine Grünfläche, erhält in Wegbreite eine befahrbare Oberfläche in Form von Schotterrasen.

Baubeginn für die Sanierung des Dianenwalls war Anfang November 2015 mit archäologischen Suchschachtungen. Die Bauarbeiten sollen im Sommer 2016 fertig gestellt werden.

Öffnung des Vasenwalls am Kolk © WWF
Öffnung des Vasenwalls am Kolk © WWF

Der Vasenwall ist offen
Der Vasenwall, der sich durch das LIFE+ Projektgebiet schlängelt und bisher den nahegelegenen Ort Vockerode vor Überflutung schützte, ist für Hochwasser aus Elbe und Mulde kein Hindernis mehr. Schon mittelgroße Hochwasser können sich nun auf einer zusätzlichen Fläche von 212 ha wieder auszubreiten. Dem Extremhochwasser im Juni 2013 konnte der Gatzer Bergdeich, auch „Vasenwall“ genannt, nicht mehr standhalten. Die Flut hatte den Deich an zwei Stellen durchbrochen, die gesamte Polderfläche geflutet und hinter dem Deich umfangreiche Auskolkungen entstehen lassen. Nun, nachdem die Autobahn in wesentlichen Bereichen gesichert wurde und die Trasse die Funktion des Hochwasserschutzes übernehmen kann, hat der LHW den Vasenwall an zwei Stellen „geschlitzt“, d.h. auf Geländeniveau abgetragen. Dabei blieben die durch Hochwasser entstandenen Auskolkungen erhalten. Ein grundlegendes Ziel des LIFE+ Projektes, die Rückgewinnung von ehemaligen Überflutungsflächen, konnte somit im Juli 2015 endgültig realisiert werden.

Parlamentarier besuchten am 29.04.2015 das LIFE+ Projektgebiet
Die Bundestagsmitglieder Steffi Lemke, Bündnis 90/Die Grünen und Rita Hagl-Kehl, SPD informierten sich am 29.04.2015 gemeinsam mit Vertretern von Institutionen, Vereinen und Verbänden im Biosphärenreservat Mittelelbe über das Gesamtkonzept Elbe sowie über Hochwasserschutz und Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Dabei wurden die aktuell laufenden und geplanten Projekte der Deichrückverlegungen Lödderitz, Vockerode und Klieken vorgestellt. Anschließend besichtigten die Vertreter der Parlamentarischen Gruppe „Frei fließende Flüsse“ und Gäste u.a. das LIFE+ Projektgebiet „Elbauen bei Vockerode“. Die Umsetzung des LIFE+ Projekts mit der Schaffung von ca. 210 ha zusätzlicher Überflutungsfläche verdeutlicht das Zusammenwirken von Erfordernissen eines nachhaltigen Hochwasserschutzes, des Naturschutzes, der Landwirtschaft und in diesem sensiblen Gebiet auch des Denkmalschutzes.

Tiefergelegter Altarm © WWF

Schaffung von Feuchtbiotopen und Tieferlegen eines verlandeten Altarms
Im Herbst 2014 wurden die größten baulichen Investitionen des LIFE+ Projekts „Elbauen bei Vockerode“ umgesetzt. Die Baumaßnahmen zur Schaffung von Feuchtbiotopen und das Tieferlegen eines verlandeten Altarms (Maßnahmen C6 und C7) konnten planmäßig Ende November beendet werden. Heute zeigt sich unmittelbar am Hochufer des Sieglitzer Berges eine wassergefüllte Flutrinne, in der sich offenkundig die Moorfrösche schnell wieder wohl fühlen. An der Stelle der reaktivierten Wasserrinne schlängelte sich vor 100 Jahren noch die Elbe vorbei, deren Lauf durch Menschenhand heute in mehr als 200 m Entfernung nur schwach erkennbar ist. Der hinterlassene Altarm verlandete und trocknete im Sommer meist aus. Das Entschlammen der Rinne erfolgte bis zu einer Tiefe, die möglichst eine ganzjährige Wasserführung ermöglicht. Eine direkte Anbindung an die Elbe wurde bewusst nicht hergestellt. Die Rinne wird aktiv mit Elbewasser befüllt, wenn der Wasserstand des Stromes 1,30 m seines mittleren Mittelwasserniveaus übersteigt. Daneben wurden mit dieser Maßnahme denkmalpflegerische Ziele verfolgt. Der auf dem Sieglitzer Berg vor ca. 250 Jahren entstandene gleichnamige Park wurde am Elbufer angelegt. Das Wasser war in den historischen Sichtbeziehungen integriert. Mit der Reaktivierung eines wasserführenden Altarms wurden naturschutzfachliche und kulturhistorische Zielsetzungen miteinander verbunden.


Die bei der Ausführung zur Tieferlegung des Altarms (Maßnahme C7) angefallenen Erdmassen wurden zur Aufschüttung eines Wildrettungshügels verwendet. Die Neuanlage des Rettungshügels ist eine notwendige Naturschutzmaßnahme, die wildlebenden Tieren trockene und ungestörte Rückzugsbereiche im erweiterten Überflutungsraum bei Hochwasser bietet. 


Zusätzlich entstand im Kerngebiet des LIFE+ Projektgebiets, auf der erworbenen Ackerfläche ein völlig neues Feuchtbiotop. Die Schaffung dieses Feuchtbiotops (Maßnahme C6) erfolgte im Zusammenhang mit den Ertüchtigungsmaßnahmen an der Bundesautobahn 9. Der Projektpartner LHW hat auf ca. 1 ha Fläche rd. 5.000 m³ Auelehm entnommen und zur Sicherung der Böschung der BAB 9 im Bereich der Ackerfläche verwendet. Die Bodenentnahme hinterließ eine Grube mit einer Tiefe von mehr als einem Meter, die nachfolgend im Auftrag des LIFE+ Projektträgers gestaltet wurde. Die Böschungen wurden abgeflacht und mittig eine Insel angelegt. Daneben, räumlich anschließend, wurden vorhandene Senken auf der Ackerfläche durch Oberbodenverschiebungen stärker ausgeprägt. 

Deichbruch am Gatzer Bergdeich © WWF
Deichbruch am Gatzer Bergdeich © WWF

In der Planung des LIFE+ Projekts „Elbauen bei Vockerode“ war die Schaffung eines Biotops im Zuge der Öffnung des Gatzer Bergdeiches oder Vasenwalls im Bereich des Durchflusses des Kloddegrabens vorgesehen (Maßnahme C9). Das Hochwasser im Juni 2013 hat genau an der geplanten Stelle von C9 einen Deichbruch verursacht und ein ausgespültes Wasserloch (Kolk) hinterlassen. Die Planungen für die Umsetzung dieser Maßnahme wurden im Laufe der Projektbearbeitung an die neuen Rahmenbedingungen angepasst, damit der wertvolle Kolk erhalten bleibt.

Bundesumweltminister informierte sich über Deichrückverlegung
Der Bundesumweltminister Peter Altmaier besuchte am 18. Juni 2013 das Projektgebiet. Gemeinsam mit dem Landesumweltminister Hermann Onko Aeikens informierte er sich über die Maßnahmen im Zuge der Deichrückverlegung. Weiterlesen >>

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