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Stand: 10.03.2017

Projektziele „Elbauen bei Vockerode“

Das LIFE+ NATUR-Projekt „Aufwertung und langfristige Sicherstellung im NATURA 2000- Gebiet Dessau-Wörlitzer Elbauen (Kurztitel „Elbauen bei Vockerode“) will beispielhaft beweisen, dass es gelingen kann, vorbeugenden Hochwasserschutz durch Gewinnung von Überflutungsflächen sowie durch Sicherung von Auenlebensräumen mit den Zielen von Naturschutz und Denkmalpflege zusammenführen.

© Karl Gutzweiler / WWF
© Karl Gutzweiler / WWF

Grundlegendes Ziel des LIFE+ Projektes ist die Rückgewinnung von ehemaligen Überflutungsflächen der Elbe. Die Deichtrasse wird an die BAB 9 verlegt, der Vasenwall geöffnet und eine 212 Hektar große Auenfläche wieder an das Überflutungsgeschehen angeschlossen. Bei der räumlichen Veränderung des Hochwasserschutzsystems bei Vockerode handelt es sich nicht nur um eine rein wasserwirtschaftliche Maßnahme. Darüber hinaus werden mit Erweiterung des Überflutungsgebietes über Jahrhunderte verlorengegangene überflutbare Auenlebensräume an der Elbe reaktiviert.

 

Mit der Öffnung des Vasenwalls und der damit verbundenen Rückgewinnung von Überflutungsflächen wird erst begonnen werden, wenn die BAB 9 für die zusätzliche Funktion als Hochwasserschutzdeich für die Ortslage Vockerode angepasst wurde. Zudem müssen diese Flächen durch gezielte Maßnahmen auf zukünftige Überflutungen vorbereitet werden. Die Waldbestände werden gezielt mit jungen überflutungstoleranten und standortheimischen Baumarten aufgewertet. Das Ackerland wird in Auengrünland mit FFH-Lebensraumgesellschaften und standorttypischen Auenwald umgewandelt und in das NATURA 2000 Netz integriert. Für deren Umsetzung und langfristige Sicherung soll die Ackerfläche, die sich zum überwiegenden Teil im Privatbesitz befindet, erworben werden.

 

Geplant ist überdies, Feuchtbiotope als Lebensräume für Amphibien sich entwickeln zu lassen. Dazu werden zwei Auengewässer neu entstehen. Ein verlandetes Altwasser in der Überflutungsaue der Elbe wird vertieft und erweitert.

 

Projektmaßnahmen (siehe auch Karte)

  1. Umwandlung von Ackerland
    Der Wiederanschluss an das Überflutungsgeschehen der Elbe und der Mulde wird die heutige Nutzungsform als Ackerland auf einer Fläche von etwa 60 Hektar nicht mehr gestatten. Aus diesem Grund soll diese Fläche durch den WWF erworben werden. Ein großer Teil davon wird in Auengrünland umgewandelt werden. Hierdurch wird es möglich, wertvolle und standorttypische Auenwiesen herzustellen. Dabei sollen die FFH-Lebensraumtypen 6430 „Feuchte Hochstaudenfluren“, 6440 „Brenndolden-Auenwiesen“ und 6510 „Artenreiche Mähwiesen des Flachlandes“ wieder geschaffen werden.  

  2. Wiederbewaldung und Waldrandgestaltung
    Auf rund 10 ha der vom WWF zu erwerbenden Ackerflächen ist eine Wiederbewaldung geplant mit der Zielsetzung, die Lebensraumtypen 91F0 und 91 E0* langfristig mit standortheimischen, seltenen Baum- und Strauch-Arten und einem lichten, artenreichem, stufigem Waldrand zu entwickeln. Für die Initialpflanzungen zur Wiederbewaldung werden Pflanzen aus Saatgut, welches in den Wäldern der Kulturstiftung DessauWörlitz gewonnen wurde, verwendet. Somit kann gewährleistet werden, dass ausschließlich heimisches, autochthones Pflanzmaterial im Maßnahmengebiet Verwendung findet. Die Lage der neuen Waldfläche orientiert sich an historischen Gegebenheiten um ~1700 (historischer Decker-Plan), die der Denkmalrahmenplanung des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches zu entnehmen ist.

  3. Waldumbaumaßnahmen von nicht standortheimischen Waldbeständen
    In Folge der früheren forstwirtschaftlichen Zielsetzungen kommen in den Wäldern des Maß­nahmengebietes Waldbestände der Baumarten Hybridpappel (verschiedene Sorten) und kleinflächig auch Bestände der amerikanische Rot-Esche (Fraxinus pennsylvanica) vor. Es ist vorgesehen, in diesen Beständen schirmartige Auflichtungen durchzuführen und sie anschließend mit standortheimischen Baumarten zu unterbauen. Sobald der Unterbau gesichert ist, kann eine weitere Auflichtung sowohl über Entnahme als auch über Totholz­anreicherung erfolgen. Als Fläche für diese Zielstellung sind 15 ha Hybridpappelbestand und 2 ha Bestand an amerikanischer Rotesche vorgesehen. Die Waldumwandlungs- und Renatuerierungs- Maßnahmen werden auf den Flächen der Kulturstiftung DessauWörlitz durchgeführt.

  4. Anlage von Feuchtbiotopen
    Die Anlage eines größeren Feuchtbiotops (rund 10 ha im Bereich der Ackerflächen) werden die Lebensbedingungen für die Amphibien mit besonderer Hinsicht auf die Rotbauchunke (1188) verbessern. Gleichzeitig soll das Biotop so gestaltet werden, dass es den Ansprüchen für einen potentiellen Brutplatz für Kraniche (A127) entspricht. Kranichbrutplätze sind bisher nur entlang der rechten Elbseite vorhanden und gelten als bestandsbegrenzend für die Population.
    Ein weiteres Feuchtbiotop, als potentieller Brutplatz für Kraniche, wird im Zuge der Öffnung des Gatzer Bergdeichs (Vasenwall) geschaffen werden.

  5. Tieferlegung eines verlandeten Altarms
    Ein verlandeter Altarm der Elbe soll an einigen Stellen so tief ausgebaggert werden, dass dort ganzjährige Wasserflächen entstehen. Hiervon werden Fisch- und Seeadler, Rot- und Schwarzmilan, verschiedene Fischarten und Amphibien profitieren.
Die aufgeführten Maßnahmen im Natura 2000 Gebiet „Dessau-Wörlitzer Elbauen“. © WWF
Die aufgeführten Maßnahmen im Natura 2000 Gebiet „Dessau-Wörlitzer Elbauen“. © WWFLupe
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