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Stand: 28.04.2017

Die Altdeichöffnung im Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe

Jetzt ist es endlich soweit: Der alte Deich wurde „geschlitzt“ und damit durchlässig gemacht. Das größte Naturschutzprojekt des WWF in Deutschland hat damit seinen entscheidenden Schritt gemacht.  Jetzt werden die Hochwasser der Elbe die Auenwälder des Lödderitzer Forstes wieder ganz natürlich überfluten können. Waldflächen werden dann weitgehend der natürlichen Entwicklung überlassen. 

Im Jahr 2001 startete der WWF mit seinem bisher größten Projekt in Deutschland. Mit der Schaffung und Sicherung eines durchgehenden Verbundes überflutbarer Auenwälder soll die einzigartige, auentypischen Tier- und Pflanzenwelt der Elbauen langfristig geschützt werden. Die wesentliche Maßnahme des Projektes ist die Deichrückverlegung im Lödderitzer Forst. Seit 2009 wurde ein ca. sieben Kilometer langer neuer Deich gebaut und inzwischen fertiggestellt. Durch die Öffnung des alten Deiches wird mit dem Lödderitzer Forst eine 600 Hektar große, wertvolle Auenwaldfläche wieder an die natürliche Überflutungsdynamik der Elbe angeschlossen.

„Nach 16 Jahren Projektlaufzeit und sieben Jahren Bauphase sind wir fast auf den Tag genau pünktlich fertig geworden“, freut sich Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz des WWF Deutschland über den großen Schritt für den Naturschutz.

Zurück zur Natur

Das Vorhaben im Einzelnen: Das Projektgebiet mit seiner abwechslungsreichen Naturlandschaft ist Teil des Biosphärenreservates Mittelelbe sowie des europäischen Schutzgebiets-Netzwerkes Natura 2000. Es umfasst einen besonders naturnahen und waldreichen Teil der Elbauen und formt einen wichtigen Lebensraum für eine Vielzahl auentypischer Tiere und Pflanzen. Viele Vogelarten nutzen es als Brut-, Rast- und Durchzugsgebiet. Unter der Leitung des WWF soll im Projektgebiet ein durchgehender, überflutbarer, etwa 2500 Hektar großer Auenwaldverbund geschaffen werden. Entlang der Elbe, zwischen Mulde- und Saalemündung wird ein von Auenwiesen und -wäldern geprägter Lebensraum für seltene Arten wie Moorfrosch, Mittelspecht, Eichenbock und dem Elbebiber gesichert und – wo nötig – renaturiert.

Moorfrosch © Bernd Eichhorn / WWF
Moorfrosch © Bernd Eichhorn / WWFLupe
Mittelspecht © Thomas Stephan / WWF
Mittelspecht © Thomas Stephan / WWFLupe
Heldbock © iStock / Getty Images
Heldbock © iStock / Getty ImagesLupe
Elbebiber © iStock / Getty Images
Elbebiber © iStock / Getty ImagesLupe

Naturschutzgroßprojekt „Mittlere Elbe“

Das Naturschutzgroßprojekt „Mittlere Elbe“ ist Teil des Förderprogramms „chance.natur - Bundesförderung Naturschutz“, mit dem der Bund seit mehr als 30 Jahren zur dauerhaften Erhaltung großflächiger und besonders wertvoller Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen beiträgt. Bei der finanziellen Förderung steuert der Bund über das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (vertreten durch das Bundesamt für Naturschutz) 75 Prozent bei, 15 Prozent der Kosten übernimmt das Land Sachsen-Anhalt und zehn Prozent der Projektträger WWF Deutschland.

Im 9050 Hektar großen Projektgebiet an der Mittleren Elbe in Sachsen-Anhalt renaturiert der WWF einen der größten zusammenhängenden Auenwaldkomplexe Deutschlands. Zur Verdeutlichung: Das beeindruckend große Gebiet erstreckt sich entlang von 33,5 Kilometern des Elbestroms. Zahlreiche Maßnahmen wurden im 5828 Hektar großen Kerngebiet des Projekts inzwischen umgesetzt:

  • Durch Kauf wurden wertvolle Flächen langfristig gesichert. Etwa 1300 Hektar Naturschutzflächen im Projektkerngebiet befinden sich inzwischen in WWF-Eigentum, größtenteils artenreiche Überschwemmungswiesen und -wälder.
  • Auengebiete wurden mit standortheimischen, hochwasserverträglichen Baumarten wiederbewaldet. In forstlich stark veränderten Wäldern wurde die Entwicklung von natürlichem Auenwald initiiert. Standortfremde Gehölze wie die Hybridpappel oder die amerikanische Rot-Esche wurden entfernt. Langfristig sollen diese Waldgebiete in den Prozessschutz übergehen, das heißt sie werden einer natürlichen Entwicklung überlassen. Das bedeutet: keine forstliche Nutzung mehr und Betreten nur auf ausgewiesenen Wegen!
  • Natürliche Flutrinnensysteme wurden in der Aue reaktiviert, indem Barrieren wie z. B. Querdämme geschlitzt und Forstwege „tiefergelegt“ wurden, damit das Wasser dort wieder frei fließen kann und auch entlegene Auenwinkel erreicht.
  • Durch das Schließen von Entwässerungsgräben wurden Gebiete wiedervernässt.
  • Gemeinsam mit den ansässigen Landwirten wird eine nachhaltige und naturschutzorientierte Bewirtschaftung des Auengrünlands angestrebt.
Flussauen und ihre Wälder können große Wassermengen auffangen und dienen so dem natürlichen Hochwasserschutz © Bernd Eichhorn / WWF
Flussauen und ihre Wälder können große Wassermengen auffangen und dienen so dem natürlichen Hochwasserschutz © Bernd Eichhorn / WWF

Natürlicher Hochwasserschutz

Die größte Maßnahme des Projektes ist die Rückverlegung des Hochwasserschutzdeiches am Lödderitzer Forst. Auf der etwa 600 Hektar großen Rückverlegungsfläche befinden sich Eichenbestände, die teilweise bis zu 250 Jahre alt sind. Der Wert des Lödderitzer Forstes läßt sich auch an seiner Geschichte ablesen: Erstmals wurden Teile des „Steckby-Lödderitzer Forstes“ bereits 1929 unter Schutz gestellt. Das 1961 ausgewiesene, gleichnamige Naturschutzgebiet wurde 1979 als eines der ersten Biosphärenreservate in Deutschland anerkannt und ist die Keimzelle des heutigen Biosphärenreservates Mittelelbe.

Hier wurde im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes seit Ende 2009 auf sieben Kilometer Länge ein neuer Deich gebaut. Der Deich, einschließlich eines mit ELER-Mitteln finanzierten Schöpfwerks, wurde im Jahr 2016 fertig gestellt. Auf ehemaligen Agrarflächen, die durch den neuen Deich Teil des Überflutungsbereiches geworden sind, wurden ab 2013 etwa zwölf Hektar neuer Hartholzauenwald gepflanzt. Seit 2016 laufen die Arbeiten zum Ausbau des landseitigen Entwässerungssystems auf Hochtouren – das Grabensystem hinter dem Deich wird im Hochwasserfall den Wasserstand der benachbarten Ortschaften und Agrarflächen regulieren. Somit kann das zusätzliche Wasser gezielt zum Schöpfwerk geleitet und dort zurück auf die wasserseitige Fläche, in die Überflutungsaue gepumpt werden.

Die Renaturierung des Lödderitzer Forstes ist ein Modellprojekt für den ökologischen Hochwasserschutz in Deutschland. Die Deichrückverlegung ist Teil der Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt und wird maßgeblich vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft unterstützt. 

Detaillierte Informationen zur Deichrückverlegung im Bereich Lödderitzer Forst finden Sie unter www.deich-loedderitz.info.

chance.natur - Bundesförderung Naturschutz / Land Sachsen-Anhalt
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