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Stand: 29.04.2016

Naturschutzprojekt Mittlere Elbe – Das größte Projekt des WWF

Im Jahr 2001 startete der WWF mit seinem bisher größten deutschen Projekt an der Mittleren Elbe. Bis 2018 soll zwischen Mulde- und Saalemündung ein durchgehender Verbund überflutbarer Auenwälder geschaffen und gesichert werden. Damit werden zugleich alle auentypischen Tier- und Pflanzenarten und ihre Gemeinschaft nachhaltig geschützt.

Winterhochwasser an der Elbe © Bernd Eichhorn / WWF
Winterhochwasser an der Elbe © Bernd Eichhorn / WWF

Am 2. November 2001 beauftragte der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin den WWF mit dem Naturschutzvorhaben: In dem 9.050 Hektar großen Projektgebiet in Sachsen-Anhalt renaturiert die Umweltstiftung seitdem einen der größten zusammenhängenden Auenwaldkomplexe Deutschlands. Zahlreiche Maßnahmen wurden im 5.828 Hektar großen Kerngebiet des Projekts vom WWF inzwischen umgesetzt, dazu gehören der Kauf und damit die langfristige Sicherung wertvoller Flächen, die Schaffung zusätzlicher Überflutungsbereiche, die Wiederbewaldung der Überflutungsgebiete mit standortheimischen, hochwasserverträglichen Baum-Arten sowie die Reaktivierung von Hochflutrinnen.

Das Naturschutzgroßprojekt „Mittlere Elbe“ ist Teil des Förderprogramms „chance.natur - Bundesförderung Naturschutz“, mit dem der Bund seit mehr als 30 Jahren zur dauerhaften Erhaltung großflächiger und besonders wertvoller Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen beiträgt. Bei der finanziellen Förderung steuert der Bund über das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (vertreten durch das Bundesamt für Naturschutz) 75 Prozent bei, 15 Prozent der Kosten übernimmt das Land Sachsen-Anhalt und zehn Prozent der Projektträger WWF Deutschland. Die Fördermittel wurden und werden für den Flächenankauf, für die Pflege- und Entwicklungsplanung und deren Umsetzung, die Deichrückverlegung im Lödderitzer Forst sowie für Personal- und Sachkosten verwendet. Drei Mitarbeiterinnen des WWF sind im Projektbüro in Dessau für die Koordination und das Projektmanagement verantwortlich.

Zurück zur Natur

Das Vorhaben im Einzelnen: Das Projektgebiet mit seiner abwechslungsreichen Naturlandschaft ist Teil des Biosphärenreservates Mittelelbe sowie des europäischen Schutzgebiets-Netzwerkes Natura 2000. Es umfasst einen besonders naturnahen und waldreichen Teil der Elbauen und formt einen wichtigen Lebensraum für eine Vielzahl auentypischer Tiere und Pflanzen. Viele Vogelarten nutzen es als Brut-, Rast- und Durchzugsgebiet. Unter der Leitung des WWF soll im Projektgebiet ein durchgehender, überflutbarer, etwa 2.500 Hektar großer Auenwaldverbund geschaffen werden. Entlang von etwa 33,5 Flusskilometern der Elbe wird ein von Auenwiesen und -wäldern geprägter Lebensraum für seltene Arten wie Elbebiber, Schwarzstorch, Mittelspecht und dem Eichenbock gesichert und – wo nötig – renaturiert.

Dazu wurden bisher etwa 1.244 Hektar (Stand Anfang 2016) Flächen erworben, größtenteils artenreiche Überschwemmungswiesen und -wälder. Das Auengrünland wird von den Landwirten nachhaltig und naturschutzorientiert bewirtschaftet. Zudem wurden Auenwälder umgestaltet, zum Beispiel durch die Entfernung standortfremder Gehölze wie der Hybridpappel, und neu begründet. Langfristig sollen diese Waldgebiete in den Prozessschutz übergehen, dass heißt sie werden einer natürlichen Entwicklung überlassen. Das bedeutet: keine forstliche Nutzung mehr und Betreten nur auf ausgewiesenen Wegen! Zur Reaktivierung von natürlichen Flutrinnensystemen wurden des Weiteren Querdämme geschlitzt und Waldwege tiefergelegt. Durch das Schließen von Entwässerungsgräben wurden Gebiete wiedervernässt.

Natürlicher Hochwasserschutz

Flussauen und ihre Wälder können große Wassermengen auffangen und dienen so dem natürlichen Hochwasserschutz. © Ralph Frank / WWF
Flussauen und ihre Wälder können große Wassermengen auffangen und dienen so dem natürlichen Hochwasserschutz. © Ralph Frank / WWF

Die größte Maßnahme des Projektes ist die Rückverlegung eines Hochwasserschutzdeiches. Im Bereich der Ortschaft Lödderitz bei Dessau wird in einem Abstand von bis zu 1750 Metern hinter dem derzeitigen Hochwasserschutzdeich auf sieben Kilometer Länge ein neuer Deich gebaut. Anschließend wird der alte Damm ‚geschlitzt‘ und damit durchlässig gemacht. Danach werden die Hochwasser der Elbe die Auenwälder des Lödderitzer Forstes wieder ganz natürlich überfluten können.

Auf der etwa 600 Hektar großen Rückverlegungsfläche befinden sich Eichenbestände, die teilweise bis zu 250 Jahre alt sind. Außerdem werden etwa zwölf Hektar neuer Hartholzauenwald gepflanzt. Die Waldflächen werden dann weitgehend der natürlichen Entwicklung überlassen.

Die Renaturierung des Lödderitzer Forstes ist ein Modellprojekt für den ökologischen Hochwasserschutz in Deutschland. Die Deichrückverlegung ist Teil der Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt und wird maßgeblich vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft unterstützt. Mit den vorbereitenden Arbeiten für die Deichrückverlegung wurde Ende 2009 begonnen.

Detaillierte Informationen zur Deichrückverlegung im Bereich Lödderitzer Forst finden Sie unter www.deich-loedderitz.info.

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