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„Wir können doch nicht für den Amazonas-Urwald kämpfen und direkt vor unserer eigenen Haustür machen wir ein Naturschutzgebiet kaputt.“

Biologe Rüdiger Ramm möchte Gänse, Enten, Seehunde und Schweinswale vor seiner Tür behalten.

Rüdiger Ramm liegt viel an der Elbe und ihrer Uferlandschaft, vor allem auch als Naherholungsraum. Er ist Biologe und arbeitet für den Verein zur Förderung von Naturerlebnissen in Stade. Hier soll die Elbe nicht nur um einen Meter vertieft werden, betont er: „In den Nachrichten wird immer erzählt, dass die Elbe nur um einen Meter vertieft wird, das ist aber nur der Hamburger Raum. Außerhalb Hamburgs, ab der Stadtgrenze Hamburgs wird die Elbe ja um anderthalb Meter bis zu 2,80 Meter vertieft.“

Containerschiffe in unmittelbarer Nähe der Seehunde © Rüdiger Ramm
Containerschiffe in unmittelbarer Nähe der Seehunde © Rüdiger Ramm

Sollte die Elbvertiefung kommen, sieht Rüdiger Ramm alles in Gefahr, was die Menschen hier vor Ort in den letzten 20 Jahren mühsam für Natur und Elbe erreicht haben. „Uns ist gelungen, dass die Elbe vom dreckigsten Fluss Europas endlich wieder zu einem Naherholungsgebiet geworden ist. Die Elbe ist wieder ein ökologischer Raum. Früher war das ein Wasserweg zwischen zwei Bundesländern, der fast tot war. Mittlerweile leben hier wieder Fische,  Seehunde wandern und manchmal findet man sogar einen Schweinswal in der Elbe!“

Freiburger Wall an der Elbe © Rüdiger Ramm
Freiburger Wall an der Elbe © Rüdiger Ramm

Ein großes Problem ist die stärkere Strömung, die eine Vertiefung der Elbe mit sich bringt. Dadurch wandert das Salzwasser aus dem Meer weiter Richtung Hamburg und verkleinert den Lebensraum der Fische. „Verschwindet der Fisch, verschwindet auch der Seehund, das hängt ja alles miteinander zusammen,“ erklärt Rüdiger Ramm.

 

Der Biologe macht sich außerdem ernsthaft Sorgen um das Grundwasser. Denn schon seit der letzten Elbvertiefung finden die Landwirte vor Ort in ihren Bewässerungsbrunnen Salz- statt Süßwasser. Durch die Strömung und den Schiffsverkehr kommt es außerdem entlang der Elbe zu Uferabbrüchen, und der Sand wird mehr und mehr abgetragen.

 

„Wir haben Uferregionen, die waren vor 60 Jahren Sandstrände. Heutzutage ist das ein reines Schlickwattgebiet. Auch die Inseln verändern sich immer weiter, und zwar seit der letzten Elbvertiefung. Vor allem die Geschwindigkeit hat zugenommen. Ufer, Wattgebiete und Priele verändern sich heute wesentlich schneller als früher. Wir sehen jetzt die Folgen der letzten Elbvertiefung. Es gibt ja alte Karten von vielen Gebieten: Während früher hauptsächlich bei schweren Sturmfluten Ufer wegbrachen, sind solche Uferabbrüche heute gang und gäbe.“ Das Ufer und die Flachwasserzonen der Elbe sind jedoch ein wichtiger Lebensraum für viele Tierarten wie zum Beispiel auch Gänse und Enten. Dieser Lebensraum geht durch die Folgen der Vertiefung nach und nach verloren. Vögel kommen schwieriger an Land, Laichgebiete für Fische fallen weg und die Qualität des Elbwassers leidet.

  • WWF-Info: Die Kraft des Wasser lässt Uferzonen bröckeln
  • Je tiefer die Elbe ausgebaggert wird, desto schneller fließt sie. Darunter leidet auch die Uferlandschaft und muss dann mit unnatürlichen Steinpackungen befestigt werden.
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Rüdiger Ramm warnt eindringlich, dass im Moment noch nicht einmal alle Folgen der letzten Elbvertiefung absehbar sind, da sich der Fluss und sein Ufer durch diesen Eingriff immer noch weiter verändern. Er wünscht sich, dass eine erneute Vertiefung nicht einfach über’s Knie gebrochen wird, sondern sich alle Parteien an einen Tisch setzen und endlich offen das Für und Wider diskutieren.

Karte Krabbenfischer Hans-Robert Hinners Werftbetreiber Volker Echtermeyer Biologe Rüdiger Ramm Elbanrainerin Inge Massow Obstbauer Hartwig Quast Elbfischer Lothar Buckow

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