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Die Folgen der Vertiefung für Fluss und Umwelt

Die Elbvertiefung ist beschlossene Sache. Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord in Kiel und die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation haben das Projekt genehmigt. Doch ob das umstrittene Vorhaben umgesetzt wird, ist fraglich. Denn WWF Deutschland, BUND und NABU klagen dagegen vor dem Bundesverwaltungsgericht. Welche ökologischen Folgen hätte ein endgültiges Ja zum Ausbau?

Zur Vertiefung der Elbe saugen Rohre staubsaugerartig Sediment vom Grund des Flusses - und mit ihm Krebstiere, Würmer, Schnecken oder Muscheln. © Bea Claus / WWF
Zur Vertiefung der Elbe saugen Rohre staubsaugerartig Sediment vom Grund des Flusses - und mit ihm Krebstiere, Würmer, Schnecken oder Muscheln. © Bea Claus / WWF

Zum neunten Mal sollen die Hopper-Baggerschiffe der Elbe zu Leibe rücken. Zwischen Cuxhaven und Hamburg-Altenwerder wollen sie sich auf einer Strecke von 130 Kilometern durch das Flussbett schieben, ihre Saugrohre bis zur Sohle hinablassen und wie gigantische Staubsauger rund 38,5 Millionen Kubikmeter Sediment vom Grund der Elbe heraufbefördern. Nach den Baggern kommt die Leere. Krebstiere, Würmer, Schnecken oder etwa Muscheln – alles wird weggesaugt.

Riesige Containerschiffe gehören in der Elbmündung zum Alltag. © Karl-Ulrich Stocksieker / WWF
Riesige Containerschiffe gehören in der Elbmündung zum Alltag. © Karl-Ulrich Stocksieker / WWF

Die Kraft des Wassers lässt Uferzonen bröckeln

Der unterseeische Kahlschlag wäre eine von vielen Konsequenzen, die der Ausbau mit sich brächte. Wird die Fahrrinne ausgebaggert, ändert sich das Fließverhalten der Elbe. Je tiefer ihr Bett, desto mehr Wasser bewegt sie. Der Strom fließt schneller und reißt durch seine Kraft tiefe Narben in die Uferlandschaft. Die letzten Vertiefungen haben das bereits gezeigt: Vor allem an schmalen Stellen und Flusskurven zwischen Hamburg und Cuxhaven mussten ganze Uferzonen neu befestigt werden. Wertvolle Natur ist nun mancherorts öden Steinpackungen gewichen. Doch gerade die Uferlebensräume mit ihren Salzwiesen, Röhrichten oder seltenen Tideauenwäldern bilden wichtige ökologische Nischen. Hier finden seltene Pflanzen wie der Schierlingswasserfenchel, der europaweit nur noch an der Elbmündung zu finden ist, ihre letzten Refugien.

Ebbe und Flut bringen den Schlick

Wird die Elbe weiter ausgebaggert, verändern sich auch die Wasserstände. Lag der Tidehub vor 150 Jahren noch bei 1,40 Meter, beträgt er heute mehr als das Doppelte. Auch der Gezeitenstrom hinterlässt inzwischen immer deutlichere Spuren. Bei Flut drückt das Wasser schneller und stärker stromaufwärts, spült Sediment und Schlick aus der Nordsee in den Fluss und seine Nebenarme. Bei Ebbe dagegen fließt es langsamer und sinkt stärker, eingetragenes Material wird nicht mehr abtransportiert.

In den vergangenen 200 Jahren wurde die Elbe bei Hamburg kontinuierlich vertieft. Die Natur verkraftet diese Veränderungen nicht. © Dirk Levy
In den vergangenen 200 Jahren wurde die Elbe bei Hamburg kontinuierlich vertieft. Die Natur verkraftet diese Veränderungen nicht. © Dirk LevyLupe

Flachwasserbereiche verschlicken und fallen trocken. Ganze Seitenarme verlanden. Doch gerade diese Wasserzonen in Ufernähe sind besonders sauerstoffreich, sonnendurchflutet und bergen Nahrung für alle möglichen Arten. Drückt zudem Meerwasser stärker in die Elbe, drohen Süßwasserbereiche zu versalzen. Die dort angepasste Tier- und Pflanzenwelt nimmt zwangsläufig Schaden.

Wie schwerwiegend sich Elbvertiefungen auf die Qualität des Wassers auswirken, zeigt sich seit dem letzten Ausbau: Der Sauerstoffgehalt der unteren Elbe sinkt seit 1999 wieder.

Der vom Aussterben bedrohte Säbelschäbler ist in der Elbe zuhause. © Georg Wietschorke / WWF
Der vom Aussterben bedrohte Säbelschäbler ist in der Elbe zuhause. © Georg Wietschorke / WWF

Während Flachwasserzonen trockenfallen, in denen vorher Algen Sauerstoff produziert haben, vergrößern sich die tiefen Flussbereiche. Dorthin dringt zu wenig Licht, Algen sterben ab und werden von Mikroorganismen abgebaut. Die Mikroben verbrauchen dabei Sauerstoff. Eine weitere Vertiefung würde den Bereich, in dem Sauerstoff produziert wird verkleinern und die Zone, in der Sauerstoff verbraucht wird, vergrößern. Die Folgen der vergangenen Vertiefungen zeigen sich heute schon in den jährlich über die Sommermonate auftretenden und für Fische tödlichen „Sauerstofflöchern“. Solche Todeszonen bilden für wandernde Fische wie Meerforelle, Lachs oder Flussneuenauge unüberwindbare Hindernisse auf ihrem Weg in die Laichgebiete. Kommt der Ausbau, verschlechtert sich die Wasserqualität weiter.

Deutschlands größte Flussmündung steht auf dem Spiel

Mit dem Ausbau der Fahrrinne würde nichts Geringeres als Deutschlands wohl naturnaheste Flussmündung Schaden nehmen. Das Ästuar zieht sich wie hierzulande kein zweites weit ins Landesinnere - von Cuxhaven an der Nordsee bis oberhalb Hamburgs. Es birgt ein wahres Mosaik an wertvollen sowie bedrohten Lebensräumen und ist deshalb nach europäischem Naturschutzrecht streng geschützt. Wer hier die Natur schädigt, verstößt somit gegen das Gesetz.

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