WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Verlängerung des Emsästuares durch den Abbau von Wehren

Am 29. Juni 2011 hat das Projekt „Perspektive Lebendige Unterems“ auf einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in Leer den regionalen Umweltaktiven die Idee vorgestellt: Eine „Verlängerung des Emsästuares durch die Verlegung der Tidegrenze Herbrum nach stromauf“ soll das Schlick- und Sauerstoffproblems in der Unterems lösen.

© Jochen Mülder / Lenné3D / WWF
© Jochen Mülder / Lenné3D / WWF

Aufgegriffen wurde dabei eine Anregung, die erstmalig von niederländischen Experten im Dezember 2010 in Emden auf der WWF-Tagung „Die Unterems - Möglichkeiten und Grenzen der Renaturierung" präsentiert wurde. Auf dieser Konferenz wurden vorhandene und neue Maßnahmenvorschläge vorgestellt, welche die ökologische Situation der Unteren Ems verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zur Umsetzung der europäischen Natur- und Umweltschutzrichtlinien im Ems-Dollart-Ästuar leisten sollen. Einen der auf der Konferenz vorgestellten neuen Vorschläge zur Lösung des Schlick- und Sauerstoffproblems möchten wir Ihnen hier näher vorstellen.

 

Dr. Henk Schuttelaars, Alex Chernetsky von der TU Delft und Prof. Dr. Victor de Jonge vom Institute of Estuarine and Coastal Studies der University of Hull schlagen vor, das Schlickproblem im Emsästuar durch eine Verlegung des Tidewehrs flussaufwärts bzw. durch den Abbau des Wehres zu lösen.

 

Die folgende Präsentation soll Ihnen den physikalischen Hintergrund dieser Idee erläutern und zum Verständnis die Effekte einer Verlagerung des Tidewehrs auf die Schwebstoffverteilung im Emsästuar, die Wasserstände und Strömungen mit Hilfe kurzer Filme visualisieren.  

 

Wir freuen uns, Ihnen das Ergebnis hier vorstellen zu können und bedanken uns bei dem Umweltbundesamt für die Förderung dieses Projekts.

Die Unterems

Naturschutzfachliche Aspekte

Die Idee einer Verlängerung des Ems-Ästuars durch eine Flussaufverlegung oder den Abbau von Wehren ist ein ernst zu nehmender Lösungsvorschlag, der bereits von der Bundesanstalt für Wasserbau überschlägig durchgerechnet wurde. Im Ergebnis haben diese Berechnungen die von den Ideengebern dargestellten Wirkungszusammenhänge und die potentiell positiven Auswirkungen auf den Schwebstoff- und Sedimenthaushalt der Unterems bestätigt. Für eine endgültige Einschätzung, ob die bestehenden Schlick- und Sauerstoffprobleme damit gelöst werden können oder ob dies nur in Kombination mit anderen Maßnahmen möglich sein wird, sind noch weitergehende Untersuchungen notwendig.

 

Vor einer endgültigen Positionierung der Umweltverbände zu diesem Vorschlag sind vor allem noch ökologische Aspekte zu betrachten. Hierzu gehört zum Beispiel die Frage der ökologischen Auswirkungen des Tideeinflusses in einem Bereich, der bisher tidefrei ist. Es gilt auch eine Einschätzung zu den Auswirkungen auf die Natura-2000-Gebiete oberhalb von Herbrum zu gewinnen.


Im Auftrag des Projektes „Perspektive Lebendige Unterems“ hat das Büro BioConsult am 29. Juni in Leer eine erste Einschätzung der naturschutzfachlichen Aspekte einer Verlegung der Tidegrenze von Herbrum nach stromauf vorgestellt. Es zeichnet sich ab, dass oberhalb von Herbrum im Vergleich zum heutigen Zustand bei Ebbe die Wasserstände deutlich abfallen würden, was zur Entwässerung des betroffenen Gebietes und wertvoller aquatischer und Feuchtbiotope führen würde. Weiterhin muss geprüft werden, ob die Schifffahrtsstraße Ems oberhalb von Herbrum vertieft werden müsste, um auch bei Tideniedrigwasser für die Schifffahrt ausreichende Wasserstände aufzuweisen. Die ökologischen Auswirkungen des möglichen Flussausbaus müssen mit den ökologischen Vorteilen abgewogen werden. Es soll auch geprüft werden, ob es Möglichkeiten für eine umweltfreundliche Verlegung des Tidewehrs bzw. dessen Abbau gibt. Dazu könnte z.B. die Verknüpfung mit Maßnahmen zur Anhebung des Tideniedrigwassers gehören. Die Einschätzung kann auch heruntergeladen werden.

Einschätzung und Ausblick

Die Umweltverbände BUND, NABU und WWF Deutschland greifen im Rahmen des weiterführenden Projekts „Perspektive Lebendige Unterems“ die hier gewonnenen Erkenntnisse auf. Im Sinne einer Lösungssuche für die ökologischen Probleme an der Ems wird die Idee der Tidewehrverlegung bzw. des Abbaus anhand praxisorientierter Modelle und Simulationen weiter geprüft. Nur wenn am Ende in der Summe eine deutliche ökologische Verbesserung für die Unterems und den betroffenen Bereich der Mittelems erreicht werden kann, ist zu diskutieren, ob dafür lokale Verluste bestehender Wertigkeiten für den Naturschutz hingenommen werden können. Aus Sicht der Umweltverbände ist für diese Entscheidung die Datengrundlage noch nicht ausreichend. 

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF