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Stand: 03.03.2015

Masterplan Ems 2050

WWF Deutschland engagiert sich gemeinsam mit BUND und NABU seit den 80iger Jahren für den Schutz und Erhalt des Emsästuars, hat u.a. mehrere jahrelange Gerichtsverfahren geführt, um Ausbaumaßnahmen zu verhindern und Natur zu schützen sowie versucht die Werft zu einem (Teil-)Umzug an das seeschifftiefe Wasser an die Küste zu bewegen. In dieser Zeit hat sich trotz der Anstrengungen der Umweltverbände die ökologische Situation im Fluss dramatisch verschlechtert und die Werft hat ihren Standort im Binnenland weiter ausgebaut. Der „Masterplan Ems 2050“ ist nun die Chance für einen Paradigmenwechsel, weil die Gleichrangigkeit von ökologischen und ökonomischen Interessen an der Ems erstmals anerkannt wird und er die wirtschaftliche Entwicklung mit einem Naturschutzprogramm verkoppelt.

Verschlickte und mit Steinen befestigte Ufer im Emsästuar © Claudia Stocksieker / WWF
Verschlickte und mit Steinen befestigte Ufer im Emsästuar © Claudia Stocksieker / WWF

Die Umweltverbände BUND, NABU und WWF, die Niedersächsische Landesregierung, die Landkreise Leer und Emsland, die Stadt Emden sowie der Meyer-Werft Ende einigten sich im Januar 2015 nach halbjährigen Verhandlungen auf einen entsprechenden Vertrag, der Maßnahmen für die kommenden 35 Jahre beinhaltet. Die Abschlusserklärung unterzeichneten alle Verhandlungspartner, den eigentlichen Vertrag zum Masterplan alle bis auf zwei kommunale Vertreter. Der endgültige Abschluss des Vertrags ist für März 2015 – nach Einbeziehung der kommunalen Gremien – vorgesehen.

Verhandlungserfolg wird zum Erfolg für die Natur

Im Rahmen des Ems Masterplans 2050 konnten wir eine Reihe von substantiellen Erfolgen für die Natur erreichen. Insgesamt werden zusätzliche 730 Hektar für den Naturschutz im Emsästuar zur Verfügung gestellt. Diese Flächen werden benötigt, um Schäden am natürlichen Tidesystem der Ems und die Schlick- und Sauerstoffprobleme auszugleichen und im Rahmen der Renaturierung Alternativen zu beschädigten oder verlorenen Lebensräumen zu schaffen. Selbstverständlich geschieht die Umwidmung geeigneter Flächen ausschließlich mit Zustimmung der Grundeigentümer. Das Bestreben gemeinsam mit der Landwirtschaft ein sozialverträgliches Flächenmanagement umzusetzen ist ein Hauptgrund für den langen Umsetzungszeitraum von 35 Jahren für den Masterplan.

Bartmeise: Leitart für das Emsästuar, braucht großräumige Röhrichtgebiete © M. Neubauer
Bartmeise: Leitart für das Emsästuar, braucht großräumige Röhrichtgebiete © M. Neubauer

Bis 2050 werden verbindlich definierte Naturschutz- maßnahmen und Maßnahmentypen im Emsästuar in jeweils 10-Jahresschritten umgesetzt. Zentral für die Sanierung der Ems ist einerseits, dass der Fluss mehr Raum bekommt. Insgesamt werden 530 Hektar Flächen, die bisher landwirtschaftlich genutzt werden, durch Anbindung an das Tidegeschehen zu ästuartypischen Lebensräumen wie Tideauwäldern, Röhrichten, Wattflächen mit Prielen und Flachwasserzonen entwickelt. Als Ersatz für die im Vorland zerstörten Naturflächen werden im Binnenland ca. 200 Hektar Wiesenvogellebensraum geschaffen.

 

Zur sofortigen Verbesserung der ökologischen Situation sind folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Bau von zwei Tidepoldern bis zum Jahr 2020 mit einem Umfang von je zwischen 30 und 50 Hektar;
  • Öffnung von Sommerdeichen in sieben Bereichen für das tägliche Tidegeschehen;
  • Renaturierung von Ufern auf einer Strecke von ca. fünf Kilometern;
  • Verbesserung der Durchgängigkeit von acht Sieltiefs und Schöpfwerken für Fische;
  • Entwicklung von Röhrichtzonen und Salzwiesen in zwei Bereichen;
  • im Binnenland werden im Jahr 2015 50 Hektar Wiesenvogellebensraum entwickelt.

 

Sollten mancherorts bereits für eine konkrete Naturschutzmaßnahme, beispielsweise einen Tidepolder, avisierte Flächen letztlich nicht verfügbar sein, ist das Land verpflichtet, diesen Maßnahmentyp während des geplanten Zeitraums an einem anderen geeigneten Ort umzusetzen. Es ist also nicht möglich den geplanten Tidepolder durch eine Naturschutzmaßnahme anderen Typs, z. B. des Vogelschutzes zu ersetzen. Damit wird sichergestellt, dass für alle unterschiedlichen Probleme der Ems wie Verschlickung, Strömungsgeschehen, Lebensraumverlust ein Ausgleich geschaffen wird.

Das Schlick- und Sauerstoffproblem im Emsästuar wird angegangen

Verschlickte Ufer im Emsästuar: es fehlen flache Wasserzonen © Claudia Stocksieker / WWF
Verschlickte Ufer im Emsästuar: es fehlen flache Wasserzonen © Claudia Stocksieker / WWF

Zuviel Schlick und zu wenig Sauerstoff sind Grund für die schlechte Wasserqualität. Mit wasserbaulichen Mitteln will man Schwebstoffe reduzieren und die Gewässergüte verbessern. Auf der Grundlage vertiefender Machbarkeitsstudien soll 2018 eine Entscheidung getroffen werden, ob die Steuerung der Tide durch das Emssperrwerk, durch den Einbau einer Sohlschwelle in das Sperrwerk oder den Bau von Tidepoldern bzw. eine Kombination dieser Maßnahmen zur Sanierung der Gewässergüte am besten umgesetzt werden kann. Parallel werden erste Schritte als Teilmaßnahmen in die Praxis umgesetzt: Mit dem Bau eines Pilotpolders soll umgehend begonnen werden, um die Verlässlichkeit der Modellergebnisse der Machbarkeitsstudien mit den Naturdaten überprüfen zu können. Auch das Sperrwerk soll bereits vor 2018 für die Steuerung der Tide genutzt werden. Die beiden Praxismaßnahmen führen dann kurzfristig zu einer ersten Verbesserung der ökologischen Situation und die gewonnenen Erfahrungen daraus fließen in die Entscheidung zum Gesamtsanierungskonzept ein. 

Zerstörte Natur zu reparieren kostet Geld – es spart aber auch Millionen an Baggerkosten

Die Umsetzung dieses Naturschutzprogramms wird mehrere 100 Millionen Euro kosten und sich über einen Zeitraum von 35 Jahren erstrecken. Für den Zeitraum bis 2018 wurden bereits 22 Mio. in den Haushalt eingestellt und weitere Mittel zur Finanzierung der oben genannten kurzfristigen Maßnahmen angekündigt. Für die mittel- und langfristige Finanzplanung wird im Landeshaushalt ein eigener Haushaltstitel geschaffen. Die Verschlickung der Ems wird durch die Maßnahmen gestoppt, so dass der Bund und die Hafenbetreiber an der Unterems jedes Jahr viele Millionen Euro an Baggerkosten einsparen. Allein die Ausbaggerung der Fahrrinne für die Überführung von Kreuzfahrtschiffen kostet heute pro Jahr ca. 25 Millionen Euro. Hinzu kommen Kosten für die Räumung der Hafenbecken an der Ems. Die Investition in den Masterplan Ems ist eine Investition in die Zukunft.

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