WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Das Emsästuar

Die Ems entspringt in Ost-Westfahlen in der Senne am Rande des Teutoburger Waldes. Sie hat eine Länge von rund 350 Kilometern und fließt durch Westfalen und das Emsland bis nach Ostfriesland. Die Mündung der Ems in die Nordsee ist das von Ebbe und Flut beeinflusste Emsästuar. Das Ästuar endet mit dem Tideeinfluß beim Wehr in Herbrum im Binnenland und seewärts bei der Insel Borkum. Das Emsästuar hat eine Gesamtlänge von rund 100 km und ist eines der vier deutschen Ästuare. Ästuare werden durch die Bewegung der Gezeiten, dem von der Mündung flussaufwärts abnehmenden Salzgehalt und den Stoffeinträgen aus dem Meer und dem Süßwasserbereich geprägt. Der Durchmischungsbereich von Salz- und Süßwasser wird „Brackwasserzone“ genannt. Die Brackwasserzone ist ein extremer Lebensraum, in dem zweimal täglich die Salzgehalte und Wasserstände schwanken. Nur wenige Arten sind an diese Umweltbedingungen angepasst und verbringen hier ihr gesamtes Leben. Aus diesem Grund sind die „typischen“ Brackwasserarten etwas Besonderes.

Seit Jahren leidet die Unterems unter dem wirtschaftlichen Druck des Schiffbaus. Doch spricht etwas dagegen, sie zu einer ökologisch intakten Flusslandschaft zu entwickeln, im Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie? © Alke Huber BioConsult / WWF
Seit Jahren leidet die Unterems unter dem wirtschaftlichen Druck des Schiffbaus. Doch spricht etwas dagegen, sie zu einer ökologisch intakten Flusslandschaft zu entwickeln, im Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie? © Alke Huber BioConsult / WWFLupe

Grenzlebensräume mit besonderer ökologischer Vielfalt

Die Einteilung des Ästuars in drei Salinitätszonen (Süßwasser- und Brackwasserzone sowie mariner Bereich) und das Überschwemmungsgebiet zwischen den Deichen macht das Emsästuar zu einem Mosaik aus vielen, heute gefährdeten Lebensräumen wie Röhricht und Tideauwaldresten. In diesen Gebieten ist die ökologische Vielfalt hoch, ebenso wie die biologische Produktivität. Die Deichvorländer sind ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten wie Insekten, Kleinsäuger und Vögel. In den bei Ebbe trockenfallenden Wattgebieten entlang der Ufer leben zahlreiche wirbellose Tiere, die wichtige Nahrungsgrundlage für Säbelschnäbler, Rotschenkel und andere Vogelarten sind. Die Salzwiesen locken u.a. Gänse an, da ihr Futter besonders nahrhaft ist. Insgesamt reiht sich am Unterlauf der Ems ein bedeutendes Rast- und Nahrungsgebiet für Brut- und Rastvögel an das andere. In der Ems-Dollart-Region überwintern bis zu 40.000 Gänse.

 

Bis Ende 1980 war die Wasserqualität der Unterems noch beispielhaft gut und das Emsästuar galt als die fischreichste Flussmündung in Deutschland.. Heute ist die Sauerstoffsituation in der Unteren Ems gerade in den warmen Sommermonaten so kritisch, dass der Fluss in diesen Zeiten kein Lebensraum mehr für Fische ist.

Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie

WWF Deutschland engagiert sich seit den 80iger  Jahren für den Schutz und Erhalt des Emsästuars. Eine Reihe von Ausbau- und Vertiefungsmaßnahmen haben seit 1984 und insbesondere seit den 1990er Jahren das Ökosystem Unterems stark verändert. Für die Überführung immer größerer Kreuzfahrtschiffe wurde das Ästuar viermal vertieft, teilweise begradigt und seit dem Bau des Emssperrwerkes in 2001 immer wieder angestaut. Diese Ausbaumaßnahmen zwischen Papenburg und Emden haben zusammen mit lang den andauernden Baggerkampagnen zur Unterhaltung der Fahrwassertiefen in weniger als 15 Jahren zu einem massiven  Verlust an natürlichen Lebensräumen, einer extremen Verschlickung, einem starken Absinken der Wasserstände, einem starken Anstieg der Strömungsgeschwindigkeiten und einer Abstufung der Gewässergüte um drei Klassen geführt. Auf Grund von Sauerstoffmangel können viele Monate im Jahr keine Fische mehr in der Unterems leben. Ziel der Arbeit von WWF Deutschland ist es, an der Unterems einen Richtungswechsel im Umgang des Menschen mit seiner Umwelt zu erreichen. Dazu bringen wir unsere Expertise in laufende Prozesse und Gremien zur Umsetzung nationaler und europäischen Maßgaben des Umweltschutzes ein.

An erster Stelle fordern wir

  • Die Sanierung der Gewässergüte des Emsästuars und die Renaturierung,
  • die längst überfällige Einverständniserklärung der Bundesrepublik Deutschland zur Aufnahme des FFH-Gebiets „Unter- und Außenems“ in das Europäische Gebietsnetzwerk Natura 2000, und
  • eine zügige und zielgerichtete Umsetzung der europäischen Wasserrahmen-Richtlinie zur Verbesserung der Gewässergüter.

 

Beispiele konkreten Arbeit des WWF Deutschland an der Ems:

  • Von Ende 2010 bis Mitte 2013 erarbeiten wir im Rahmen unseres Projekts „Perspektive Lebendige Unterems“ gemeinsam mit unseren Partnern NABU, BUND und der TU Berlin Renaturierungskonzepte für die Unterems. Ziel ist es u.a. die Ergebnisse dieses Projektes in die Lösungssuche für das Schlick- und Sauerstoffproblem des Landes Niedersachsen einzubringen und die Naturschutzseite zu stärken.
  • Begleitung der aufwendigen und intensiven Verfahren zum Ausbau der Unterems durch Gutachten und Stellungnahmen mit dem Ziel weitere Verschlechterungen zu verhindern.
  • WWF beteiligt sich am Prozess zur Umsetzung der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (Natura 2000) im Emsästuar (IBP-Prozess) sowie an den politischen Gremien zur Ems wie die „Lenkungsgruppe Ems“
  • Öffentlichkeitsarbeit durch Protest gegen weitere Verschlechterungen der Gewässergüte, wenn z.B. die Umweltauflagen für Staufälle ausgesetzt werden.
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF