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Naturschutz auf dem Dach der Welt

Im höchsten und größten Gebirge der Erde ist der WWF bereits seit fast 40 Jahren aktiv. Von den Gipfeln der Annapurna über Darjeeling bis Sikkim hilft die Umweltstiftung in einer Vielzahl von Projekten mit, die Zukunft der Ökoregion Himalaja zu sichern.

Das Dach der Welt: Der Himalaya. © Axel Gebauer / WWF
Das Dach der Welt: Der Himalaya. © Axel Gebauer / WWF

„Dort wo der Schnee wohnt“ bedeutet die Bezeichnung Himalaja in Sanskrit, der alten Sprache indischer Brahmanan-Priester. Nicht umsonst sind die mystisch emporragenden Gipfel und abgelegenen Täler seit Jahrhunderten eine Quelle der Inspiration für Sinnsucher sowie ein Ort tiefer Religiosität.

Die Gebirgskette mit den höchsten Gipfeln der Welt bildet auf einer Länge von 3.000 Kilometern eine gewaltige Wetterscheide und beeinflusst das Klima Zentral- und Südasiens entscheidend. Südlich des Hauptkammes regnen sich die Wolken der Monsunwinde im jährlichen Turnus sinnflutartig ab, während im Regenschatten der Berge, auf dem Hochplateau von Tibet, ein sehr trocknes Klima herrscht.

Mehr als 10.000 Pflanzenarten sind im Himalaja bekannt, von denen gut ein Drittel nur in dieser Region der Erde vorkommen. In den Bergwäldern sind Kragenbär, Roter Panda sowie der bedrohte Goldlangur zu Hause. Seltene Fasane wie der Satyrtragopan finden in den dichten Wäldern aus haushohen Rhododendren Unterschlupf. Oberhalb der Baumgrenze bieten die hochalpinen Matten und Gebirgsklippen Rückzugsgebiete für den Schneeleoparden, das Blauschaf und den fast rindergroßen Takin. Ihren Lebensraum teilen sich die Tier- und Pflanzenarten mit Millionen von Menschen verschiedenster Kulturen und Religionen aus Indien, Pakistan, Nepal, Bhutan und China.

Seit den 1970er Jahren setzt sich der WWF erfolgreich für den Naturschutz im Himalaja ein. Bereits 1986 wurde eine Lanze für die Verbindung von Umweltschutz und lokaler Entwicklungshilfe gebrochen. Denn im Gegensatz zum klassischen Schutzgebietsansatz wurde den Bewohnern der Annapurna Conservation Area erstmals die nachhaltige Nutzung der dort vorkommenden natürlichen Ressourcen ermöglicht. Heute arbeitet der WWF im Himalaja daran, die artenreiche und bedrohte Ökoregion mit mehr als 60 laufenden Projekten zum Ressourcen- und Artenschutz langfristig zu erhalten. Dies wird umso wichtiger, je mehr die Gefahren wachsen.

Gletscher schmelzen und Raubbau wächst

Als Wasserschloss Asiens sind die schneebedeckten Gipfel des Himalajas bekannt. Doch die Postkartenidylle trügt, denn zwei Drittel der Gebirgsgletscher schmelzen als Folge des globalen Klimawandels ab. Mit weit reichenden Folgen, denn nicht nur die Einzugsgebiete zahlreicher Flüsse drohen zu versiegen, auch die Lebensgrundlage mehrerer Millionen Menschen ist in Gefahr.

Zahlreiche Wissenschaftler prognostizieren einen Rückgang der einzigartigen biologischen Vielfalt sowie schwerwiegende Auswirkungen für die Nahrungssicherung in der Region. Umso wichtiger ist es jetzt, Strategien zu entwickeln, wie den Folgen des Klimawandels auf lokaler Ebene begegnet werden kann. Dazu gehören Frühwarnsysteme für die gefürchteten flutartigen Schmelzwasserabgänge aus Gletscherseen, die binnen Minuten ganze Täler überfluten und zerstören können.

Doch die größte Gefahr droht dem Himalaja und seinen Bewohnern durch die Ausnutzung seiner natürlichen Ressourcen. Millionen von Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Sie sind abhängig von den Holz- und Wildtiervorräten, um ihr tägliches Überleben zu sichern. Deshalb stehen heute bereits einige Huftiere wie die Schraubenziege und der Graue Goral auf der Roten Liste bedrohter Arten.

Auch Moschustiere werden immer noch gejagt und getötet, um an den wertvollen Duftstoff in den Drüsen der männlichen Tiere zu gelangen. Denn für ein Kilogramm des wertvollen Moschus werden bis zu 36.000 Euro auf dem Weltmarkt bezahlt.

Die Übernutzung der Wälder führte in der Vergangenheit zum Verlust und zur Fragmentierung von Waldgebieten. Den Wildarten bleiben nur noch kleine und weit auseinander liegende Lebensräume, so dass kaum genetischer Austausch untereinander stattfinden kann.

Guter Tee und Rote Pandas

Roter Panda. © Peter Prokosch / WWF
Roter Panda. © Peter Prokosch / WWF

Durch Aufforstung ganze Lebensräume wieder miteinander zu verbinden ist daher ein wichtiger Bestandteil der WWF-Naturschutzarbeit vor Ort. Beispiel Darjeeling in Indien: Initiiert durch das größte Teeversandhaus Deutschlands, die Teekampagne aus Berlin/Potsdam, konnte die Umweltstiftung in dem weltberühmten Teeanbaugebiet 22 Baumschulen errichten, in denen pro Jahr mehr als 250.000 Setzlinge angezogen werden. Das befestigt nicht nur Hänge, die in der Ver-gangenheit durch unkontrollierten Holzeinschlag entwaldet wurden und nun abzurutschen drohen. Es schafft zudem Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region.

Beispiel Nepal: Durch den Bau kleinbäuerlicher Biogasanlagen müssen dort nicht mehr so viele Wälder für Feuerholz gerodet werden. Das Biogas stammt größtenteils aus Rinderdung und ist ein leicht verfügbarer alternativer Brennstoff. Bis Ende 2009 will der WWF mindestens 7.500 Anlagen bauen. Die nachhaltige Nutzung von Heilpflanzen schließlich verbindet Naturschutz mit traditionellem Wissen und alternativen Einkommensquellen.

Aber auch die klassische Artenschutzarbeit findet sich im WWF-Portfolio: Zusammen mit TRAFFIC, dem mit der Weltnaturschutzunion IUCN gemeinsam geführten Artenschutzprogramm, wird zum Beispiel Schmugglerringen das Handwerk gelegt, die versuchen, Nashorn, seltenes Sandelholz und Raubtierfelle über Himalaja-Pässe nach China zu bringen. Durch Aufklärung gerade auf den Märkten der Traditionellen Chinesischen Medizin wird versucht, die Nachfrage nach Moschus zu senken. Für Moschustiere und andere Arten werden zudem Schutzgebiete eingerichtet und kontrolliert.

Das gemeinsame Projekt mit dem Verband der Deutschen Zoodirektoren (VDZ) zum Roten Panda leistet wiederum nicht nur Pionierarbeit zur Verbreitung der seltenen Tiere, sondern fördert auch die Umweltbildung in den lokalen Schulen. Schließlich ist der Rote Panda das Wappentier des indischen Bundesstaates Sikkim. Sein Überleben ist ein Symbol für den Erhalt dieser einzigartigen Naturlandschaft.

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