WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Vorzeichen des Klimawandels

Auf dem Hochplateau von Tibet hat der Wassermangel in einigen Gebieten bereits Einzug gehalten. „Der Bach vor unserem Haus ist schon vor einigen Jahren versiegt“, berichtet der Viehzüchter Gung Qiu aus der chinesischen Provinz Qinghai. „Mitunter regnet es fast gar nicht mehr, und wir sind gezwungen, Wasser in großen Fässern zu speichern“, fährt Gung fort.

© Peter Prokosch / WWF
© Peter Prokosch / WWF

Diese Beobachtungen werden von zahlreichen Studien bestätigt. Am Oberlauf des Yangtse ist die ganzjährige Schnee- und Eiskappe der Berge bereits weitgehend verschwunden. Das sommerliche Niederschlagsverhalten ändert sich. Kurze heftige Regenschauer häufen sich und haben den früher oft wochenlang anhaltenden Nieselregen abgelöst. Als Folge sinkt der Grundwasserspiegel, und Quellen und Wasserläufe versiegen – mit drastischen Auswirkungen auf das Ökosystem.

Viele Experten prognostizieren einen unwiederbringlichen Verlust der einzigartigen biologischen Vielfalt der Region mit gravierenden Folgen für den Himalaja. Denn der Klimawandel trifft auf ein Ökosystem, dass in der Vergangenheit durch anthropogene Nutzung stark gestört wurde. Die Übernutzung der Wälder führte zum Verlust und zur Fragmentierung von Waldgebieten.

Die Wassereinzugsgebiete aller großen Flüsse der Region haben durch Rodungen und Holzeinschlag große Teile ihres ursprünglichen Waldbestandes verloren; Indus, Ganges und Yangtse sogar über 80 Prozent. Der einheimischen Fauna und Flora bleiben häufig nur noch kleine und weit auseinander liegende Lebensräume, so dass kaum genetischer Austausch untereinander stattfindet. Wenn sich der Lebensraum der Wildarten verkleinert und vereinheitlicht, nimmt deren Potenzial zur Anpassung ab.

Ökosysteme im Klimawandel können sich zwar verändern, allerdings hängt der Grad der Anpassung von der biologischen Vielfalt und insbesondere vom genetischen Potenzial ab, das im System vorhanden ist und eine Weiterentwicklung möglich macht. Bei der gegenwärtigen Erwärmungsrate könnten sich die Vegetationszonen im Himalaja in den kommenden zehn Jahren um bis zu 200 Höhenmeter verschieben.

Ganze Lebensräume, wie beispielsweise die montanen Feucht- und Nebelwälder und mit ihnen zahlreiche endemische Tier- und Pflanzenarten, sind im Begriff gänzlich zu verschwinden. Für die alpinen Matten der Höhenzone wird das vermehrte Wachstum von ungenießbaren Gräsern vermutet. Dies sind denkbar schlechte Voraussetzungen für die etwa zehn Millionen Viehhalter in der Himalajaregion, die heute teilweise unterhalb der Armutsgrenze leben. Ohne biologische Vielfalt sind die Funktion der Ökosysteme sowie ihre Leistungen, wie die Bereitstellung von Wasser, Holz, Heilpflanzen und Nahrung, für Millionen von Menschen gefährdet.

Lesen Sie weiter in Teil 3

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Hilfe für den
Himalaya
Hilfe für den
Himalaya