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Erwärmung verändert Vegetationszonen

Ob die beiden Erstbesteiger des Mount Everest, Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay, heute noch die gleiche Aufstiegsroute wie vor mehr als 55 Jahren nehmen würden ist fraglich. Denn der Khumbu-Gletscher, über den die beiden Bergsteiger im Jahr 1953 zum Gipfelsturm ansetzten, ist seit damals um mehr als fünf Kilometer zurückgewichen.

© Sandeep Chamling Rai / WWF
© Sandeep Chamling Rai / WWF

Doch nicht nur der Khumbu-Gletscher, sondern zwei Drittel aller Gletscher im
Himalajagebirge schmelzen als Folge des globalen Klimawandels. Einige Prognosen gehen sogar davon aus, dass die meisten Gletscher der Himalajaregion binnen 40 Jahren ganz verschwinden könnten.

„Dort wo der Schnee wohnt“, bedeutet die Bezeichnung Himalaja in Sanskrit, der alten Sprache indischer Brahmanen. Die nächsten Jahre werden entscheiden, ob die Eiswelt des Himalajas überdauert und welchen Einfluss der Klimawandel auf die biologische Vielfalt hat.

Die Gebirgskette des Himalajabogens mit den höchsten Bergen der Welt bildet auf einer Länge von 3.000 Kilometern eine gewaltige Wetterscheide und beeinflusst das Klima Zentral- und Südasiens entscheidend. Südlich des Hauptkammes regnen sich die Wolken der Monsunwinde im jährlichen Turnus sintflutartig ab, während sich das Klima im Regenschatten der Berge, auf dem Hochplateau von Tibet, generell durch geringe Niederschlagsmengen auszeichnet.

Als Wasserschloss Asiens sind die schneebedeckten Gipfel des Himalajas bekannt und formen die größte Konzentration von Gletschern außerhalb der Polkappen. Die Eismassen bilden die Quellgebiete der großen Flüsse Ganges, Indus, Brahmaputra sowie des Yangtse und garantieren die Wasserversorgung mehrerer Millionen Menschen flussabwärts. Über 80 Prozent der Bevölkerung des Himalajas leben in irgendeiner Art und Weise von der Landwirtschaft und sind auf die Gletscher als Wasserspeicher angewiesen.

Geköpfte Gletscher

Seit Mitte der 1970er Jahre hat sich die durchschnittliche Lufttemperatur im
Himalaja um ein Grad Celsius erhöht. „Die Gletscher schmelzen so schnell, dass man fast von einer Enthauptung sprechen kann“, sagt Shawn Marshall von der Universität im kanadischen Calgary. Die an der Oberfläche liegenden Eismassen des Naimona‘nyi-Gletschers in Tibet stammen aus den 1940er Jahren. „Das Eis der letzten 60 Jahre ist geschmolzen“, so die Expertin, die die Auswirkung des Klimawandels auf die Himalajagletscher erforscht. Vor allem der in der Monsunzone gelegene zentrale und östliche Teil des Himalajas ist vom Klimawandel betroffen. Dort sind die Gletscher durch den Anstieg der Schneegrenze sowie vom Rückgang der Niederschläge besonders gefährdet.

Im Sommer fungieren die Gletscher als Wasserspender und liefern Trinkwasser und Wasser für die Landwirtschaft. Das Verschwinden der Eisflächen und Schneefelder bedeutet, dass in der Trockenzeit weniger Wasser zur Verfügung steht. Beispiel Ganges: Während der Sommermonate von Juli bis September rechnen viele Experten mit einem Rückgang der Abflussmenge um zwei Drittel. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Nahrungssicherung und die Volkswirtschaften in der Region. Bis zu einer halben Milliarde Menschen wären vom Wassermangel betroffen, und die Bewässerung von 37 Prozent der
landwirtschaftlichen Fläche des Subkontinents ist gefährdet.

Die Nutzung von Wasserkraft spielt für die Himalaja-Anrainerländer eine große ökonomische Rolle, denn die vom Gebirge südwärts strömenden Flüsse lassen sich zur Gewinnung von Energie aus Wasserkraft nutzen. Vor allem das energiehungrige Indien hat eine gewaltige Nachfrage nach Strom für seine chemische und metallurgische Industrie. Fällt ein Teil des Wasserkraftpotenzials weg, drohen empfindliche wirtschaftliche Schäden, die das indische Wirtschaftswachstum künftig auf Sparflamme kochen lassen könnten.

Lesen Sie weiter in Teil 2

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