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Stand: 10.07.2014

Wasser für Sikkim

Kaum hat man die Grenze Sikkims passiert, muss der Fahrer zurückschalten. Es geht steil bergauf. Ein Unwetter verfinstert die Sicht. Unbekümmert lenkt der Mann sein Fahrzeug ohne Licht über immer schmaler werdende Straßen. „Regen zu dieser Jahreszeit ist gut“, versichert er. Hagel mischt sich dazu und trommelt auf das Blech. Aus den Bergen schießt das Wasser über die Fahrbahn und schwemmt jede Menge Schlamm mit sich. Wir sind auf dem Weg nach Jorethang ins SIRD, dem „Staatlichen Institut für ländliche Entwicklung“, für dessen Arbeit das Thema Wasser eine erhebliche Rolle spielt.

Sikkim im Himalaja © iStock / Getty-Images
Sikkim im Himalaja © iStock / Getty-Images

Denn trotz der Sturzbäche: Wasser ist kostbar in Sikkim, dem indischen Bundesstaat im südlichen Himalaja zwischen Nepal, China und Bhutan. Der WWF Indien mit seinem Regionalbüro in Sikkim lädt aus Anlass des Weltwassertages am 22. März in das SIRD ein – in der Vergangenheit überwiegend Schüler, in diesem Jahr die Lehrer. Trotz des schulfreien Samstags finden Dutzende von ihnen aus allen Teilen des Landes hierher. Draußen empfängt die Besucher eine Ausstellung mit Comics, die mit leichtem Strich über Möglichkeiten des Wassersparens informieren. Daraus hat der WWF eine Broschüre für Schulen gemacht. Drinnen sind alle Stühle schnell besetzt. Das Thema ist für die Menschen hier überlebenswichtig. Vier Fünftel der Bevölkerung Sikkims leben von der Landwirtschaft. Sie sind darauf angewiesen, dass die Felder fruchtbar bleiben. Das bleiben sie aber nur, wenn es ausreichend regnet.

Himalaja © RIB / WWF
Himalaja © RIB / WWF

Weniger Regen, mehr Menschen

Genau das tut es wegen des Klimawandels nicht mehr. In den Wintermonaten lässt der Regen immer häufiger auf sich warten. Die Wasserreserven schwinden seit Jahren, zugleich wächst die Bevölkerung. Die einst üppigen Wälder wurden zum Heizen und Kochen verfeuert. Nun fehlen die Bäume – auch als Wasserspeicher. Heute läuft der Regen rasch über baumlose Flächen bergab in die Flüsse, anstatt langsam im Boden zu versickern und die Quellen mit Frischwasser zu speisen. Viele der Brunnen sind deshalb ausgetrocknet.

„Einfache Maßnahme, die funktioniert und Jobs schafft“

Das Problem ist bekannt und auch in der Politik angekommen, die ein sogenanntes „Klimawandel-Anpassungsprogramm“ entwickelt hat. Zusammen mit dem WWF Indien wurde daraus eine Idee geboren, wie man Quellen auch in Zeiten zunehmender Trockenheit sprudeln lassen kann. Wie viele gute Ideen ist auch diese denkbar simpel.

Wir sind mit Perm Norbu Sherpa, einem der Projekt-Koordinatoren, auf einem der Vorgebirge im Süden Sikkims unterwegs, „Wir betreiben hier keine Quantenphysik. Das ist eine einfache Maßnahme, die funktioniert und Jobs schafft. Der WWF hilft uns dabei“, sagt er und zeigt in die Ferne. Auf den Hügeln rundum wurden Hunderte Gruben gegraben –zwei Meter lang und einen Meter tief. Deren Wände und Böden wurden verdichtet. „Wenn es regnet, fangen die Gruben das Oberflächenwasser auf. In dem verdichteten Erdreich versickert es nur langsam. Dabei wirkt die Erde als Filter und reinigt das Wasser“, erklärt Sherpa. „Am Fuß des Berges sprudelt es dann wieder heraus.“ Um die Löcher herum wurden Büsche angepflanzt, damit der Boden nicht vom Regenwasser weggespült wird. Tatsächlich fließt einige Hundert Meter unterhalb frisches Wasser aus einer Böschung. Dort wird es von Anwohnern für den Haushalt oder das Vieh abgezapft. Für die armen Bauern bedeutet Wasser mehr Ernte - und damit mehr Einkommen.

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