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Stand: 22.10.2010

Wildzählung in Namibia: Was tun bei hungrigen Löwen?

Es ist harte Arbeit, aber der Höhepunkt jeden Jahres: Regierung, NGOs und Gemeindeverwaltungen bündeln ihre Kräfte für die Wildzählungen in den Gemeindeschutzgebieten Namibias. Jedes Jahr muss gezählt werden, um den Überblick über die Verbreitung der Tiere zu behalten und um die Frage zu beantworten: Werden es mehr oder weniger Tiere? Die Tiere werden meist zu Fuß gezählt. Ein besonderes Erlebnis – auch für die beiden jungen Naturschützer Scharlene Angula und Asser Manya. Hier erzählen sie warum.

Wildtierzählen in einem der berühmtesten Naturschutzprojekte der Welt ist faszinierend. Hier eine Gruppe Impalas © WWF
Wildtierzählen in einem der berühmtesten Naturschutzprojekte der Welt ist faszinierend. Impalas © WWF

Wie bereitet man eine Wildzählung vor?

Asser: "Man sagt, Namibia sei eines der vielfältigsten Länder überhaupt, aber ich habe es selbst noch nicht in allen Facetten erlebt. Ich bin in der Hauptstadt Windhoek geboren. Als ich anfing, für das namibische Gemeindeschutzprogramm zu arbeiten, wusste ich auch als Großstadtkind, dass ich dort viel erleben würde - und meine erste Wildzählung gehört definitiv zu diesen Erlebnissen."

Scharlene: "Es war ganz früh am Morgen in Windhoek, als wir unsere Sachen in den Geländewagen packten. Es ging zur jährlichen Tierzählung in den wildreichen Norden Namibias. Ich war noch nie dort, geschweige denn bei einer Tierzählung. Ich konnte es vor Aufregung gar nicht erwarten, bis es endlich losging."

Asser: "Am ersten Tag fuhren von der Mahangu Safari Lodge in Richtung Bwabwata National Park, wo wir in der Gegend von Divundu, Kavango unser Lager aufschlugen."


Scharlene: "Nach langer Fahrt kamen wir endlich in den Gemeindeschutzgebieten an der Nordgrenze des Khaudum National Parks an, einem Teil von KAZA. Ich war vor Aufregung hellwach. Nichts, gar nichts wollte ich verpassen! Am Abend vor der Zählung gab es unter einem Baum das Briefing: Vertreter des Umweltministeriums und des WWF Namibia erklärten uns, wie man das GPS bedient, was wir aufnehmen sollten und wie die Karten zu lesen sind. Wir wurden in zwölf Gruppen eingeteilt, jede für eine spezielle Route. Dann hätte es losgehen können, aber uns stand noch eine Nacht bevor."

Auch Nilpferde sind Bestandteil der Wildtierzählung in Namibias Gemeindeschutzgebieten. © WWF
Auch Nilpferde sind Bestandteil der Wildtierzählung in Namibias Gemeindeschutzgebieten. © WWF

"Aufgeregt und ehrlich gesagt auch ein bisschen besorgt saßen wir am Lagerfeuer. Was tun, wenn ein Elefant angreift oder wenn wir auf eine Gruppe hungriger Löwen treffen? Einer der Ranger empfahl uns einfach loszurennen. Ein anderer nannte das Selbstmord, man müsse sich langsam in entgegengesetzter Windrichtung entfernen. Auch ohne klare Fluchtstrategie war mir spätestens jetzt klar, dass die nächsten Tage die aufregendsten meines Lebens werden würden." 

Wie zählt man Wildtiere?

Asser: "Es gibt viele Arten Wildtiere zu zählen: Nächtliches Zählen am Wasserloch bei Mondschein, im Auto, zu Fuß oder aus der Luft. Wir waren für Zählungen aus dem Auto eingeteilt. Schon am ersten Tag sahen wir Elefanten, Büffel, Krokodile, Warzenschweine, Kudus, Impalas, Buschböcke."

Scharlene: "Wir mussten um 5.15 Uhr aufstehen. Mit gefüllter Wasserflasche, GPS Handy, Hut und Stiefeln bereiteten wir uns vor. Um sechs Uhr war Aufbruch – in Gruppen zu Fuß in den Busch. Wir begegneten Nildpferden, Nyala-Antilopen und Riedböcken: Tiere, die ich alle vorher noch nie gesehen hatte. Flüchten mussten wir zum Glück nicht."

Elefanten bewegen sich über die Grenzen hinweg und nutzen das KaZa Konzept der freien Grenzen. © WWF
Elefanten bewegen sich über die Grenzen hinweg und nutzen das KaZa Konzept der freien Grenzen. © WWF

Asser: "Am zweiten Tag gingen wir zu Fuß: Fast fünfzig Leute, darunter viele Ranger und eine paar Freiwillige. Wir waren zehn Teams zu je fünf Leuten, jeweils mit einem bewaffneten Ranger, falls wir doch einmal auf aggressive Tiere stoßen sollten. Jedes Team lief eine spezielle Route, Entfernungen zwischen sechs und 15 Kilometern. Weil das Wild natürlich wegläuft, zählten wir auch anhand von Spuren. Erfahrene Spurenleser können sehen, wie alt die Spur ist: Nur die Spuren des gleichen Tages werden gezählt."

Wie funktioniert die Auswertung?

Scharlene: "Die Daten wurden im Camp verifiziert und schließlich in die nationale Datenbank für Gemeindeschutzgebiete eingegeben. Nach ausführlicher Analyse der Tierzählungen wurden den Gemeindeschutzgebieten die Bestandszahlen, die Verteilungsmuster und Langzeittrends mitgeteilt. Die Gemeindeschutzgebiete können anhand dieser Informationen planen, wie sie mit den Tieren umgehen." 

Asser: "Auf dem Weg zurück stießen wir auf einen männlichen Büffel, der nicht weit weg unter einem Baum stand. Unser Ranger befahl uns, hektische Bewegung zu vermeiden und uns sofort hinzulegen. Der Büffel drehte sich zu uns, als wolle er angreifen, stellte dann aber scheinbar fest, dass wir keine Gefahr waren und ging weg. Obwohl das natürlich sehr aufregend war, möchte ich bei der nächsten Wildzählung unbedingt wieder dabei sein."

Scharlene: "Wildzählen in einem der berühmtesten Naturschutzprojekte der Welt ist nicht nur wichtig, sondern auch faszinierend. Ich konnte dadurch Regionen meiner Heimat sehen, die ich zuvor nicht kannte. Für die Verantwortung, die wir als Hüter unserer Umwelt tragen, hätte es keine bessere Motivation geben können."

Assar Manya ist Tourismus Experte und arbeitet für den WWF und NASCO in Windhoek – einer Vereinigung von 14 NGOs und der Universität von Namibia.

 

Scharlene Angulahat in Südafrika und Namibia Naturschutz studiert und arbeitet beim WWF für NACSO.

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