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Stand: 09.04.2014

Dzanga-Sangha: Arbeit mit den BaAka

Die BaAka von Dzanga-Sangha sind ein jahrtausendealtes Naturvolk. Mit einem speziellen Programm unterstützt sie der WWF darin, ihr Wissen und ihre Tradition zu bewahren – auch für einen erfolgreichen  Naturschutz, der den Menschen einschließt.

BaAka-Frau beim Korbflechten, Dzanga-Sangha-Nationalpark © Dr. Percy Vogel
BaAka-Frau beim Korbflechten, Dzanga-Sangha-Nationalpark © Dr. Percy Vogel

Sie gehören zu den ältesten Völkern der Erde: Schon bei den Pharaonen Ägyptens im vorchristlichen 23. Jahrhundert finden sich schriftliche Erwähnungen der Pygmäen und als mythische Fabelvölker waren sie auch in der Antike bekannt. Heute leben die BaAka-Pygmäen (englisch auch: Bayaka) in den Regenwäldern Zentralafrikas. In Dzanga-Sangha haben sie eine ihrer letzten Zufluchtstätten, die sie sich mit den ebenfalls indigenen Sangha-Fischern seit Jahrhunderten teilen.

BaAka-Gesänge als Weltkulturerbe

Die halbnomadische Lebensweise der BaAka als Jäger und Sammler ist eng an ihre Umwelt angepasst. Die tiefe spirituelle Beziehung zur Natur prägt das Wertesystem der BaAka, das sich durch Gemeinschaftssinn und Egalität, einvernehmliche Entscheidungen und eine ausgeprägte Kultur des Teilens auszeichnet. Ihr enormes ökologisches Wissen drückt sich unter anderem in ihrer Kultur aus, in Legenden, Liedern und Tänzen. Die Musik der BaAka mit ihren mehrstimmigen Gesängen wurde von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Naturvolk unter Druck

BaAka-Frau auf dem Weg zur traditionellen Netzjagd © Dr. Percy Vogel
BaAka-Frau auf dem Weg zur traditionellen Netzjagd © Dr. Percy Vogel

3500 BaAka leben heute im und um das Schutzgebiet Dzanga-Sangha - eine Minderheit unter der auf etwa 10.000 Menschen angestiegenen Bevölkerung rund um den Nationalpark. In den letzten Jahren sind die BaAka jedoch unter großen Druck geraten, sich an neue Einflüsse anzupassen. Der Raubbau an ihren natürlichen Ressourcen und das zunehmend sesshafte Leben bringen Ausbeutung, Diskriminierung, Armut und Krankheiten mit sich. Viele Gemeinden haben kaum Zugang zu gesundheitlicher Versorgung, die Lebenserwartung beträgt  40 Jahre. Die Analphabetenrate liegt zwischen 80 und 90 Prozent. Von ihren Rechten wissen sie oft wenig, politischer Teilhabe findet selten statt.

Fehlende Wertschätzung der BaAka durch die Mehrheitsbevölkerung der Bantu untergräbt die Traditionen und verhindert deren Weitergabe an die nächsten Generationen. Die mündlich überlieferte Kultur der BaAka, die ohne Schrift und historische Zeugnisse wie Bauwerke auskommt, ist stark gefährdet. Das afrikanische Sprichwort „Wenn ein Greis stirbt, ist dies, als ob eine ganze Bibliothek verbrennt“ weist auf die zentrale Rolle der mündlichen Überlieferung hin.

Eine Erneuerung ihres Wissens über die Generationen kann jedoch das Leben der BaAka verbessern und zum Naturschutz beitragen. „Die Bewahrung des einzigartigen Naturerbes von Dzanga-Sangha ist nur möglich, wenn wir die Menschen dort mitnehmen“, sagt Johannes Kirchgatter vom WWF Deutschland, der schon lange Projekte mit den BaAka vor Ort vorantreibt. „Ihre Kultur und ihr Wissen über die Natur müssen unbedingt erhalten werden – auch wir können davon viel lernen.“

Leben im Waldcamp der BaAka © Dr. Percy Vogel
Leben im Waldcamp der BaAka © Dr. Percy Vogel

BaAka-Fund: Arbeit mit den Indigenen

Deshalb wurde 2012 vom WWF der BaAka-Fund ins Leben gerufen, um die BaAka in Dzanga-Sangha sozial, ökonomisch und kulturell zu stärken. Langfristige Ziele sind, die indigene Bevölkerung beim Schutz ihres Kultur- und Naturerbes zu unterstützen und sich für die Verteidigung ihrer Rechte einzusetzen. Die traditionellen Lebensgrundlagen sollen erhalten, die kulturelle Selbstbehauptung gestärkt werden. Wir führen medizinische Projekte durch und schaffen nachhaltige Verdienstmöglichkeiten, wie etwa im Öko-Tourismus. Die BaAka sind auch in der konkreten Naturschutz- und Forschungsarbeit intensiv eingebunden. Ohne ihre Kenntnisse und Fähigkeiten wäre zum Beispiel das Gorilla-Programm des WWF gar nicht möglich. So profitiert der Naturschutz von den BaAka, und die BaAka vom Naturschutz, der ihre Lebensgrundlagen dauerhaft sichert.

 

Weitergabe von Traditionen

Anfang 2012 starteten wir mit Unterstützung des BaAka-Funds und der zentralafrikanische NGO “Maison de l’Enfant et la Femme Pygmées“ (MEFP), eine Initiative mit Jugendlichen und Dorfältesten in Dzanga-Sangha. Mit Workshops, Exkursionen und Projekten wird das Kultur- und Naturerbe weiter erforscht, die Weitergabe von traditionellem Wissen gefördert und die kulturelle Identität gefestigt. Die Jugendlichen und Dorfältesten selbst bestimmen dabei über die Themen. Ihre Interessen und Fähigkeiten, Kreativität, Erinnerungsvermögen und Visionskraft treiben diese Projekte an. So entsteht ein Austausch zwischen den Generationen, Entscheidungsträgern und Bewohnern verschiedener Dörfer, die oft mehrere Tagesmärsche auseinander liegen. Die Jugendgruppe (genannt „Djima-Kali“) plant in Kürze, ihr gesammeltes Wissen zur Artenvielfalt des Waldes in Unterrichtseinheiten an Schulen und Theatervorführungen auf Dorfplätzen weiterzuverbreiten. Wissen und Kultur der BaAka  sterben so nicht, sondern werden weitergetragen auf nächste Generationen.

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