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Stand: 01.06.2017

Wir können viel von ihnen lernen: Die wertvollen Traditionen der BaAka

Die BaAka kennen die Regenwälder des Kongobeckens wie kaum jemand sonst: Seit Jahrtausenden lebt das indigene Volk hier in, mit und von der Natur. Mit einem speziellen Programm unterstützt der WWF die BaAka darin, ihr Wissen und ihre Tradition zu bewahren – auch für einen erfolgreichen Naturschutz, der den Menschen einschließt.

BaAka-Frau beim Korbflechten, Dzanga-Sangha-Nationalpark © Dr. Percy Vogel
BaAka-Frau beim Korbflechten, Dzanga-Sangha-Nationalpark © Dr. Percy Vogel

Sie gehören zu den ältesten Völkern der Erde: Schon bei den Pharaonen Ägyptens im vorchristlichen 23. Jahrhundert finden sich schriftliche Erwähnungen der Pygmäen und als mythische Fabelvölker waren sie auch in der Antike bekannt. Heute leben die BaAka (oder auch Bayaka) in den Regenwäldern Zentralafrikas. In Dzanga-Sangha haben sie eine ihrer letzten Zufluchtstätten, die sie sich mit der ebenfalls kulturellen Minderheit der Sangha-Fischer seit Jahrhunderten teilen.

BaAka-Gesänge als Weltkulturerbe

Die halbnomadische Lebensweise der BaAka als Jäger und Sammler ist eng an ihre Umwelt angepasst. Die tiefe spirituelle Beziehung zur Natur prägt das Wertesystem der BaAka, das sich durch Gemeinschaftssinn und Egalität, einvernehmliche Entscheidungen und eine ausgeprägte Kultur des Teilens auszeichnet. Ihr enormes ökologisches Wissen drückt sich unter anderem in ihrer Kultur aus, in Legenden, Liedern und Tänzen. Die Musik der BaAka mit ihren mehrstimmigen Gesängen wurde von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Beispiel Dzangha-Sangha: Naturvolk unter Druck

BaAka-Frau auf dem Weg zur traditionellen Netzjagd © Dr. Percy Vogel
BaAka-Frau auf dem Weg zur traditionellen Netzjagd © Dr. Percy Vogel

3500 BaAka leben heute im und um das Schutzgebiet Dzanga-Sangha - eine Minderheit unter der auf etwa 10.000 Menschen angestiegenen Bevölkerung rund um den Nationalpark. In den letzten Jahren sind die BaAka jedoch unter großen Druck geraten, sich an neue Einflüsse anzupassen. Der Raubbau an ihren natürlichen Ressourcen und das zunehmend sesshafte Leben bringen Armut und Ausbeutung, Diskriminierung und Krankheiten mit sich. Viele Gemeinden haben kaum Zugang zu gesundheitlicher Versorgung, die Lebenserwartung beträgt 40 Jahre. Die Analphabetenrate liegt zwischen 80 und 90 Prozent. Von ihren Rechten wissen sie oft wenig, politische Teilhabe findet selten statt.


Fehlende Wertschätzung der BaAka durch die Mehrheitsbevölkerung der Bantu untergräbt die Traditionen und verhindert deren Weitergabe an die nächsten Generationen.

Ihr Wissen muss erhalten werden

Leben im Waldcamp der BaAka © Dr. Percy Vogel
Leben im Waldcamp der BaAka © Dr. Percy Vogel

Die mündlich überlieferte Kultur der BaAka, die ohne Schrift und historische Zeugnisse wie Bauwerke auskommt, ist stark gefährdet. Hier bewahrheitet sich folgenschwer das afrikanische Sprichwort „Wenn ein Greis stirbt, ist dies, als ob eine ganze Bibliothek verbrennt“.


Eine Erneuerung ihres Wissens über die Generationen kann jedoch das Leben der BaAka verbessern und zum Naturschutz beitragen. „Die Bewahrung des einzigartigen Naturerbes von Dzanga-Sangha ist nur möglich, wenn wir die Menschen dort mitnehmen“, sagt Johannes Kirchgatter vom WWF Deutschland, der schon lange Projekte mit den BaAka vor Ort vorantreibt. „Ihre Kultur und ihr Wissen über die Natur müssen unbedingt erhalten werden – auch wir können davon viel lernen.“ Der Erhalt dieses Wissens, der Kultur und der Traditionen der BaAka ist ein Ziel des BaAka Fund, den der WWF 2012 ins Leben gerufen hat.

Weitergabe von Tradionen

Anfang 2012 startete der WWF ein wichtiges Projekt mit Jugendlichen und Dorfältesten in Dzanga-Sangha: In Workshops und Exkursionen wird das Kultur- und Naturerbe erforscht, traditionelles Wissen weiter gegeben und die kulturelle Identität gefestigt. Die Jugendlichen und Dorfältesten selbst bestimmen die Themen. Ihre Interessen und Fähigkeiten, Kreativität, Erinnerungsvermögen und Visionskraft treiben das Projekt an. So entsteht ein Austausch zwischen den Generationen, Entscheidungsträgern und Bewohnern verschiedener Dörfer, die oft mehrere Tagesmärsche auseinander liegen. Inzwischen gibt die Jugendgruppe (genannt „Ndima-Kali Djima-Kali“) selbst ihr gesammeltes Wissen zur Artenvielfalt des Waldes in Unterrichtseinheiten an Schulen und Theatervorführungen auf Dorfplätzen weiter. Auch ein Buch über Heilpflanzen ist beispielsweise schon entstanden. Wissen und Kultur der BaAka  sterben so nicht, sondern werden auf nächste Generationen übertragen. Die Stärkung des kulturellen Selbstvertrauens ist außerdem ein wichtiger Pfeiler im Kampf gegen Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen.


Der WWF arbeitet für dieses Projekt eng mit dem Verein OrigiNations zusammen, der weltweit indigene Völker und andere Minderheiten unterstützt. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom BMZ, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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