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Stand: 24.08.2017

Interview mit Joseph Itongwa, Generalsekretär von REPALEAC

Joseph Itwonga © WWF
Joseph Itwonga © WWF

Können Sie sich ganz kurz einmal vorstellen und sagen, was sie beruflich tun?

Hallo, gerne, ich bin Joseph Itongwa, komme aus der Demokratischen Republik Kongo und arbeite für

REPALEAC, einem Netzwerk der indigenen und lokalen Bevölkerungsgruppen für die nachhaltige Bewirtschaftung der Waldökosysteme in Zentralafrika und für PIDP, das  Programme Intégré pour le Développement du Peuple Pygmee au Kivu. Dieses Programm dient zur Integration der Mbuti, einem indigenen Volk, in meiner Heimat Kivu im Osten des Landes. Unsere Organisation wiederum gehört zur IPACC, der Dachverband der afrikanischen indigenen Organisationen, einem Zusammenschluss von 135 Organisationen aus 20 afrikanischen Nationen.

 

Wie genau sieht ihre Arbeit aus?

Gemeinsam mit IPACC haben wir in Kivu ein System aufgebaut, um Menschenrechtsverletzungen an Indigenen besser aufzeichnen zu können. So sind wir in der Lage, Berichte zu verfassen, die wir an das internationale Menschenrechtskommitee weiterreichen können. Die Situation in Kivu erhält so internationale Aufmerksamkeit und Experten müssen dazu Stellung nehmen. Das ist ein großer Fortschritt für uns.


Derzeit arbeite ich auch daran, ein ähnliches Programm in dem Schutzgebiet Dzangha Sangha aufzusetzen, Teil eines UNESCO Welterbe im Dreiländereck zwischen der Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und Kamerun. Dort leben BaAka. Bislang galten sie oftmals als eine Minderheit, deren Rechte nur wenig Bedeutung spielten. Das soll sich nun ändern.

 

Welche Hilfe benötigen die BaAka denn?

Unsere Untersuchungen haben drei grundlegende Bedrohungen identifiziert. Erstens, die allgemeine Diskriminierung von autochthonen Gemeinden. Die geht einher mit Dingen wie schlechter Bezahlung oder schlechter Behandlung. Als wandernde Arbeitskräfte - viele BaAka leben seminomadisch - genießen sie sehr wenig Ansehen, was weitere Auswirkungen hat. Einerseits ist diese Diskriminierung historisch gewachsen. Teilweise sind die Vorbehalte jedoch auch neu. Der Druck auf den Wald wächst, und damit einhergehen Konflikte zwischen den Menschen, die von ihm leben.


Als zweites haben wir den Kulturverlust dokumentiert. Aufgrund dieser Alltagsdiskriminierung verliert die eigene Kultur mehr und mehr an Bedeutung. Die Furcht vor Diskriminierung führt mitunter zum Abstand zur eigenen Kultur.


Als Drittes gibt es noch die Bedrohung der Lebensräume durch Zerstörung. Viele Indigene besitzen keine politische Stimme geschweige denn die Bodenrechte, für das Land, auf dem sie leben. Somit sind sie oftmals einfach ausgeliefert.

 

Die BaAka werden oft auch als Waldleute bezeichnet, inwiefern ist ihre Kultur vom Leben im Wald gekennzeichnet?

Die BaAka gehören zu den ältesten Völkern der Welt. Sie leben in einer ganz anderen Form mit dem Wald als andere Völker. Sie kennen die Tiere, wissen, wo sie sich am liebsten aufhalten. Beispielsweise weiß wohl kaum jemand so gut, wo man Gorillahabitate finden kann wie die BaAka. Sie verfügen aber auch über ein extremes Wissen über die Pflanzen des Waldes, können Medizin aus vielen Zutaten herstellen. Sie sind schlicht die Menschen, mit dem größten Wissen über die Wälder. Eigentlich könnten viele Menschen von diesem Wissen profitieren.

 

Auch der WWF arbeitet mit den BaAka in Dzangha Sangha zusammen. Wie genau?

Der WWF versucht, auf den tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung zu antworten, die in Dzangha Sangha beheimatet ist. Unsere Untersuchungen dienen dabei als Grundlage. Die Erhaltung der Kultur ist dabei ein ganz wichtiger Punkt. Gemeinsam mit dem deutschen Verein OrigiNations hilft der WWF, überhaupt einmal zu identifizieren, was alles genau zu dieser Kultur gehört. Außerdem unterstützt uns der WWF dabei, die Traditionen zu bewahren, und unseren Kindern die Dinge beizubringen, die schon seit Generationen weitergegeben wurden und nun drohen, verloren zu gehen.

 

Auch bei Rechtsfragen hilft der WWF den Indigenen, so wurde mit Hilfe der lokalen Organisation MEFP ein Menschrechtszentrum vor Ort etabliert. Seit 2015 wurden 15 Fälle von Diskriminierungen oder Übergriffen, davon drei schwere, aufgezeichnet, die ein Anwalt bis vor das Provinzgericht begleitet hat. Bislang  konnten im Rahmen dieses Programmes die Bevölkerung von 13 Dörfer im Umgang mit den indigenen Rechten geschult werden.

 

Wie bewerten Sie die Fortschritte Ihrer Arbeit?

Als großen Erfolg sehe ich unser Menschenrechtszentrum, ein Ort, an den sich besonders BaAka, aber auch die zu Mehrheit gehörenden Bantu wenden können, wenn sie Fragen oder Hilfe brauchen oder einen Konflikt lösen möchten. Hier finden sie Beratung durch einen Anwalt oder Sozialarbeiter. Vorher gab es hier niemanden, der helfen konnte. Jetzt gibt es Struktur. Die Baaka werden endlich langsam als Akteure wahrgenommen, auch von sich selbst.

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