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Stand: 26.11.2014

Kein Job wie jeder andere: Die EcoGuards in Salonga

Der Salonga Nationalpark ist das einzige Schutzgebiet für Bonobos. Dort leben noch etwa 5000 von ihnen. Der WWF-Projektleiter Jonas Eriksson versucht, sie mit den EcoGuards vor den Wilderern zu schützen - zu Fuß im Regenwald.

EcoGuards bei der Patrouille © WWF / Mike Goldwater
EcoGuards bei der Patrouille © WWF / Mike Goldwater

Mit wie vielen EcoGuards arbeiten Sie zusammen und wie würden Sie sie beschreiben?

In Salonga sind um die 300 Guards beschäftigt. Es sind normale Leute aus den umliegenden Dörfern, alte und junge. Nach und nach versucht der ICCN (Institut Congolais pour la Conservation de la Nature) das Alter zu senken und jüngere zu rekrutieren. Sie sollen zwischen 18 und 35 sein und lesen und schreiben können.

Und wie sieht die Arbeit der Guards aus?

Wenn sie nicht auf Patrouille sind, haben sie normale Büroarbeitszeiten. Die Patrouillen sind harte Arbeit, tagelang mit Gepäck beladen durch den Wald ziehen.

Beschreiben Sie doch einmal, wie so eine Patrouille abläuft…

Jonas Eriksson, WWF-Projektleiter Salonga © Jonas Eriksson / WWF
Jonas Eriksson, WWF-Projektleiter Salonga © Jonas Eriksson / WWF

Salonga besteht aus Regenwald. Es ist sehr nass und wir müssen häufig Sümpfe und Gewässer überqueren. Wir laufen sehr viel, nur manchmal können wir ein Stück mit Kanus mit Außenboardern fahren, aber die Patrouille ist zu Fuß. Wenn wir abends unser Lager aufschlagen, sind wir meist sehr nass, sehr schmutzig, sehr müde. Wir suchen unsere Nachtlager möglichst neben einem Bach, um uns waschen zu können und Wasser zu haben. Zu essen gibt es meist Räucherfisch und Fufu, einen Brei aus Maniokmehl. Das ist praktisch, weil das leicht zu tragen ist. Unser Lager machen wir gewöhnlich aus Zeltplanen. Wenn es nicht regnet, lege ich nur eine Schaumstoffmatte neben das Feuer. In der Morgendämmerung geht es weiter. Wenn wir dabei frische Spuren von Menschen sehen, beginnt die Jagd auf die Wilderer. Wenn wir auf Fallen stoßen, entfernen wir sie. Das ist oft kompliziert und anstrengend. Das Gute an Fallen ist, dass die Wilderer regelmäßig zu ihnen zurückkehren müssen. Das hinterlässt meist Spuren, die wir leicht verfolgen können.

Wie sehen diese Fallen aus?

Meist handelt es sich um Drahtschlingen, um kleine Antilopen oder Buschschweine zu fangen. Bonobos wollen sie meistens gar nicht erwischen, aber die verfangen sich eben auch darin. Dann geraten die Bonobos in Panik und schaffen es häufig sich zu befreien – aber mit tiefen Wunden an Armen oder Beinen. Es gibt auch Fallen aus Nylon, die noch viel gefährlicher sind. Diese Fallen nehmen wir mit und verbrennen sie.

Wie oft trifft man auf Wilderer?

Oft laufen wir tagelang und finden nichts. Manchmal finden wir täglich neue Camps. Was wir dann machen, hängt ganz von der Situation ab, etwa wie viele Guards wir sind. Es ist natürlich immer eine sehr angespannte Situation und man muss genau abwägen, ob man sich an die Verfolgung macht. Das Letzte was man will, ist natürlich ein Feuergefecht. Das Wichtigste ist, die Wilderer nicht zu erschrecken. Ich habe schon oft meine Guards in Deckung zurückgelassen und bin alleine, nur mit traditionellen Pfeil und Bogen in die Camps gegangen. Das soll sie davon abhalten, sofort das Feuer zu eröffnen. Ich versuche sie zum Reden zu bringen. Es ist viel schwerer jemanden umzubringen, wenn man vorher Kontakt hatte.

Bonobo © Matthias Dehling
Bonobo © Matthias Dehling

Was passiert, wenn sie auf Bonobos treffen?

Nicht habituierte Bonobos reagieren immer auf den Jagddruck. Wenn irgendwo nicht gejagt wird, sind sie meist neugierig und beobachten uns von den Bäumen aus. Anders, wenn sie schlechte Erfahrung mit Menschen gemacht haben: Dann hört man den Alarmschrei, gefolgt von dumpfen Schlägen, wenn die ganze Gruppe vom Baum springt, um dann im Unterholz zu verschwinden.

Was tut der WWF für die Guards?

Der WWF gibt uns Essensrationen und Ausrüstung. Angestellt sind die Guards beim Staat. Es ist ein Job, aber keiner wie jeder andere. Man braucht paramilitärisches Training und trägt ein Gewehr.

Wie steht die Bevölkerung zu den Guards?

Okay - wenn sie sich benehmen. Die Leute sind aber auch skeptisch. EcoGuards haben Gewehre. Und mit Gewehren kann man viel Ärger machen.

Und wie stehen die Menschen zur Arbeit des WWF?

Nur wenige Leute hier verstehen die Vorstellungen und Visionen des WWF. Sie kommen eben aus einer völlig anderen Kultur. Natur ist wichtig für sie, aber eben völlig anders als aus der westlichen Perspektive. Bei den Menschen hier geht hier nicht darum, die Tiere anzuschauen, zu filmen oder zu fotografieren. Tiere bedeuten hier Lebensgrundlage. Die Menschen hier wollen und müssen auch morgen noch vom Wald leben. Wenn wir zeigen, dass wir auch den Menschen helfen, akzeptieren und unterstützen sie den Naturschutz. Im Umfeld Salongas arbeiten wir deshalb gemeinsam mit der Bevölkerung daran, die Jagd auf nicht bedrohte Tierarten und andere Nutzungen nachhaltig zu machen. Das kann dann auch ein guter Schutz sein. Wenn im Kongobecken der Wald komplett in Palmölplantagen umgewandelt werden soll, ist die lokale Bevölkerung oft der beste Verbündete, weil sie vom Wald leben. Auch wenn professionelle Wilderer den Wald komplett ausräumen, merken die Menschen, dass sie ihrer Lebensgrundlage verlieren.

Wir müssen mit den Menschen Einkommens-Alternativen entwickeln: bessere Landwirtschaft oder Ökotourismus. Dort wo Menschenaffen Touristen anlocken, sind lebende Tiere plötzlich viel mehr wert als tote - das ist das beste Argument für den Naturschutz. Damit stehen wir im Salonga noch ganz am Anfang, aber in anderen Schutzgebieten, die vom WWF betreut werden, funktioniert das schon ziemlich gut. Die große Herausforderung und die Chance Salongas besteht aus seiner schieren Größe, die der Fläche von Baden-Württemberg entspricht. Ein so großes Gebiet intakten Regenwaldes zu erhalten, das gibt es so nicht noch einmal. Deshalb will der WWF hier das Co-Management in Kooperation mit der ICCN übernehmen. Wenn wir die Bonobos und viele andere Arten irgendwo retten können- dann hier!

Helfen Sie den Bonobos und unterstützen Sie die Arbeit der EcoGuards in Salonga

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