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Stand: 24.03.2014

Dzanga-Sangha: Naturschutz in Zeiten des Bürgerkriegs

Revolten, Umstürze und Chaos sind in der Zentralafrikanische Republik nichts Neues. Doch nun ist ein Konflikt neuer Qualität ausgebrochen. Das Land taumelt der Anarchie entgegen. Mittendrin setzt sich der WWF für die Natur ein – und kann bisher Schlimmeres verhindern.

Ranger des WWF in Dzanga-Sangha © Ralf Baecker / WWF
Ranger des WWF in Dzanga-Sangha © Ralf Baecker / WWF

Eine neue Runde der politischen Unruhen begann Anfang 2013 in der Zentralafrikanischen Republik, als Séléka-Rebellen die Macht gewaltsam an sich rissen – ein loses Bündnis von verschiedenen Gruppen aus dem Norden des Landes und den Nachbarländern, die sich als Islamisten bezeichneten, aber eher auf reines Plündern aus waren. Die Séléka wurden Anfang 2014 wieder von der Macht vertrieben. In der Hauptstadt Bangui regiert nun eine Übergangspräsidentin.

 

Und doch breitet sich im ganzen Land ein Bürgerkrieg völlig neuer Qualität aus - Christen gegen Muslime und umgekehrt. Die Antibalaka-Milizen der christlichen Mehrheit des Landes, die gegründet wurde, um die Séléka zu vertreiben, rächen sich nun wahllos an allen Muslimen. Ein ganzes Land dreht sich in der Hassspirale. Vermutlich tausende Tote gab es bisher schon. Hundertausende sind auf der Flucht. Das Land liegt am Boden.

In Dzanga-Sangha leben zahlreiche Waldelefanten und Flachlandgorillas © Ollie Wearn / WWF
In Dzanga-Sangha leben zahlreiche Waldelefanten und Flachlandgorillas  © Ollie Wearn / WWF

Naturparadies im Bürgerkrieg

Gegen das Morden hat die ehemalige Kolonialmacht Frankreich inzwischen 2000 Soldaten der „Opération Sangaris“ in dem Land stationiert. Hinzu kommen 6000 Soldaten einer afrikanischen Eingreiftruppe und EU-Unterstützung, darunter auch deutsche Soldaten. Mitten in diesem Bürgerkrieg versucht der WWF das Naturparadies Dzanga-Sangha zu beschützen. Trotz der akuten Gefahr – und gerade deswegen.

 

Seit 1990 arbeitet der WWF im Nationalpark Dzanga-Ndoki. Hier im Regenwald ganz im Südzipfel des Landes leben zahlreiche Waldelefanten und Flachlandgorillas. Der Park ist Teil des länderübergreifenden Schutzgebietes „Trinationale de la Sangha“, seit 2012 UNESCO-Weltnaturerbe und bekannt als Dzanga-Sangha. Nirgendwo sonst können noch über 150 Waldelefanten auf einer einzigen Urwaldlichtung beobachtet werden.

Elefantengemetzel in Dzanga Ba (ZAR) © WWF
Elefantengemetzel in Dzanga Ba (ZAR) © WWF

Angriff auf die Elefanten

Während in großen Teilen Afrikas die Wilderei seit ein paar Jahren zunehmend eskaliert, galt das einzigartige Schutzgebiet Dzanga-Sangha lange als sicher. "Wir wollen immer die lokale Bevölkerung in den Naturschutz einbeziehen, zum Beispiel als EcoGuards oder im Ökotourismus. Der Park ist damit eine wichtige Einkommensquelle für die Leute – die deshalb beim Schutz mithelfen", sagt der profunde Afrikakenner Johannes Kirchgatter vom WWF Deutschland. "Wenn die Situation aber dermaßen außer Kontrolle gerät, dann sind oft die besten Konzepte machtlos", sagt Kirchgatter – wie etwa, als es im März 2013 zu einem schrecklichen Angriff auf den Nationalpark kam, bei dem 26 Waldelefanten für ihr Elfenbein getötet wurden. Das WWF Büro wurde geplündert, Mitarbeiter mussten fliehen.

 

"Aber auch in dieser extremen Situation hat sich unsere Haltung bewährt", sagt Kirchgatter – nämlich strikte Neutralität wahren, sich um den Schutz von Mensch und Natur bemühen, viel kommunizieren, die einheimische Bevölkerung einbeziehen, im Kontakt mit allen maßgeblichen Stellen bleiben und für internationale Aufmerksamkeit sorgen. So gelang es, durch internationalen Druck, verlässliche Truppen in die Nähe des Schutzgebietes zu bekommen und die Wilderer zu vertreiben. Die Arbeit im Schutzgebiet wurde sofort wieder aufgenommen. Weitere Massaker an den Elefanten konnten verhindert werden, obwohl das ganze Land im Chaos versinkt.

WWF-Afrika Referent Johannes Kirchgatter © Percy Vogel / WWF
WWF-Afrika Referent Johannes Kirchgatter © Percy Vogel / WWF

Dzanga Sangha: Die Arbeit geht weiter

"Es ist sinnvoll, gerade in Zeiten des Bürgerkriegs weiter zu arbeiten", sagt Kirchgatter. "Häufig können wir so das Schlimmste verhindern." Die Tierbeobachtungen der letzten sechs Monate zeigen, dass die Zahlen der Elefanten die die offene DzangaBai besuchen kontinuierlich angestiegen sind, sie sich also wieder sicher fühlen. Trotz der instabilen Lage ist es in Dzanga-Sangha momentan vergleichsweise ruhig, die Arbeit für den Naturschutz geht weiter – wenn auch mit erheblichen Schwierigkeiten. Mitarbeiter aus Europa können momentan aus Sicherheitsgründen Dzanga-Sangha nicht besuchen. Materialtransporte sind vorerst wegen der Gefahr von Plünderungen auf dem Landweg nicht möglich.

Naturschutz heißt Hoffnung

Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit BMZ werden im nächsten halben Jahr die Patrouillen der Ecoguards sowie Training und ihre Ausrüstung finanziert. Auch die Beobachtung der an den Menschen gewöhnten Gorillagruppen durch wissenschaftliche Mitarbeiter des Primate Habituation-Programms wird fortgesetzt. „Die Unterstützung durch die einheimische Bevölkerung ist dabei unser großes Plus“, sagt Kirchgatter. Sie wissen, dass ein bewahrtes Welt-Naturerbe Dzanga-Sangha weiter Jobs bringen wird, dass wieder Touristen kommen werden – irgendwann, wenn die Hassspirale durchbrochen ist. Es gibt Hoffnung für Dzanga-Sangha. Und Dzanga-Sangha ist eine Hoffnung für das Land.

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